Sub­sum­ti­ons­feh­ler des Straf­rich­ters – und die Revi­sons­be­schrän­kung

Feh­ler bei der Sub­sum­ti­on berüh­ren ihrer­seits die Wirk­sam­keit der Rechts­mit­tel­be­schrän­kung nicht 1.

Sub­sum­ti­ons­feh­ler des Straf­rich­ters – und die Revi­sons­be­schrän­kung

Zwar ist aner­kannt, dass die hier­durch bewirk­te Teil­rechts­kraft das Revi­si­ons­ge­richt nicht von der Nach­prü­fung befreit, ob das fest­ge­stell­te Ver­hal­ten des Ange­klag­ten über­haupt straf­bar 2 und ob die Ver­ur­tei­lung auf­grund eines gül­ti­gen Geset­zes ergan­gen ist 3. Ist jedoch eine sol­che Aus­nah­me­kon­stel­la­ti­on nicht gege­ben, kön­nen wei­ter­ge­hen­de Ein­schrän­kun­gen nicht vor­ge­nom­men wer­den.

Ein­schrän­kun­gen die­ses Grund­sat­zes, die im Rah­men des § 318 StPO vor­ge­nom­men wer­den 4, folgt der Bun­des­ge­richts­hof jeden­falls für die Beschrän­kung der Revi­si­on nicht.

Denn anders als das Beru­fungs­ge­richt, das durch die Bin­dung an einen feh­ler­haf­ten Schuld­spruch gege­be­nen­falls gezwun­gen wäre, sehen­den Auges einen der mate­ri­el­len Rechts­la­ge wider­spre­chen­den Straf­rah­men zur Anwen­dung zu brin­gen 5, ist das Revi­si­ons­ge­richt nicht zu einer eigen­stän­di­gen Straf­zu­mes­sungs­ent­schei­dung beru­fen.

Die Straf­be­mes­sung ist grund­sätz­lich Sache des Tatrich­ters, in die das Revi­si­ons­ge­richt nur bei Vor­lie­gen eines Rechts­feh­lers ein­grei­fen darf. Ein sol­cher kann gege­ben sein, wenn die Begrün­dung für die ver­häng­te Stra­fe dem Revi­si­ons­ge­richt die ihm oblie­gen­de sach­lich­recht­li­che Nach­prü­fung nicht ermög­licht, die Erwä­gun­gen des Tatrich­ters in sich feh­ler­haft sind oder die Stra­fe sich von ihrer Bestim­mung, gerech­ter Schuld­aus­gleich zu sein, nach oben oder unten löst. Gemäß § 46 Abs. 2 Satz 1 StGB hat das Gericht die Umstän­de gegen­ein­an­der abzu­wä­gen, die für und gegen den Täter spre­chen. Dies bedeu­tet indes nicht, dass jeder der­ar­ti­ge Umstand der aus­drück­li­chen Erör­te­rung in den Urteils­grün­den bedarf und dass die Nicht­er­ör­te­rung stets einen Rechts­feh­ler begrün­det. Das Gericht ist viel­mehr ledig­lich ver­pflich­tet, in den Urteils­grün­den die für die Straf­zu­mes­sung bestim­men­den Umstän­de dar­zu­le­gen (§ 267 Abs. 3 Satz 1 StPO); eine erschöp­fen­de Auf­zäh­lung aller Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen ist weder vor­ge­schrie­ben noch mög­lich. Was als wesent­li­cher Straf­zu­mes­sungs­grund anzu­se­hen ist, ist unter Berück­sich­ti­gung der Beson­der­hei­ten des Ein­zel­falls vom Tatrich­ter zu ent­schei­den 6. Ent­spre­chen­des gilt für den geson­der­ten Straf­zu­mes­sungs­vor­gang der Gesamt­stra­fen­be­stim­mung nach § 54 Abs. 1 Satz 3 StGB, wobei sich jedoch eine völ­li­ge Tren­nung der für die Ein­zel- und Gesamt­stra­fen­bil­dung maß­geb­li­chen Gesichts­punk­te nicht durch­füh­ren lässt 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. März 2016 – 3 StR 347/​15

  1. all­ge­mein KK-Geri­cke, StPO, 7. Aufl., § 352 Rn. 6 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 22.02.1996 – 1 StR 721/​94, NStZ 1996, 352[]
  3. BGH, Beschluss vom 13.12 1977 – 5 StR 728/​77, MDR 1978, 282[]
  4. vgl. OLG Köln, Beschluss vom 22.01.1999 – Ss 616/​98, NStZ-RR 2000, 49 zur Ver­ur­tei­lung wegen Com­pu­ter­be­tru­ges statt Unter­schla­gung[]
  5. vgl. hier­zu OLG Saar­brü­cken, Beschluss vom 02.07.1996 – Ss 126/​94, NStZ 1997, 149[]
  6. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 16.04.2015 – 3 StR 638/​14, NStZ-RR 2015, 240[]
  7. BGH, Urteil vom 30.11.1971 – 1 StR 485/​71, BGHSt 24, 268, 269 ff.[]