Straf­schär­fen­de Unbe­lehr­bar­keit – oder zuläs­si­ges Ver­tei­di­gungs­ver­hal­ten?

Ein Straf­aus­spruch ist inso­weit rechts­feh­ler­haft als das Land­ge­richt zu Las­ten des Ange­klag­ten eine "erheb­li­che Unbe­lehr­bar­keit" berück­sich­tigt hat, die sich dar­in mani­fes­tie­re, "dass er allein sei­ne eige­nen – abwe­gi­gen – Rechts­an­sich­ten akzep­tiert und dabei nicht davor zurück­schreckt, vor­sätz­li­che Straf­ta­ten zu bege­hen, um die sei­ner Mei­nung nach rich­ti­ge Ansicht durch­zu­set­zen, obgleich ihm Behör­den und Gerich­te wie­der­holt beschei­nigt haben, dass er im Unrecht ist".

Straf­schär­fen­de Unbe­lehr­bar­keit – oder zuläs­si­ges Ver­tei­di­gungs­ver­hal­ten?

Das lässt eine zu Unrecht erfolg­te straf­schär­fen­de Berück­sich­ti­gung von (noch) zuläs­si­gem Ver­tei­di­gungs­ver­hal­ten 1 besor­gen.

Grund­sätz­lich darf als Nacht­at­ver­hal­ten nicht zu Las­ten eines Ange­klag­ten gewer­tet wer­den, dass er – selbst nach Rechts­kraft des Schuld­spruchs – die Tat­be­ge­hung wei­ter­hin leug­net 2.

Dabei macht es im recht­li­chen Aus­gangs­punkt regel­mä­ßig kei­nen ent­schei­den­den Unter­schied, ob dies durch Leug­nung der Täter­schaft aus tat­säch­li­chen Grün­den oder wie hier durch recht­li­che Erwä­gun­gen, wie die Über­zeu­gung sich gegen ver­meint­lich rechts­wid­ri­ges Ver­hal­ten des Staats weh­ren zu dür­fen, erfolgt.

Zwar waren im hier ent­schie­de­nen Fall die Aus­füh­run­gen des Ange­klag­ten recht­lich völ­lig fern­lie­gend. Zuläs­si­ges Ver­tei­di­gungs­ver­hal­ten darf aber ledig­lich dann straf­schär­fend berück­sich­tigt wer­den, wenn es im Hin­blick auf die Art der Tat und die Per­sön­lich­keit des Täters auf beson­de­re Rechts­feind­lich­keit und Gefähr­lich­keit schlie­ßen lässt 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Mai 2017 – 1 StR 626/​16

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 09.05.2007 – 1 StR 199/​07; vom 04.08.2010 – 3 StR 192/​10; vom 07.09.2011 – 1 StR 343/​11, NStZ-RR 2011, 373, 374; und vom 29.01.2014 – 1 StR 589/​13, NStZ 2014, 396, 397[]
  2. BGH, Beschluss vom 29.01.2014 – 1 StR 589/​13, NStZ 2014, 396, 397 mwN[]
  3. st. Rspr.; sie­he nur BGH aaO NStZ 2014, 396, 397[]