Rechts­ge­sprä­che in der Haupt­ver­hand­lungs­pau­se

Gemäß § 243 Abs. 4 Satz 1 und 2 StPO ist über Erör­te­run­gen nach §§ 202a, 212 StPO zu berich­ten, die außer­halb der Haupt­ver­hand­lung statt­ge­fun­den haben und deren Gegen­stand die Mög­lich­keit einer Ver­stän­di­gung (§ 257c StPO) gewe­sen ist.

Rechts­ge­sprä­che in der Haupt­ver­hand­lungs­pau­se

Davon ist aus­zu­ge­hen, sobald bei im Vor­feld oder neben der Haupt­ver­hand­lung geführ­ten Gesprä­chen aus­drück­lich oder kon­klu­dent die Mög­lich­keit und die Umstän­de einer Ver­stän­di­gung im Raum ste­hen. Dies ist jeden­falls dann zu beja­hen, wenn Fra­gen des pro­zes­sua­len Ver­hal­tens in Kon­nex zum Ver­fah­rens­er­geb­nis gebracht wer­den und damit die Fra­ge nach oder die Äuße­rung zu einer Straf­er­war­tung nahe liegt 1.

Dem­entspre­chend ist mit­tei­lungs­pflich­tig jedes aus­drück­li­che oder kon­klu­den­te Bemü­hen um eine Ver­stän­di­gung in Gesprä­chen, die von den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten inso­weit als Vor­be­rei­tung einer Ver­stän­di­gung ver­stan­den wer­den kön­nen 2; im Zwei­fel wird eine Mit­tei­lung zu erfol­gen haben 3.

Der Mit­tei­lungs­pflicht ist nicht ent­spro­chen wor­den, wenn weder nach Wie­der­ein­tritt noch zu einem spä­te­ren Zeit­punkt in öffent­li­cher Haupt­ver­hand­lung über den wesent­li­chen Inhalt des Gesprächs infor­miert wor­den ist. Die blo­ße Mit­tei­lung des Ergeb­nis­ses, eine Ver­stän­di­gung sei nicht zustan­de gekom­men, erfüllt die Pflicht nicht.

Ange­sichts des­sen kam es im vor­lie­gen­den Fall nicht mehr dar­auf an, ob ein Geständ­nis des Ange­klag­ten hin­sicht­lich der Tat 1 mit der Ver­fah­rens­ein­stel­lung gemäß § 154 Abs. 2 StPO bezüg­lich der Tat 2 ver­knüpft wor­den ist, was wegen, aber auch ledig­lich wegen der Kop­pe­lung der Ein­stel­lung einer Tat mit einem Ein­ge­ste­hen einer wei­te­ren Tat eben­falls die Mit­tei­lungs­pflicht aus­ge­löst hät­te 4.

Der Bun­des­ge­richts­hof konn­te im vor­lie­gen­den Fall wegen des bis dahin gezeig­ten Ein­las­sungs­ver­hal­tens des Ange­klag­ten nicht aus­schlie­ßen, dass der Schuld- und der Rechts­fol­gen­aus­spruch ein­schließ­lich der zugrun­de lie­gen­den Fest­stel­lun­gen auf der Ver­let­zung der Mit­tei­lungs­pflicht beru­hen. Das bedingt die Auf­he­bung des Urteils, soweit die­ses den Ange­klag­ten betrifft, ein­schließ­lich der Fest­stel­lun­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Janu­ar 2018 – 1 StR 564/​17

  1. BVerfG, Urteil vom 19.03.2013 – 2 BvR 2628/​10 u.a., BVerfGE 133, 168, 216 f. Rn. 85; BGH, Urtei­le vom 23.07.2015 – 3 StR 470/​14, NStZ 2016, 221, 222 Rn. 12; und vom 03.05.2017 – 2 StR 576/​15, NStZ 2018, 49; sie­he auch BVerfG, Beschluss vom 21.04.2016 – 2 BvR 1422/​15, NStZ 2016, 422, 424 zur "syn­al­lag­ma­ti­schen Ver­knüp­fung"[]
  2. BGH, Beschluss vom 14.04.2015 – 5 StR 9/​15, NStZ 2015, 535, 536[]
  3. BVerfG aaO BVerfGE 133, 168, 216 f. Rn. 85[]
  4. BGH, Urteil vom 03.05.2017 – 2 StR 576/​15, NStZ 2018, 49, 50; sie­he aber auch Bitt­mann NStZ 2018, 50, 51[]