Siche­rungs­ver­wah­rung – und das Ermes­sen des Gerichts

Auch wenn sämt­li­che Vor­aus­set­zun­gen der Ver­hän­gung der Siche­rungs­ver­wah­rung nach § 66 Abs. 3 Satz 1 StGB erfüllt sind, steht nach der gesetz­li­chen For­mu­lie­rung die Ver­hän­gung der Maß­re­gel im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen des Tatrich­ters ("kann").

Siche­rungs­ver­wah­rung – und das Ermes­sen des Gerichts

Ord­net das Tat­ge­richt eine in sein Ermes­sen gestell­te Unter­brin­gung in der Siche­rungs­ver­wah­rung an, muss aus den Urteils­grün­den deut­lich wer­den, dass es sich sei­ner Ent­schei­dungs­be­fug­nis bewusst war und wel­che Grün­de für sei­ne Ermes­sens­aus­übung lei­tend waren 1.

Dar­an fehl­te es in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall, in dem das Land­ge­richt in sei­nen Urteils­grün­den for­mu­lier­te, die Ver­hän­gung der Siche­rungs­ver­wah­rung sei "unum­gäng­lich".

Fehlt es an der Aus­übung die­ses Ermes­sens durch das Land­ge­richt, ist es dem Bun­des­ge­richts­hof ver­wehrt, eine eige­ne Ermes­sens­ent­schei­dung zu tref­fen; die­se ist dem Tatrich­ter vor­be­hal­ten 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Mai 2016 – 1 StR 103/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 21.07.2015 – 3 StR 170/​15, NStZ-RR 2016, 77 mwN[]
  2. vgl. BGH aaO[]
  3. vgl. BVerfGE 128, 326, 376 ff.[]