Fehl­schlag und Rück­tritt

Ein Ver­such ist fehl­ge­schla­gen, wenn die Tat nach Miss­lin­gen des zunächst vor­ge­stell­ten Tat­ab­laufs mit den bereits ein­ge­setz­ten oder ande­ren nahe­lie­gen­den Mit­teln objek­tiv nicht mehr voll­endet wer­den kann und der Täter dies erkennt oder wenn er sub­jek­tiv die Voll­endung nicht mehr für mög­lich hält. Maß­geb­lich dafür ist nicht der ursprüng­li­che Tat­plan, dem je nach Fall­ge­stal­tung aller­dings Indi­zwir­kung für den Erkennt­nis­ho­ri­zont des Täters zukom­men kann, son­dern des­sen Vor­stel­lung nach Abschluss der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung (sog. Rück­tritts­ho­ri­zont; vgl. BGH, Beschlüs­se vom 15.01.2015 – 4 StR 560/​14, Rn. 6; vom 22.03.2012 – 4 StR 541/​11, NStZ-RR 2012, 239, 240; und vom 02.11.2007 – 2 StR 336/​07, NStZ 2008, 393).

Fehl­schlag und Rück­tritt

Ein Fehl­schlag liegt nicht bereits dar­in, dass der Täter die Vor­stel­lung hat, er müs­se von sei­nem Tat­plan abwei­chen, um den Erfolg her­bei­zu­füh­ren.

Hält er die Voll­endung der Tat im unmit­tel­ba­ren Hand­lungs­vor­gang noch für mög­lich, wenn auch mit ande­ren Mit­teln, so ist der Ver­zicht auf ein Wei­ter­han­deln als frei­wil­li­ger Rück­tritt vom unbe­en­de­ten Ver­such zu bewer­ten 1.

Fehl­ge­schla­gen ist der Ver­such erst, wenn der Täter erkennt oder die sub­jek­ti­ve Vor­stel­lung hat, dass es zur Her­bei­füh­rung des Erfolgs eines erneu­ten Anset­zens bedürf­te, etwa mit der Fol­ge einer zeit­li­chen Zäsur und einer Unter­bre­chung des unmit­tel­ba­ren Hand­lungs­fort­gangs, sodass sich das Gesche­hen aus der Per­spek­ti­ve eines Drit­ten nicht mehr als ein ein­heit­li­cher Lebens­sach­ver­halt dar­stel­len wür­de 2.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall, in dem es um einen ver­such­ten Tot­schlag durch einen PKW-Kol­li­si­on ging, hat­te zwar hat­ten meh­re­re Zeu­gen infol­ge des Kol­li­si­ons­ge­räuschs die Poli­zei geru­fen. Indes muss davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass eine gewis­se Zeit bis zum Ein­tref­fen der Poli­zei ver­strich. Daher hält es der Bun­des­ge­richts­hof daher nicht für fern­lie­gend, dass der Ange­klag­te sei­nen Tötungs­vor­satz noch hät­te wei­ter­ver­fol­gen kön­nen, wenn er dies noch gewollt hät­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Sep­tem­ber 2015 – 4 StR 359/​15

  1. BGH, Beschlüs­se vom 21.04.2015 – 4 StR 92/​15, NJW 2015, 2898, 2899; vom 22.03.2012, aaO; und vom 26.09.2006 – 4 StR 347/​06, NStZ 2007, 91[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 04.08.2015 – 1 StR 329/​15; vom 21.04.2015, aaO; vom 09.09.2014 – 4 StR 367/​14, NStZ 2015, 26; und vom 19.05.1993 – GSSt 1/​93, BGHSt 39, 221, 232; Urtei­le vom 08.02.2007 – 3 StR 470/​06, NStZ 2007, 399; und vom 30.11.1995 – 5 StR 465/​95, BGHSt 41, 368, 369[]