Pausch­ge­bühr für den Pflicht­ver­tei­di­ger eines frei­ge­spro­che­nen Ange­klag­ten

Hat der Pflicht­ver­tei­di­ger eines frei­ge­spro­che­nen Ange­klag­ten gemäß §§ 52 Abs. 1 und 2, 14 RVG die Fest­set­zung der Gebüh­ren eines Wahl­ver­tei­di­gers gegen die Staats­kas­se bean­tragt und ist die­sem Antrag ent­spro­chen wor­den, ist ein danach gestell­ter Antrag auf Bewil­li­gung einer Pausch­ge­bühr gemäß § 51 RVG unzu­läs­sig.

Pausch­ge­bühr für den Pflicht­ver­tei­di­ger eines frei­ge­spro­che­nen Ange­klag­ten

Der Pflicht­ver­tei­di­ger eines frei­ge­spro­che­nen Ange­klag­ten kann, wenn ihm die Pflicht­ver­tei­di­ger­ge­büh­ren als eine unzu­rei­chen­de Ver­gü­tung erschei­nen, unter den fol­gen­den Mög­lich­kei­ten wäh­len, eine höhe­re Ver­gü­tung gegen­über der Staats­kas­se gel­tend zu machen:

  1. Gemäß § 52 Abs. 1 und 2 RVG kann er die Gebüh­ren eines Wahl­ver­tei­di­gers im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren gel­tend machen. Wie ein Wahl­ver­tei­di­ger kann er gemäß § 14 RVG aus dem gesetz­lich bestimm­ten Gebüh­ren­rah­men nach bil­li­gem Ermes­sen unter Beach­tung aller Umstän­de des Ein­zel­fal­les, ins­be­son­de­re der in die­ser Vor­schrift auf­ge­führ­ten Bemes­sungs­kri­te­ri­en, die ins­ge­samt ange­mes­se­ne Gebühr, gege­be­nen­falls auch die Höchst­ge­büh­ren eines Wahl­ver­tei­di­gers, bestim­men und gegen die Staats­kas­se fest­set­zen las­sen.
  2. Erschei­nen die Rah­men­ge­büh­ren als unzu­mut­bar, kann der Pflicht­ver­tei­di­ger eben­so wie ein Wahl­ver­tei­di­ger anstel­le ihrer Fest­set­zung gemäß § 42 Abs. 2 Satz 2 RVG einen Pausch­ge­büh­ren­an­trag gemäß § 42 Abs. 1 RVG stel­len, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des § 52 Abs. 1 und 2 RVG vor­lie­gen.
  3. Der Pflicht­ver­tei­di­ger kann aber auch einen Antrag auf Bewil­li­gung einer Pausch­ge­bühr gemäß § 51 RVG stel­len, der im Gegen­satz zu § 42 RVG kei­ne Ober­gren­ze ent­hält. Er kann die­sen Antrag auch nach der Fest­set­zung der Pflicht­ver­tei­di­ger­ge­büh­ren stel­len, doch ist die­se nicht Vor­aus­set­zung für den Antrag.

Mit die­ser drei­fa­chen Wahl­mög­lich­keit ist der Pflicht­ver­tei­di­ger eines frei­ge­spro­che­nen Ange­klag­ten – lässt man die Mög­lich­keit einer Hono­rar­ver­ein­ba­rung außer Betracht – bes­ser gestellt als ein Wahl­ver­tei­di­ger. Hat er indes­sen sei­ne Wahl getrof­fen und auf einem der auf­ge­zeig­ten Wege eine gericht­li­che Ent­schei­dung erlangt, sind die ande­ren Mög­lich­kei­ten aus­ge­schlos­sen. Es liegt auf der Hand, dass einem Ver­tei­di­ger, dem eine Pausch­ge­bühr gemäß § 51 RVG bewil­ligt wor­den ist, nicht auch noch eine Pausch­ge­bühr gemäß § 42 RVG zuge­spro­chen wer­den kann. Glei­ches gilt für den umge­kehr­ten Fall. Fer­ner ist ein Antrag auf Fest­stel­lung einer Pausch­ge­bühr gemäß § 42 RVG unzu­läs­sig, wenn über einen Antrag auf Fest­set­zung der Wahl­ver­tei­di­ger­ge­büh­ren abschlie­ßend ent­schie­den ist [1]. Schließ­lich besteht nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he kei­ne Mög­lich­keit der Bewil­li­gung einer Pausch­ge­bühr gemäß § 51 RVG, wenn dem Antrag die Bestim­mung und antrags­ge­mä­ße Fest­set­zung der Wahl­ver­tei­di­ger­ge­büh­ren gemäß §§ 52, 14 RVG vor­an­ge­gan­gen ist. Denn wenn der Ver­tei­di­ger gemäß § 14 RVG nach eige­nem Ermes­sen unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de, zu denen auch die für die Bewil­li­gung einer Pausch­ge­bühr gemäß § 51 RVG maß­geb­li­chen Kri­te­ri­en, Umfang und Schwie­rig­keit der Tätig­keit des Rechts­an­walts, an ers­ter Stel­le gehö­ren, die für ange­mes­sen erach­te­ten Gebüh­ren ver­bind­lich bestimmt hat, ist kein Raum mehr für die Annah­me, die­se Gebüh­ren sei­en für ihn unzu­mut­bar.

Im vor­lie­gen­den Fall hat der Ver­tei­di­ger die Mit­tel­ge­büh­ren, die einem Wahl­ver­tei­di­ger zuste­hen wür­den, bestimmt; von der hier nicht fern lie­gen­den Mög­lich­keit, höhe­re Gebüh­ren zu bestim­men, hat er kei­nen Gebrauch gemacht und er hat sich dies auch nicht vor­be­hal­ten. An die­se Aus­übung sei­nes Gestal­tungs­rechts ist er gebun­den; er kann im Nach­hin­ein kei­ne höhe­re Gebühr bestim­men [2] und es ist ihm nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he auch ver­wehrt, in Wider­spruch zu sei­ner Bestim­mung und unter Umge­hung ihrer Bin­dungs­wir­kung nach­träg­lich einen Antrag gemäß § 51 RVG zu stel­len.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 22. Janu­ar 2013 – 2 AR 51/​12

  1. Thü­rin­ger OLG Rpfle­ger 2008, 98 und 2011, 177f.; OLG Cel­le Stra­Fo 2008, 398; OLG Bam­berg DAR 2011, 237[]
  2. Hartung/​Schons/​Enders RVG § 14 Rn 10; Gerold/​Schmidt RVG 20. Aufl. § 14 Rn 4; KG Jur­Bü­ro 2004, 484; OLG Bam­berg aaO[]