Ein­ge­hungs­be­trug bei der Auto­fi­nan­zie­rung – und die gefälsch­te Gehalts­be­schei­ni­gung

Unter Beach­tung des Beschlus­ses des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 07.12 2011 1 bedarf es im Fal­le eines Ein­ge­hungs­be­trugs einer aus­rei­chen­den Beschrei­bung und Bezif­fe­rung des täu­schungs­be­ding­ten Ver­mö­gens­scha­dens. Da spe­zi­ell beim Ein­ge­hungs­be­trug die Scha­dens­hö­he ent­schei­dend von der Wahr­schein­lich­keit; und vom Risi­ko eines zukünf­ti­gen Ver­lus­tes abhängt, setzt die Bestim­mung eines (Mindest)Schadens vor­aus, dass die Ver­lust­wahr­schein­lich­keit trag­fä­hig ein­ge­schätzt wird 2.

Ein­ge­hungs­be­trug bei der Auto­fi­nan­zie­rung – und die gefälsch­te Gehalts­be­schei­ni­gung

Denn ist auf­grund der feh­len­den Boni­tät des Schuld­ners und nicht aus­rei­chen­der Sicher­hei­ten kon­kret erkenn­bar, dass mit einem (teil­wei­sen) For­de­rungs­aus­fall zu rech­nen ist, müs­sen gege­be­nen­falls Kor­rek­tu­ren – etwa ent­spre­chend bank­üb­li­cher Bewer­tungs­an­sät­ze für Wert­be­rich­ti­gun­gen – vor­ge­nom­men wer­den, die ihrer­seits unge­ach­tet der prak­ti­schen Schwie­rig­kei­ten ihrer Ermitt­lung auch im Rah­men der Scha­dens­be­rech­nung zugrun­de gelegt wer­den kön­nen, ohne dass es auf den tat­säch­li­chen Ver­lauf des Dar­le­hens­ver­hält­nis­ses (noch) ankommt 3.

Hin­sicht­lich der Höhe des Ver­mö­gens­scha­dens kann nicht allein auf die bei Bean­tra­gung des Dar­le­hens vor­ge­leg­te gefälsch­te Gehalts­be­schei­ni­gung des jewei­li­gen Dar­le­hens­neh­mers abge­stellt wer­den, um einen Gefähr­dungs­scha­den in vol­ler Höhe des Dar­le­hens­be­tra­ges anzu­neh­men, weil der Rück­zah­lungs­an­spruch auf­grund des in Wahr­heit nicht bestehen­den Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses nicht der ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­ten Wert­hal­tig­keit ent­spre­che. Der betrugs­be­ding­te Ver­mö­gens­scha­den hät­te viel­mehr durch eine Bewer­tung des täu­schungs­be­ding­ten Risi­ko­un­gleich­ge­wichts ermit­telt wer­den müs­sen, für des­sen Berech­nung maß­geb­lich ist, ob und in wel­chem Umfang die das Dar­le­hen aus­rei­chen­de Bank ein höhe­res Aus­fall­ri­si­ko trifft, als es bestan­den hät­te, wenn die risi­ko­be­stim­men­den Fak­to­ren vom Dar­le­hens­neh­mer zutref­fend ange­ge­ben wor­den wären. In die­sem Zusam­men­hang hät­te auch die Wert­hal­tig­keit etwai­ger Sicher­hei­ten – wie die Siche­rungs­über­eig­nung der Fahr­zeu­ge – in den Blick genom­men und wirt­schaft­lich in Ansatz gebracht wer­den müs­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Sep­tem­ber 2015 – 5 StR 314/​15

  1. BVerfGE 130, 1[]
  2. vgl. BVerfGE aaO, S. 48 f.[]
  3. vgl. auch BGH, Beschlüs­se vom 13.04.2012 – 5 StR 442/​11, BGHR StGB § 263 Abs. 1 Ver­mö­gens­scha­den 76; vom 04.02.2014 – 3 StR 347/​13, Stra­Fo 2014, 166; und vom 20.05.2014 – 4 StR 143/​14, wis­tra 2014, 349[]
  4. BVerfGE 130, 1[]