Rück­tritt vom Tötungs­de­likt

Die Abgren­zung zwi­schen unbe­en­de­tem und been­de­tem Ver­such bestimmt sich nach dem Vor­stel­lungs­bild des Täters nach dem Abschluss der letz­ten von ihm vor­ge­nom­me­nen Aus­füh­rungs­hand­lung, dem soge­nann­ten Rück­tritts­ho­ri­zont.

Rück­tritt vom Tötungs­de­likt

Bei einem Tötungs­de­likt liegt dem­ge­mäß ein unbe­en­de­ter Ver­such, bei dem allein der Abbruch der begon­ne­nen Tat­hand­lung zum straf­be­frei­en­den Rück­tritt führt, dann vor, wenn der Täter zu die­sem Zeit­punkt noch nicht alles getan hat, was nach sei­ner Vor­stel­lung zur Her­bei­füh­rung des Todes erfor­der­lich oder zumin­dest aus­rei­chend ist.

Ein Tötungs­ver­such, bei dem der Täter für einen straf­be­frei­en­den Rück­tritt vom Ver­such den Tod des Opfers durch eige­ne Ret­tungs­be­mü­hun­gen ver­hin­dern oder sich dar­um zumin­dest frei­wil­lig und ernst­haft bemü­hen muss, ist hin­ge­gen nicht nur dann anzu­neh­men, wenn der Täter den Ein­tritt des Todes bereits für mög­lich hält, son­dern auch dann, wenn er sich kei­ne Vor­stel­lun­gen über die Fol­gen sei­nes Han­delns macht, weil ihm ein Tod des Opfers gleich­gül­tig ist 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. April 2015 – 3 StR 645/​14

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 19.03.2013 – 1 StR 647/​12, NStZ-RR 2013, 273, 274; vom 12.06.2014 – 3 StR 154/​14, NStZ 2014, 507, 509[]