Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und die Fra­ge des Han­ges

Für die Annah­me eines Hangs ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung eine ein­ge­wur­zel­te, auf psy­chi­sche Dis­po­si­ti­on zurück­ge­hen­de oder durch Übung erwor­be­ne Nei­gung aus­rei­chend, immer wie­der Rausch­mit­tel zu kon­su­mie­ren, wobei die­se Nei­gung noch nicht den Grad einer psy­chi­schen Abhän­gig­keit erreicht haben muss1.

Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und die Fra­ge des Han­ges

Ein über­mä­ßi­ger Genuss von Rausch­mit­teln im Sin­ne des § 64 StGB ist jeden­falls dann gege­ben, wenn der Betref­fen­de auf­grund sei­ner Nei­gung sozi­al gefähr­det oder gefähr­lich erscheint2.

Letz­te­res ist der Fall bei der Bege­hung von zur Befrie­di­gung des eige­nen Dro­gen­kon­sums die­nen­der Beschaf­fungs­ta­ten3. Inso­weit kann der Umstand, dass durch den Rausch­mit­tel­kon­sum bereits die Gesund­heit, Arbeits­und Leis­tungs­fä­hig­keit des Betref­fen­den erheb­lich beein­träch­tigt ist, zwar indi­zi­el­le Bedeu­tung für das Vor­lie­gen eines Han­ges zukom­men.

Wenn­gleich sol­che Beein­träch­ti­gun­gen in der Regel mit über­mä­ßi­gem Rausch­mit­tel­kon­sum ein­her­ge­hen wer­den, schließt deren Feh­len jedoch nicht not­wen­di­ger­wei­se die Annah­me eines Han­ges aus4.

Auch ste­hen das Feh­len aus­ge­präg­ter Ent­zugs­syn­dro­me sowie Inter­val­le der Absti­nenz der Annah­me eines Hangs nicht ent­ge­gen5. Er setzt auch nicht vor­aus, dass die Rausch­mit­tel­ge­wöh­nung auf täg­li­chen oder häu­fig wie­der­hol­ten Genuss zurück­geht; viel­mehr kann es genü­gen, wenn der Täter von Zeit zu Zeit oder bei pas­sen­der Gele­gen­heit sei­ner Nei­gung zum Rausch­mit­tel­kon­sum folgt6.

Im kon­kre­ten, hier ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Ange­sichts der Tat­sa­che, dass der Ange­klag­te sowohl Mari­hua­na, als auch Koka­in kon­su­mier­te und einer gere­gel­ten Arbeit weder vor, noch nach sei­ner Inhaf­tie­rung nach­ging, hät­te für das Land­ge­richt Ver­an­las­sung bestan­den, die Hin­ter­grün­de näher zu beleuch­ten. Allein die Tat­sa­che, dass der Ange­klag­te kei­ne Sucht­fol­gen zeig­te, ver­mag das Vor­lie­gen eines Hangs nicht zu ver­nei­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Novem­ber 2018 – 1 StR 481/​18

  1. BGH, Beschluss vom 20.09.2017 – 1 StR 348/​17 Rn. 9 mwN []
  2. BGH, Beschluss vom 12.01.2017 – 1 StR 587/​16, Rn. 9; Urteil vom 14.10.2015 – 1 StR 415/​15, Rn. 7; BGH, Urteil vom 15.05.2014 – 3 StR 386/​13, Rn. 10 []
  3. BGH, Beschluss vom 12.01.2017 – 1 StR 587/​16; BGH, Beschlüs­se vom 06.06.2017 – 2 StR 103/​17; und vom 02.04.2015 – 3 StR 103/​15 []
  4. BGH, Beschluss vom 10.11.2015 – 1 StR 482/​15 Rn. 14; BGH, Beschlüs­se vom 02.04.2015 – 3 StR 103/​15 Rn. 6; und vom 01.04.2008 – 4 StR 56/​08 Rn. 6 []
  5. BGH, Beschluss vom 17.05.2018 – 3 StR 166/​18 Rn. 12 mwN []
  6. BGH, Beschluss vom 17.05.2018 – 3 StR 166/​18 Rn. 12 mwN []