Inne­re Hem­mun­gen – und der Rück­tritt vom Ver­such

Ste­hen äuße­re Umstän­de einer Tat­voll­endung nicht ent­ge­gen, kann es gleich­wohl an der Frei­wil­lig­keit des Abbruchs der wei­te­ren Tat­aus­füh­rung feh­len, wenn wil­lens­un­ab­hän­gi­ge Tat­um­stän­de das Wei­ter­han­deln unmög­lich machen.

Inne­re Hem­mun­gen – und der Rück­tritt vom Ver­such

Sol­che kön­nen gege­ben sein, wenn der Täter an der wei­te­ren Tat­be­ge­hung wegen unwi­der­steh­li­cher inne­rer Hem­mun­gen, etwa infol­ge Schocks oder see­li­schen Drucks gehin­dert ist 1.

Ent­schei­dend ist in die­sen Fäl­len, ob der Täter "Herr sei­ner Ent­schlüs­se" bleibt und die Aus­füh­rung sei­nes Tat­plans noch für mög­lich hält 2.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall betrat der Ange­klag­te am Tat­tag ein Juwe­lier­ge­schäft, aus dem er wert­vol­le Schmuck­stü­cke ent­wen­den woll­te. Dabei hoff­te er, die­se in einem unbe­ob­ach­te­ten Moment ein­ste­cken zu kön­nen; für den Fall, dass dies nicht gelin­gen wür­de, hat­te er sich mit einem Elek­tro­schock­ge­rät und Pfef­fer­spray aus­ge­rüs­tet, um damit die Her­aus­ga­be der Schmuck­stü­cke oder die Dul­dung ihrer Weg­nah­me not­falls mit Gewalt durch­zu­set­zen. Da der Ange­klag­te, der sich eine Viel­zahl von Rin­gen und ande­rem Schmuck zei­gen ließ, das Miss­trau­en der Ange­stell­ten des Geschäfts, der Zeu­gin D. , erreg­te und die­se des­halb sehr vor­sich­tig agier­te, ergab sich die Mög­lich­keit, den Schmuck unbe­merkt zu ent­wen­den, nicht. Der Ange­klag­te ent­schloss sich daher, das Elek­tro­schock­ge­rät ein­zu­set­zen, und schal­te­te es ein, wobei er zunächst selbst einen Strom­schlag erlitt. Sodann hielt er es der Zeu­gin an den Kopf und lös­te min­des­tens vier wei­te­re Strom­schlä­ge aus. Die Zeu­gin ging dar­auf­hin fast zu Boden und begann, in Panik laut zu schrei­en. Der Ange­klag­te ver­lor nun­mehr die Kon­trol­le über die Situa­ti­on: Er hat­te infol­ge des selbst erlit­te­nen Strom­schlags einen Krampf in der Hand, wes­halb er unkon­trol­liert und unge­zielt unent­wegt wei­te­re Strom­schlä­ge aus­lös­te. Da er im Umgang mit einem sol­chen Gerät nicht ver­traut war, wuss­te er nicht, wie er es abschal­ten konn­te, und geriet dar­über und wegen der Schreie der Zeu­gin selbst in Panik. Nach­dem es ihm gelun­gen war, den Elek­tro­scho­cker von sei­nem Hand­ge­lenk abzu­schüt­teln, war er gleich­wohl nicht in der Lage, noch einen kla­ren Gedan­ken zu fas­sen, und woll­te nur noch weg­lau­fen. Er ver­ließ des­halb flucht­ar­tig das Geschäft, ohne Tei­le des nun­mehr offen in sei­nem Zugriffs­be­reich lie­gen­den Schmucks mit­zu­neh­men.

Nach den oben geschil­der­ten Maß­stä­ben brach der Ange­klag­te die wei­te­re Tat­aus­füh­rung nicht frei­wil­lig ab, viel­mehr geriet er in Panik und war nicht mehr in der Lage, einen kla­ren Gedan­ken zu fas­sen, blieb also gera­de nicht Herr sei­ner Ent­schlüs­se. Der Umstand, dass der Ange­klag­te beim flucht­ar­ti­gen Ver­las­sen des Geschäfts kei­ne Schmuck­stü­cke an sich nahm, beruh­te damit nicht auf einer wil­lens­ge­steu­er­ten Ent­schei­dung. Ein straf­be­frei­en­der Rück­tritt vom Ver­such der beson­ders schwe­ren räu­be­ri­schen Erpres­sung liegt mit­hin nicht vor.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Mai 2015 – 3 StR 89/​15

  1. st. Rspr.; BGH, Urteil vom 10.05.1994 – 1 StR 19/​94, BGHR StGB § 24 Abs. 1 Satz 1 Frei­wil­lig­keit 23; Beschluss vom 15.10.2003 – 1 StR 402/​03, BGHR StGB § 24 Abs. 1 Satz 1 Frei­wil­lig­keit 28[]
  2. BGH, Beschluss vom 13.01.1988 – 2 StR 665/​87, BGHSt 35, 184, 186[]