Frei­spruch – und die Urteils­grün­de

Nach § 267 Abs. 5 Satz 1 StPO muss der Tatrich­ter bei einem Frei­spruch aus tat­säch­li­chen Grün­den im Anschluss an die Mit­tei­lung des Ankla­ge­vor­wurfs zunächst die­je­ni­gen Fest­stel­lun­gen anfüh­ren, die er für erwie­sen hält, bevor er in der Beweis­wür­di­gung dar­legt, aus wel­chen Grün­den die für einen Schuld­spruch erfor­der­li­chen zusätz­li­chen Fest­stel­lun­gen nicht getrof­fen wer­den kön­nen.

Frei­spruch – und die Urteils­grün­de

Die Begrün­dung muss dabei so abge­fasst sein, dass das Revi­si­ons­ge­richt prü­fen kann, ob dem Tatrich­ter Rechts­feh­ler unter­lau­fen sind, ins­be­son­de­re ob der den Ent­schei­dungs­ge­gen­stand bil­den­de Sach­ver­halt erschöp­fend gewür­digt wor­den ist1.

Das Revi­si­ons­ge­richt hat es zwar grund­sätz­lich hin­zu­neh­men, wenn das Tat­ge­richt einen Ange­klag­ten frei­spricht, weil es Zwei­fel an des­sen Tat­be­ge­hung nicht zu über­win­den ver­mag. Die revi­si­ons­ge­richt­li­che Prü­fung beschränkt sich dar­auf, ob dem Tatrich­ter Rechts­feh­ler unter­lau­fen sind. Dies ist in sach­lich­recht­li­cher Hin­sicht etwa der Fall, wenn die Beweis­wür­di­gung wider­sprüch­lich, unklar oder lücken­haft ist oder gegen Denk­ge­set­ze oder gesi­cher­te Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt. Rechts­feh­ler­haft ist es auch, wenn sich das Tat­ge­richt bei sei­ner Beweis­wür­di­gung dar­auf beschränkt, die ein­zel­nen Belas­tungs­in­di­zi­en geson­dert zu erör­tern und auf ihren jewei­li­gen Beweis­wert zu prü­fen, ohne eine Gesamt­ab­wä­gung aller für und gegen die Täter­schaft spre­chen­den Umstän­de vor­zu­neh­men. Der revi­si­ons­ge­richt­li­chen Über­prü­fung unter­liegt fer­ner, ob über­spann­te Anfor­de­run­gen an die für die Ver­ur­tei­lung erfor­der­li­che Gewiss­heit gestellt wor­den sind2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2018 – 2 StR 168/​18

  1. st. Rspr.; vgl. MeyerGoßner/​Schmitt, StPO, 61. Aufl., § 267, Rn. 33 m.N. zur Rspr. []
  2. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urteil vom 11.10.2016 – 5 StR 181/​16, NStZ 2017, 600 mwN []