Ein­schleu­sen von Aus­län­dern – und die Tat­voll­endung bei inner­eu­ro­päi­schen Flü­gen

Nach § 13 Abs. 1 Satz 1 Auf­en­thG ist die Ein­rei­se in das Bun­des­ge­biet nur an den zuge­las­se­nen Grenz­über­gangs­stel­len und inner­halb der fest­ge­setz­ten Ver­kehrs­stun­den zuläs­sig, soweit nicht auf Grund ande­rer Rechts­vor­schrif­ten oder zwi­schen­staat­li­cher Ver­ein­ba­run­gen Aus­nah­men zuge­las­sen sind.

Ein­schleu­sen von Aus­län­dern – und die Tat­voll­endung bei inner­eu­ro­päi­schen Flü­gen

An einer zuge­las­se­nen Grenz­über­gangs­stel­le ist die Ein­rei­se erst voll­endet, wenn der Aus­län­der die Gren­ze über­schrit­ten und die Grenz­über­gangs­stel­le pas­siert hat (§ 13 Abs. 2 Satz 1 Auf­en­thG), in allen übri­gen Fäl­len ist ein Aus­län­der ein­ge­reist, wenn er die Gren­ze über­schrit­ten hat (§ 13 Abs. 2 Satz 3 Auf­en­thG).

Die­se natio­na­len Rege­lun­gen für den Grenz­ver­kehr wer­den – gemein­schafts­recht­lich ver­bind­lich – über­la­gert durch die Ver­ord­nung (EG) 562/​2006 vom 15.03.2006 über einen Gemein­schafts­ko­dex für das Über­schrei­ten der Gren­zen durch Per­so­nen (Schen­ge­ner Grenz­ko­dex, SGK), durch den die ent­spre­chen­den Vor­schrif­ten im Über­ein­kom­men zur Durch­füh­rung des Über­ein­kom­mens von Schen­gen vom 14.06.1985 zwi­schen den Regie­run­gen der Staa­ten der Bene­lux-Wirt­schafts­uni­on, der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Fran­zö­si­schen Repu­blik betref­fend den schritt­wei­sen Abbau der Kon­trol­len an den gemein­sa­men Gren­zen (Schen­ge­ner Durch­füh­rungs­über­ein­kom­men, SDÜ) auf­ge­ho­ben wor­den sind (vgl. Art. 39 Abs. 1 SGK). Nach Art.20 SGK dür­fen die Bin­nen­gren­zen zwi­schen Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on unab­hän­gig von der Staats­an­ge­hö­rig­keit der betref­fen­den Per­son jeder­zeit ohne Per­so­nen­kon­trol­len über­schrit­ten wer­den. Die­ser Weg­fall der Grenz­kon­trol­len und der Abbau der Grenz­über­gangs­stel­len hat zur Fol­ge, dass sich der Grenz­über­tritt in das Bun­des­ge­biet an einer Bin­nen­gren­ze zu einem ande­ren Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on nicht mehr nach § 13 Abs. 2 Satz 1 Auf­en­thG rich­tet, son­dern nach § 13 Abs. 2 Satz 3 Auf­en­thG; ein Aus­län­der ist mit­hin an einer Bin­nen­gren­ze bereits dann ein­ge­reist, wenn er die Grenz­li­nie kör­per­lich über­schrit­ten und das Bun­des­ge­biet betre­ten hat 1. Für die Ein­rei­se auf dem Luft­weg ist zu dif­fe­ren­zie­ren zwi­schen Flü­gen aus einem ande­ren Mit­glied­staat (Bin­nen­flug, vgl. Art. 2 Nr. 3 SGK) und sol­chen, die aus einem Dritt­staat kom­men 2: Im Fall der Ein­rei­se mit einem Bin­nen­flug fin­det eine Grenz­kon­trol­le gleich­falls nicht statt; der Aus­län­der ist mit­hin nach § 13 Abs. 2 Satz 3 Auf­en­thG mit Über­schrei­ten der Gren­ze ein­ge­reist. Nach Art. 2 Nr. 1 Buchst. b SGK gilt der Flug­ha­fen am Ziel­ort als Bin­nen­gren­ze, so dass die Ein­rei­se mit dem Betre­ten des Bun­des­ge­bie­tes am Flug­ha­fen voll­endet ist 3.

Es kommt hin­ge­gen nicht dar­auf an, ob der Aus­län­der bereits den öffent­li­chen Bereich des Flug­ha­fen­ge­län­des betre­ten oder gar den Flug­ha­fen­be­reich ver­las­sen hat; die­se Merk­ma­le kön­nen nur indi­zi­el­le Bedeu­tung für die Fra­ge erlan­gen, ob der Aus­län­der eine Grenz­über­gangs­stel­le pas­siert hat, knüp­fen mit­hin an die – bei Bin­nen­flü­gen gera­de nicht gege­be­ne – Grenz­si­tua­ti­on nach § 13 Abs. 2 Satz 1 Auf­en­thG an. Die­se liegt nur vor, wenn der Flug aus einem Dritt­staat kommt und der Flug­ha­fen des­halb nach Art. 2 Nr. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 2 Nr. 1 Buchst. b SGK als Außen­gren­ze gilt, und sich dort zugleich die Grenz­über­gangs­stel­le im Sin­ne von Art. 2 Nr. 8 SGK befin­det.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall kam der Flug, mit dem der Ange­klag­te und die von ihm Geschleus­ten in Düs­sel­dorf (zwischen)landeten, aus Ita­li­en, also aus einem Mit­glied­staat; der Wei­ter­flug nach Schwe­den hat­te eben­falls einen Schen­gen-Staat zum Ziel. Die Geschleus­ten reis­ten mit­hin ein, indem sie das Bun­des­ge­biet am Flug­ha­fen betra­ten, ohne dass es – wor­auf der Gene­ral­bun­des­an­walt in sei­ner Zuschrift abstel­len woll­te – dar­auf ankommt, wel­che Rei­se­do­ku­men­te sie mit sich führ­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. April 2015 – 3 StR 86/​15

  1. BGH, Urteil vom 26.02.2015 – 4 StR 233/​14 21 mwN[]
  2. vgl. Schott, Ein­schleu­sen von Aus­län­dern, 2. Aufl.2011, S. 113[]
  3. BGH aaO mwN; aA Schott aaO; Stop­pa in: Huber, Auf­en­thG, § 95 Rn. 117: Ein­flie­gen in den deut­schen Luft­raum[]