Grö­ße­re Men­ge Falsch­geld

Der Täter han­delt nicht gewerbs­mä­ßig im Sin­ne des § 146 Abs. 1 Nr. 2 und 3, Abs. 2 StGB, wenn er sich eine Falsch­geld­men­ge in einem Akt ver­schafft hat und die­se Men­ge dann plan­ge­mäß in meh­re­ren Teil­ak­ten in Ver­kehr bringt.

Grö­ße­re Men­ge Falsch­geld

Zwar liegt in die­sem Fall eine ein­heit­li­che Geld­fäl­schung nach § 146 Abs. 1 StGB vor, denn die Ver­wirk­li­chung meh­re­rer Vari­an­ten des § 146 Abs. 1 StGB – hier das „Sich-Ver­schaf­fen“ des Falsch­gel­des in einem Akt und das anschlie­ßen­de „Als echt in den Ver­kehr brin­gen“ durch meh­re­re Hand­lun­gen – sind in der Regel eine Tat [1]. Der Ange­klag­te han­del­te hier­bei jedoch nicht gewerbs­mä­ßig:

Gewerbs­mä­ßig han­delt, wer sich durch wie­der­hol­te Tat­be­ge­hung eine nicht nur vor­über­ge­hen­de Ein­nah­me­quel­le von eini­gem Umfang und eini­ger Dau­er ver­schaf­fen will. Liegt die­se Absicht vor, ist bereits die ers­te Tat als ge-werbs­mä­ßig began­gen ein­zu­stu­fen, auch wenn es ent­ge­gen den ursprüng­li­chen Inten­tio­nen des Täters zu wei­te­ren Taten nicht kommt. Eine Ver­ur­tei­lung wegen gewerbs­mä­ßi­ger Delikts­be­ge­hung setzt daher schon im Grund­satz nicht not­wen­dig vor­aus, dass der Täter zur Gewinn­erzie­lung meh­re­re selb­stän­di­ge Ein­zel­ta­ten der jeweils in Rede ste­hen­den Art ver­wirk­licht hat. Ob der Ange­klag­te gewerbs­mä­ßig gehan­delt hat, beur­teilt sich viel­mehr nach sei­nen ursprüng­li­chen Pla­nun­gen sowie sei­nem tat­säch­li­chen, straf­recht­lich rele­van­ten Ver­hal­ten über den gesam­ten ihm anzu­las­ten­den Tat­zeit­raum [2]. Erfor­der­lich ist dabei stets, dass sich sei­ne Wie­der­ho­lungs­ab­sicht auf das­je­ni­ge Delikt bezieht, des­sen Tat­be­stand durch das Merk­mal der Gewerbs­mä­ßig­keit qua­li­fi­ziert ist [3].

Nach die­sen Maß­stä­ben liegt eine gewerbs­mä­ßig began­ge­ne Straf­tat nach § 146 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 StGB dann nicht vor, wenn der Täter sich eine Falsch­geld­men­ge in einem Akt ver­schafft und sei­ne Absicht dar­auf gerich­tet ist, die fal­schen Bank­no­ten in meh­re­ren Teil­men­gen im Sin­ne des § 146 Abs. 1 Nr. 3 StGB in Ver­kehr zu brin­gen, es hier­zu aber nicht kommt [4]. Glei­ches gilt, wenn es dem Täter – wie hier – tat­säch­lich gelingt, die in einem Akt erwor­be­ne Falsch­geld­men­ge suk­zes­si­ve in Umlauf zu brin­gen. Die beson­de­re Qua­li­fi­ka­ti­on einer gewerbs­mä­ßig began­ge­nen Straf­tat ergibt sich näm­lich nicht dar­aus, dass der Täter durch die – gege­be­nen­falls suk­zes­si­ve erfol­gen­de – Ver­wer­tung des durch die Straf­tat er-lang­ten Gegen­stands eine Gewinn­erzie­lung zur Finan­zie­rung sei­ner Bedürf­nis­se anstrebt [5]. Viel­mehr han­delt der Täter einer Geld­fäl­schung nach § 146 Abs. 1 Nr. 2 StGB nur dann gewerbs­mä­ßig im Sin­ne des § 146 Abs. 2 StGB, wenn er beab­sich­tigt, sich die erstreb­te Ein­nah­me­quel­le gera­de durch das wie­der­hol­te „Sich-Ver­schaf­fen“ von Falsch­geld in der Absicht zu erschlie­ßen, es als echt in den Ver­kehr zu brin­gen. In der blo­ßen Wei­ter­ver­brei­tung des nicht gewerbs­mä­ßig ver­schaff­ten Falsch­gel­des lie­gen nur wei­te­re Teil­ak­te einer tat­be­stand­li­chen Hand­lungs­ein­heit, die nicht geeig­net sind, das Merk­mal der Gewerbs­mä­ßig­keit nach § 146 Abs. 2 StGB zu begrün­den [6]. Da es im Übri­gen auch den Nor­mal­fall dar­stellt, dass beim Han­del mit ille­ga­len Waren der Wei­ter­ver­kauf in Teil­men­gen erfolgt, wür­de andern­falls bereits der „Nor­mal­tä­ter“ des Grund­de­likts in aller Regel unter die Qua­li­fi­ka­ti­ons­straf­dro­hung der Gewerbs­mä­ßig­keit fal­len [7].

Bun­des­ge­richts­hofs, Beschluss vom 2. Febru­ar 2011 – 2 StR 511/​10

  1. Fischer, StGB 58. Aufl. § 146 Rn. 22[]
  2. vgl. BGH NJW 2004, 2840, 2841; NStZ-RR 2006, 106, 107[]
  3. vgl. BGH NJW 1996, 1069; Fischer aaO Vor § 52 Rn. 62[]
  4. BGH NStZ 2009, 3798; Fischer aaO S. 146 Rn. 31[]
  5. vgl. OLG Hamm NStZ-RR 2004, 335[]
  6. eben­so zur gewerbs­mä­ßi­gen Heh­le­rei BGH, Urteil vom 19.06.1952 – 5 StR 491/​52; zur gewerbs­mä­ßi­gen Steu­er­heh­le­rei BGH, Urteil vom 04.09.1952 – 5 StR 51/​52; und zum gewerbs­mä­ßi­gen Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln BGH, Beschlüs­se vom 13.10.1978 – 2 StR 480/​78; sowie StV 1993, 248; anders BGH, Beschluss vom 13.10.1992 – 1 StR 580/​92[]
  7. vgl. Wink­ler, juris PR-StrafR 24/​2009 Anm. 1[]