Hang zum Alko­ho­lis­mus

Hang im Sin­ne von § 64 StGB ver­langt eine chro­ni­sche, auf kör­per­li­cher Sucht beru­hen­de Abhän­gig­keit oder zumin­dest eine ein­ge­wur­zel­te, auf psy­chi­scher Dis­po­si­ti­on beru­hen­de oder durch Übung erwor­be­ne inten­si­ve Nei­gung, immer wie­der Alko­hol oder ande­re Rausch­mit­tel im Über­maß zu sich zu neh­men.

Hang zum Alko­ho­lis­mus

Aus­rei­chend für die Annah­me eines Hangs zum über­mä­ßi­gen Genuss von Rausch­mit­teln ist jeden­falls, dass der Betrof­fe­ne auf­grund sei­ner Kon­sum­ge­wohn­hei­ten sozi­al gefähr­det oder gefähr­lich erscheint.

Inso­weit kann dem Umstand, dass durch den Rausch­mit­tel­ge­nuss bereits Gesund­heit, Arbeits- und Leis­tungs­fä­hig­keit erheb­lich beein­träch­tigt sind, zwar indi­zi­el­le Bedeu­tung für das Vor­lie­gen eines Hangs zukom­men; das Feh­len die­ser Beein­träch­ti­gun­gen schließt indes­sen nicht not­wen­di­ger­wei­se die Beja­hung eines Hangs aus 1.

Dabei haben vor­han­de­ne Beein­träch­ti­gun­gen der Gesund­heit sowie der Arbeits- und Lebens­fä­hig­keit eben­so ledig­lich indi­zi­el­le Bedeu­tung für den Hang wie umge­kehrt das (bis­he­ri­ge) Feh­len sol­cher Beein­träch­ti­gun­gen nur Indi­zi­en sind, die auf die Abwe­sen­heit eines Hangs hin­deu­ten kön­nen.

Da im vor­lie­gen­den Fall dem Land­ge­richt die jeweils allein indi­zi­el­le Bedeu­tung bewusst war, ist es für den Bun­des­ge­richts­hof recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass es unter Berück­sich­ti­gung aller rele­van­ten Aspek­te vor allem aus dem gere­gel­ten Arbeits­le­ben des Ange­klag­ten, sei­ner Fähig­keit, bis­he­ri­ge sozia­le Bin­dun­gen fort­zu­füh­ren und neue zu knüp­fen, sowie ein­ge­leg­ten Kon­sum­pau­sen und dem Feh­len von Ent­zugs­er­schei­nun­gen nach der Fest­nah­me in Über­ein­stim­mung mit dem psych­ia­tri­schen Sach­ver­stän­di­gen einen Hang ver­neint hat.

Ange­sichts des Vor­ste­hen­den kommt es nicht dar­auf an, ob auch – wie das Land­ge­richt in Hilfs­er­wä­gun­gen meint – der sym­pto­ma­ti­sche Zusam­men­hang zwi­schen den began­ge­nen Taten und einem (unter­stell­ten) Hang fehl­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. August 2015 – 1 StR 328/​15

  1. BGH, Beschluss vom 18.09.2013 – 1 StR 382/​13, BGHR StGB § 64 Satz 1 Hang 1 mwN; Urteil vom 15.05.2014 – 3 StR 386/​13 Rn. 10 [in NStZ-RR 2014, 271 nur LS][]