Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und der erfor­der­li­che Hang

Für einen Hang gemäß § 64 StGB aus­rei­chend ist eine ein­ge­wur­zel­te, auf psy­chi­sche Dis­po­si­ti­on zurück­ge­hen­de oder durch Übung erwor­be­ne Nei­gung, immer wie­der Rausch­mit­tel zu kon­su­mie­ren, wobei die­se Nei­gung noch nicht den Grad einer psy­chi­schen Abhän­gig­keit erreicht haben muss.

Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und der erfor­der­li­che Hang

Ein über­mä­ßi­ger Kon­sum von Rausch­mit­teln ist jeden­falls dann gege­ben, wenn der Betrof­fe­ne auf­grund sei­ner Nei­gung sozi­al gefähr­det oder gefähr­lich erscheint 1. Letz­te­res ist der Fall bei der Bege­hung von zur Befrie­di­gung des eige­nen Dro­gen­kon­sums die­nen­den Beschaf­fungs­ta­ten 2.

Dem Umstand, dass durch den Rausch­mit­tel­kon­sum die Gesund­heit sowie die Arbeits­und Leis­tungs­fä­hig­keit des Betrof­fe­nen beein­träch­tigt sind, kommt nur indi­zi­el­le Bedeu­tung zu. Das Feh­len sol­cher Beein­träch­ti­gun­gen schließt die Beja­hung eines Hangs nicht aus 3.

Eben­so wenig ist für einen Hang erfor­der­lich, dass beim Täter bereits eine Per­sön­lich­keits­de­pra­va­ti­on ein­ge­tre­ten ist 4.

Die Fest­stel­lung einer zu Beschaf­fungs­de­lik­ten füh­ren­den psy­chi­schen Betäu­bungs­mit­tel­ab­hän­gig­keit trägt die Annah­me eines Hangs im Sin­ne des § 64 StGB, ohne dass es auf den Grad oder die Aus­prä­gung der Abhän­gig­keit im Ein­zel­nen näher ankommt 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Juli 2019 – 4 StR 80/​19

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 10.11.2015 – 1 StR 482/​15, NStZ-RR 2016, 113; vom 21.08.2012 – 4 StR 311/​12, RuP 2013, 34 f.
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 27.09.2018 – 4 StR 276/​18, StV 2019, 261; vom 02.04.2015 – 3 StR 103/​15 Rn. 5; Urteil vom 10.11.2004 – 2 StR 329/​04, NStZ 2005, 210
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 10.11.2015 – 1 StR 482/​15 aaO; vom 21.08.2012 – 4 StR 311/​12 aaO; vom 12.04.2012 – 5 StR 87/​12, NStZ-RR 2012, 271
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 26.10.2016 – 4 StR 408/​16 Rn. 6; vom 10.11.2015 – 1 StR 482/​15 aaO; vom 06.09.2007 – 4 StR 318/​07, NStZ-RR 2008, 8
  5. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 18.09.2013 – 1 StR 456/​13 Rn. 7; vom 18.09.2013 – 1 StR 382/​13, BGHR StGB § 64 Satz 1 Hang 1; Urteil vom 31.10.2001 – 2 StR 296/​01, NStZ 2002, 142; van Gemme­ren in Münch­Komm-StGB, 3. Aufl., § 64 Rn. 23; Schöch in LKStGB, 12. Aufl., § 64 Rn. 45