Rück­tritt vom erfolg­rei­chen Ver­such

Fehl­ge­schla­gen ist ein Ver­such, wenn die Tat nach Miss­lin­gen des zunächst vor­ge­stell­ten Tat­ab­laufs mit den bereits ein­ge­setz­ten oder ande­ren nahe­lie­gen­den Mit­teln objek­tiv nicht mehr voll­endet wer­den kann und der Täter dies erkennt oder (sub­jek­tiv) die Voll­endung nicht mehr für mög­lich hält.

Rück­tritt vom erfolg­rei­chen Ver­such

Dabei kommt es auf die Sicht des Täters nach Abschluss der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung an (Rück­tritts­ho­ri­zont). Wenn der Täter zu die­sem Zeit­punkt erkennt oder die sub­jek­ti­ve Vor­stel­lung hat, dass es zur Her­bei­füh­rung des Erfolgs eines erneu­ten Anset­zens bedürf­te, etwa mit der Fol­ge einer zeit­li­chen Zäsur und einer Unter­bre­chung des unmit­tel­ba­ren Hand­lungs­fort­gangs, liegt ein Fehl­schlag vor 1.

Dass die Täter mög­li­cher­wei­se des­halb nicht wei­ter auf den Geschä­dig­ten ein­ge­wirkt haben, weil ihnen die­ser 100 € aus­ge­hän­digt hat­te, schließt einen Rück­tritt vom unbe­en­de­ten Ver­such nicht aus. Ein sol­cher ist auch dann mög­lich, wenn der Täter von wei­te­ren Hand­lun­gen absieht, weil er sein außer­tat­be­stand­li­ches Hand­lungs­ziel erreicht hat 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Mai 2016 – 1 StR 77/​16

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 11.03.2014 – 1 StR 735/​13, NStZ 2014, 396 sowie BGH, Urteil vom 25.10.2012 – 4 StR 346/​12, NStZ 2013, 156 mit zahl­rei­chen wei­te­ren Nach­wei­sen[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 19.05.1993 – GSSt 1/​93, BGHSt 39, 221; und vom 20.09.2012 – 3 StR 367/​12, NStZ-RR 2013, 105[]