Raub aus Rache?

Täter – auch Mit­tä­ter – beim Raub kann nur sein, wer bei der Weg­nah­me die Absicht hat, sich oder einem Drit­ten die frem­de Sache rechts­wid­rig zuzu­eig­nen.

Raub aus Rache?

Hier­für genügt, dass der Täter die frem­de Sache unter Aus­schlie­ßung des Eigen­tü­mers oder bis­he­ri­gen Gewahr­sam­in­ha­bers kör­per­lich oder wirt­schaft­lich für sich oder den Drit­ten haben und sie der Sub­stanz oder dem Sach­wert nach sei­nem Ver­mö­gen oder dem des Drit­ten "ein­ver­lei­ben" oder zufüh­ren will.

Dage­gen ist nicht erfor­der­lich, dass der Täter oder der Drit­te die Sache auf Dau­er behal­ten soll oder will 1.

An der Vor­aus­set­zung, dass der Wil­le des Täters auf eine Ände­rung des Bestands sei­nes Ver­mö­gens oder das des Drit­ten gerich­tet sein muss, fehlt es in Fäl­len, in denen er die frem­de Sache nur weg­nimmt, um sie "zu zer­stö­ren", "zu ver­nich­ten", "preis­zu­ge­ben", "weg­zu­wer­fen", "bei­sei­te­zu­schaf­fen" oder "zu beschä­di­gen" 2.

Der etwa auf Hass- oder Rache­ge­füh­len beru­hen­de Schä­di­gungs­wil­le ist zur Begrün­dung der Zueig­nungs­ab­sicht eben­so wenig geeig­net wie der Wil­le, den Eigen­tü­mer durch blo­ßen Sach­ent­zug zu ärgern 3. In sol­chen Fäl­len genügt es auch nicht, dass der Täter – was grund­sätz­lich aus­rei­chen könn­te 4 – für eine kur­ze Zeit den Besitz an der Sache erlangt 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. März 2015 – 4 StR 538/​14

  1. BGH, Urteil vom 26.09.1984 – 3 StR 367/​84, NJW 1985, 812[]
  2. BGH, Urtei­le vom 10.05.1977 – 1 StR 167/​77, NJW 1977, 1460; und vom 26.09.1984, aaO[]
  3. BGH, Beschluss vom 15.07.2010 – 4 StR 164/​10[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 02.07.1980 – 2 StR 224/​80, NStZ 1981, 63[]
  5. vgl. zu Vor­ste­hen­dem ins­ge­samt BGH, Urteil vom 27.01.2011 – 4 StR 502/​10, NStZ 2011, 699, 701[]