Straf­aus­set­zung zur Bewäh­rung bei Bewäh­rungs­ver­sa­gen

Ist der Ange­klag­te ein­schlä­gig vor­be­straft und mehr­fa­cher Bewäh­rungs­ver­sa­ger, müs­sen die Gesichts­punk­te, aus denen sich bei erschöp­fen­der indi­vi­du­el­ler Gesamt­wür­di­gung aller Pro­gno­se­fak­to­ren die Erwar­tung straf­frei­en Ver­hal­tens trotz der bis­her schlech­ten Erfah­run­gen mit dem Täter doch noch her­lei­ten lässt, beson­ders ein­ge­hend dar­ge­stellt wer­den.

Straf­aus­set­zung zur Bewäh­rung bei Bewäh­rungs­ver­sa­gen

Im Rah­men die­ser Gesamt­wür­di­gung bedarf es dazu einer Gegen­über­stel­lung der bis­he­ri­gen und gegen­wär­ti­gen Lebens­ver­hält­nis­se des Täters. Erfor­der­lich ist ins­be­son­de­re eine ein­ge­hen­de Aus­ein­an­der­set­zung mit den Umstän­den, unter denen pro­gno­sere­le­van­te Vor­ta­ten began­gen wur­den sowie den Grün­den, die für die durch die neue Straf­fäl­lig­keit ent­täusch­ten posi­ti­ven Erwar­tun­gen bei frü­he­ren Aus­set­zungs­ent­schei­dun­gen maß­geb­lich waren. Auch die wesent­li­chen pro­gno­sere­le­van­ten Erkennt­nis­se aus einem von der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer ein­ge­hol­ten Gut­ach­ten sowie der Ver­lauf der Bear­bei­tung straf­ta­tur­säch­li­cher Pro­ble­me (ins­be­son­de­re The­ra­pi­en) wäh­rend des Straf­voll­zugs oder der Bewäh­rungs­zeit sind dabei mit ein­zu­be­zie­hen.

Die Pro­gno­se­ent­schei­dung muss ver­deut­li­chen, inwie­fern sich gegen­über den Zei­ten frü­he­rer Straf­fäl­lig­keit Ände­run­gen erge­ben haben, die eine posi­ti­ve Kri­mi­nal­pro­gno­se trotz des Bewäh­rungs­ver­sa­gens nun­mehr doch noch recht­fer­ti­gen.

Ist der Ange­klag­te ein­schlä­gig vor­be­straft und mehr­fa­cher Bewäh­rungs­ver­sa­ger, so kann in der Regel nicht mit aus­rei­chen­der Wahr­schein­lich­keit erwar­tet wer­den, dass er sich im Fall einer erneu­ten Bewäh­rungs­chan­ce anders als in der Ver­gan­gen­heit ver­hal­ten wird, denn er hat durch sei­ne neu­er­li­che Straf­fäl­lig­keit gezeigt, dass er nicht wil­lens oder fähig ist, sich frü­he­re Ver­ur­tei­lun­gen zur War­nung die­nen zu las­sen 1. Um den­noch eine Straf­aus­set­zung zur Bewäh­rung zu begrün­den, müs­sen beson­de­re Gesichts­punk­te fest­ge­stellt; und vom Tatrich­ter dar­ge­legt wer­den, aus denen sich bei erschöp­fen­der indi­vi­du­el­ler Gesamt­wür­di­gung aller Pro­gno­se­fak­to­ren die Erwar­tung straf­frei­en Ver­hal­tens trotz der bis­lang schlech­ten Erfah­run­gen mit dem Täter her­lei­ten lässt 2. Im Rah­men die­ser Gesamt­wür­di­gung ist eine Gegen­über­stel­lung der bis­he­ri­gen und der gegen­wär­ti­gen Lebens­ver­hält­nis­se des Täters erfor­der­lich und bedarf es einer ein­ge­hen­den Aus­ein­an­der­set­zung mit den Vor­ta­ten und den Umstän­den, unter denen sie began­gen wur­den 3.

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Urteil vom 24. Okto­ber 2014 – 1 Ss 61/​14

  1. OLG Braun­schweig, a. a. O.; KG, Urtei­le vom 05.10.2007, (4) 1 Ss 307/​07 (191/​07) 4; und vom 01.09.2008, a. a. O. 5[]
  2. BayO­bLG a. a. O., Rn. 8; OLG Braun­schweig, a. a. O.; Fischer, a. a. O. Rn. 6[]
  3. OLG Braun­schweig, a. a. O.; KG Urtei­le vom 05.10.2007, a. a. O., Rn 6; und vom 01.09.2008, a. a. O., Rn. 5[]