Unter­brin­gung in der Ent­zie­hungs­an­stalt – und der Hang

Für die Annah­me eines Hangs im Sin­ne des § 64 StGB genügt nach stän­di­ger Recht­spre­chung eine ein­ge­wur­zel­te, auf psy­chi­sche Dis­po­si­ti­on zurück­ge­hen­de oder durch Übung erwor­be­ne Nei­gung, immer wie­der Rausch­mit­tel zu kon­su­mie­ren, wobei die­se Nei­gung noch nicht den Grad einer phy­si­schen Abhän­gig­keit erreicht haben muss.

Unter­brin­gung in der Ent­zie­hungs­an­stalt – und der Hang

Ein über­mä­ßi­ger Genuss von Rausch­mit­teln ist jeden­falls dann gege­ben, wenn der Betref­fen­de auf Grund sei­ner Nei­gung sozi­al gefähr­det oder gefähr­lich erscheint 1.

Wenn­gleich erheb­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen der Gesund­heit, Arbeits­und Leis­tungs­fä­hig­keit des Betref­fen­den indi­zi­el­le Bedeu­tung für das Vor­lie­gen eines Hangs zukom­men und in der Regel mit über­mä­ßi­gem Rausch­mit­tel­kon­sum ein­her­ge­hen wer­den, schließt deren Feh­len jedoch nicht not­wen­di­ger­wei­se die Annah­me eines Hangs aus 2.

Auch ste­hen das Feh­len aus­ge­präg­ter Ent­zugs­syn­dro­me sowie Inter­val­le der Absti­nenz dem Vor­lie­gen eines Hangs nicht ent­ge­gen 3.

Er setzt auch nicht vor­aus, dass die Rausch­mit­tel­ge­wöh­nung auf täg­li­chen oder häu­fig wie­der­hol­ten Genuss zurück­geht; viel­mehr kann es genü­gen, wenn der Täter von Zeit zu Zeit oder bei pas­sen­der Gele­gen­heit sei­ner Nei­gung zum Rausch­mit­tel­kon­sum folgt 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Novem­ber 2018 – 3 StR 299/​18

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 12.01.2017 1 StR 587/​16, Rn. 9; Urteil vom 10.11.2004 2 StR 329/​04, NStZ 2005, 210[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 10.11.2015 1 StR 482/​15, NStZ-RR 2016, 113, 114; vom 02.04.2015 3 StR 103/​15, Rn. 6[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 12.04.2012 5 StR 87/​12, NStZ-RR 2012, 271; vom 30.03.2010 3 StR 88/​10, NStZ-RR 2010, 216[]
  4. zum Gan­zen BGH, Beschluss vom 20.02.2018 3 StR 645/​17, Rn. 8 mwN[]