Revi­si­ons­be­schrän­kung gegen den Wil­len des Ver­tei­di­gers

Legt der Ange­klag­te, nach­dem der Ver­tei­di­ger die Revi­si­on unbe­schränkt ein­ge­legt hat, noch inner­halb der Ein­le­gungs­frist eigen­hän­dig eben­falls Revi­si­on ein und bringt er hier­bei ein­deu­tig zum Aus­druck, dass er das Urteil nur im Hin­blick auf den Vor­weg­voll­zug von der Rechts­mit­tel­in­stanz über­prü­fen las­sen möch­te, ist das Rechts­mit­tel wirk­sam auf die Anord­nung des Vor­weg­voll­zugs beschränkt.

Revi­si­ons­be­schrän­kung gegen den Wil­len des Ver­tei­di­gers

Die­ser erklär­te Wil­le des Ange­klag­ten geht dem Wil­len des Ver­tei­di­gers, das Urteil umfas­send über­prü­fen las­sen zu wol­len, vor [1]. Denn nach der gesetz­li­chen Wer­tung des § 297 StPO ist der einer umfas­sen­den Nach­prü­fung ent­ge­gen­ste­hen­de Wil­le des Ange­klag­ten über den auf die Ein­le­gung des Rechts­mit­tels abstel­len­den Wort­laut hin­aus auch bei einem spä­ter ein­tre­ten­den Wider­spruch zu beach­ten [2], z.B. für die nach­träg­li­che Beschrän­kung des Rechts­mit­tels [3].

Die Beschrän­kung ist auch wirk­sam. Eine Revi­si­ons­be­schrän­kung ist nur mög­lich, wenn sie sich auf Beschwer­de­punk­te bezieht, die nach dem inne­ren Zusam­men­hang des Urteils los­ge­löst von sei­nem nicht ange­grif­fe­nen Teil recht­lich und tat­säch­lich selb­stän­dig beur­teilt wer­den kön­nen, ohne eine Prü­fung der Ent­schei­dung im Übri­gen erfor­der­lich zu machen [4]. Dies setzt bei der Anfech­tung des Vor­weg­voll­zugs einer Unter­brin­gung vor­aus, dass die Maß­re­gel als sol­che rechts­feh­ler­frei ange­ord­net wor­den ist [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Novem­ber 2017 – 1 StR 456/​17

  1. vgl. Mey­er-Goß­ner in Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 60. Aufl., § 297 Rn. 3[]
  2. vgl. SK-StPO/­Frisch, 5. Aufl., § 297 Rn. 14[]
  3. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 17.07.2015 – – III – 2 Ws 300/​15; KK-StPO/­Paul, 7. Aufl., § 297 Rn. 3[]
  4. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 10.08.2017 – 3 StR 275/​17; Beschluss vom 14.01.2014 – 1 StR 531/​13, NStZ-RR 2014, 107 mwN[]
  5. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 14.01.2014 – 1 StR 531/​13, NStZ-RR 2014, 107; und vom 14.02.2012 – 3 StR 7/​12, NStZ 2012, 587[]