Raub – und die vor­her ein­ge­setz­te Gewalt

Nach § 249 Abs. 1 StGB wird der­je­ni­ge bestraft, der mit Gewalt gegen eine Per­son oder unter Anwen­dung von Dro­hun­gen mit gegen­wär­ti­ger Gefahr für Leib oder Leben eine frem­de beweg­li­che Sache einem ande­ren in der Absicht weg­nimmt, die Sache sich oder einem Drit­ten rechts­wid­rig zuzu­eig­nen.

Raub – und die vor­her ein­ge­setz­te Gewalt

Gewalt oder Dro­hung müs­sen dabei vom Täter als Mit­tel zur Ermög­li­chung der Weg­nah­me ein­ge­setzt wer­den 1.

Zwar genügt es zur Erfül­lung des Tat­be­stands, dass die zunächst zu ande­ren Zwe­cken begon­ne­ne Gewalt­an­wen­dung fort­ge­setzt wird, nach­dem der Weg­nah­me­vor­satz gefasst ist. Dies gilt jedoch nur, wenn eine fina­le Ver­knüp­fung zwi­schen Gewalt­an­wen­dung und Weg­nah­me besteht.

Folgt die Weg­nah­me der Anwen­dung von Gewalt zu ande­ren Zwe­cken nur zeit­lich nach, ohne dass eine sol­che fina­le Ver­knüp­fung besteht, so schei­det ein Schuld­spruch wegen Rau­bes aus 2.

Gemes­sen an die­sen Maß­stä­ben ist die erfor­der­li­che fina­le Ver­knüp­fung zwi­schen Gewalt­an­wen­dung und Weg­nah­me­hand­lung im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall nicht belegt. Zur Zeit der Anwen­dung der Gewalt han­del­te der Täter mit dem Ziel, sein Opfer für vor­an­ge­gan­ge­nes Ver­hal­ten zu bestra­fen und kör­per­lich zu ver­let­zen, nicht jedoch zu dem Zweck, ihm Wert­ge­gen­stän­de weg­zu­neh­men. Auch eine kon­klu­den­te Dro­hung mit gegen­wär­ti­ger Gefahr für Leib oder Leben des Geschä­dig­ten, die auch in einem schlüs­si­gen Ver­hal­ten lie­gen kann, war nicht fest­ge­stellt. Erfor­der­lich hier­für ist, dass der Täter die Gefahr für Leib oder Leben deut­lich in Aus­sicht stellt, sie also durch ein bestimm­tes Ver­hal­ten genü­gend erkenn­bar macht 3. Die blo­ße Aus­nut­zung der Wir­kung der zuvor ein­ge­setz­ten Gewalt für die Weg­nah­me­hand­lung, die das Land­ge­richt fest­ge­stellt hat, genügt hier­für nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Janu­ar 2016 – 2 StR 202/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 08.05.2013 – 2 StR 558/​13, NStZ 2013, 648; Urteil vom 15.10.2003 – 2 StR 283/​03, BGHSt 48, 365, 366[]
  2. BGH, Urteil vom 26.11.2013 – 3 StR 261/​13, NStZ-RR 2014, 110; Urteil vom 22.09.1983 – 4 StR 376/​83, BGHSt 32, 88, 92; Urteil vom 20.04.1995 – 4 StR 27/​95, BGHSt 41, 123, 124[]
  3. BGH, Urteil vom 08.05.2013 – 2 StR 558/​12, NStZ 2013, 648[]