Jugend­stra­fe oder Erwach­se­nen­stra­fe?

Nach § 32 i.V.m. § 105 Abs. 1 JGG ist es nicht statt­haft, bei gleich­zei­ti­ger Abur­tei­lung von Taten, auf die teils Jugend­straf­recht, teils all­ge­mei­nes Straf­recht anzu­wen­den wäre, sowohl auf Jugend­stra­fe als auch auf Erwach­se­nen­stra­fe zu erken­nen [1]; viel­mehr ist ent­spre­chend dem Schwer­ge­wicht der Taten ent­we­der nur nach Jugend­straf­recht oder nach Erwach­se­nen­straf­recht zu ver­ur­tei­len.

Jugend­stra­fe oder Erwach­se­nen­stra­fe?

Wel­ches Recht ein­heit­lich auf meh­re­re in ver­schie­de­nen Alters­stu­fen began­ge­ne Taten anzu­wen­den ist, rich­tet sich danach, wo deren Schwer­ge­wicht liegt. Dies hat der Tatrich­ter nach sei­nem pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen zu ent­schei­den [2].

Lässt sich nicht ein­deu­tig erken­nen, dass das Schwer­ge­wicht bei den vom Ange­klag­ten als Her­an­wach­sen­der began­ge­nen und nach Jugend­straf­recht zu beur­tei­len­den Straf­ta­ten liegt, so ist für alle Taten all­ge­mei­nes Straf­recht anzu­wen­den [3].

Wer­den ent­spre­chen­de Über­le­gun­gen des­halb nicht ange­stellt, weil der Tatrich­ter über­se­hen hat, dass die Anwend­bar­keit des Jugend­ge­richts­ge­set­zes über­haupt im Raum steht, kön­nen nicht eige­ne Erwä­gun­gen des Revi­si­ons­ge­richts an deren Stel­le tre­ten [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Juni 2015 – 4 StR 59/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 17.07.1979 – 1 StR 298/​79, BGHSt 29, 67; Beschluss vom 07.10.1997 – 4 StR 389/​97, BGHR JGG § 32 Schwer­ge­wicht 4[]
  2. BGH, Urtei­le vom 08.01.1986 – 3 StR 457/​85, NStZ 1986, 219; vom 22.06.1988 – 3 StR 93/​88, BGHR JGG § 32 Schwer­ge­wicht 1; vom 31.08.1999 – 1 StR 268/​99; und vom 18.06.2009 – 3 StR 171/​09; Beschluss vom 07.12 1999 – 1 StR 570/​99[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 07.10.1997 – 4 StR 389/​97, BGHR JGG § 32 Schwer­ge­wicht 4 mwN; vom 07.12 1999 – 1 StR 570/​99; und vom 27.05.2008 – 4 StR 178/​08, NStZ-RR 2008, 324[]
  4. BGH, Beschluss vom 18.03.1996 – 1 StR 113/​96, NStZ-RR 1996, 250[]