Revi­si­on gegen den Frei­spruch

Das Revi­si­ons­ge­richt muss es grund­sätz­lich hin­neh­men, wenn der Tatrich­ter einen Ange­klag­ten frei­spricht, weil er Zwei­fel an des­sen Täter­schaft nicht zu über­win­den ver­mag.

Revi­si­on gegen den Frei­spruch

Die Beweis­wür­di­gung ist Sache des Tatrich­ters. Es kommt nicht dar­auf an, ob das Revi­si­ons­ge­richt ange­fal­le­ne Erkennt­nis­se anders gewür­digt oder Zwei­fel über­wun­den hät­te. Viel­mehr hat es die tatrich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung selbst dann hin­zu­neh­men, wenn eine ande­re Beur­tei­lung näher­ge­le­gen hät­te oder über­zeu­gen­der gewe­sen wäre 1.

Dem Tatrich­ter obliegt es, das Ergeb­nis der Haupt­ver­hand­lung fest­zu­stel­len und zu wür­di­gen. Sei­ne Schluss­fol­ge­run­gen brau­chen nicht zwin­gend zu sein, es genügt, dass sie mög­lich sind 2.

Die revi­si­ons­ge­richt­li­che Prü­fung beschränkt sich dar­auf, ob dem Tatrich­ter Rechts­feh­ler unter­lau­fen sind. Dies ist in sach­lich­recht­li­cher Hin­sicht der Fall, wenn die Beweis­wür­di­gung wider­sprüch­lich, unklar oder lücken­haft ist oder gegen die Denk­ge­set­ze oder gesi­cher­te Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt oder wenn an die zur Ver­ur­tei­lung erfor­der­li­che Gewiss­heit über­spann­te Anfor­de­run­gen gestellt wer­den 3.

Vor­aus­set­zung für die Über­zeu­gung des Tatrich­ters von einem bestimm­ten Sach­ver­halt ist nicht eine abso­lu­te, das Gegen­teil aus­schlie­ßen­de Gewiss­heit. Viel­mehr genügt ein nach der Lebens­er­fah­rung aus­rei­chen­des Maß an Sicher­heit, das ver­nünf­ti­ge Zwei­fel nicht auf­kom­men lässt 4. Dabei ist der Tatrich­ter gehal­ten, sich mit den von ihm fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen unter allen für die Ent­schei­dung wesent­li­chen Gesichts­punk­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen, wenn sie geeig­net sind, das Beweis­ergeb­nis zu beein­flus­sen 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Juli 2016 – 1 StR 595/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 24.03.2015 – 5 StR 521/​14, NStZ-RR 2015, 178[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 12.02.2015 – 4 StR 420/​14, NStZ-RR 2015, 148 mwN[]
  3. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 11.11.2015 – 1 StR 235/​15, wis­tra 2016, 78; vom 01.07.2008 – 1 StR 654/​07; und vom 23.07.2008 – 2 StR 150/​08, wis­tra 2008, 398; jeweils mwN[]
  4. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 29.10.2009 – 4 StR 368/​09, NStZ 2010, 292[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 12.02.2015 – 4 StR 420/​14, NStZ-RR 2015, 148 mwN[]