Untreue – und der Täter-Opfer-Aus­gleich

Obwohl § 46a StGB nach sei­nem Wort­laut an sich in bei­den Vari­an­ten für alle Delik­te in Fra­ge kommt, kön­nen sich aus den unter­schied­li­chen tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen von Num­mern 1 und 2 jeweils Beschrän­kun­gen im Anwen­dungs­be­reich erge­ben 1.

Untreue – und der Täter-Opfer-Aus­gleich

Dem­entspre­chend ver­steht der Bun­des­ge­richts­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung § 46a Nr. 2 StGB als Rege­lung über den Täter-Opfer-Aus­gleich, die an den Aus­gleich der durch die Tat ent­stan­de­nen mate­ri­el­len Schä­den anknüpft 2. Der Täter-Opfer-Aus­gleich nach die­ser Vor­schrift ver­langt auf der Sei­te der Opfer, dass sie "ganz oder zum über­wie­gen­den Teil" ent­schä­digt wor­den sind sowie täter­sei­tig "erheb­li­che per­sön­li­che Leis­tun­gen oder per­sön­li­chen Ver­zicht".

Damit eine erfolg­te Scha­dens­wie­der­gut­ma­chung ihre frie­den­stif­ten­de Wir­kung ent­fal­ten kann, muss der Täter einen über eine rein rech­ne­ri­sche Kom­pen­sa­ti­on hin­aus­ge­hen­den Bei­trag erbrin­gen. Dafür genügt die Erfül­lung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen allein nicht. Viel­mehr muss sein Ver­hal­ten Aus­druck der Über­nah­me von Ver­ant­wor­tung sein 3. Mit die­sen Anfor­de­run­gen wird den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers ent­spro­chen, einen Täter-Opfer-Aus­gleich dann anzu­neh­men, wenn die voll­stän­di­ge oder wenigs­tens teil­wei­se Ent­schä­di­gung des Opfers durch die per­sön­li­che Leis­tung oder den per­sön­li­chen Ver­zicht des Täters die mate­ri­el­le Ent­schä­di­gung mög­lich gewor­den ist 4.

Bei § 46a Nr. 1 StGB sind zwar imma­te­ri­el­le Schä­den auf­grund der Bege­hung von Ver­mö­gens­de­lik­ten nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen 5. Erfor­der­lich ist aber, dass die Besei­ti­gung imma­te­ri­el­ler Schä­den nicht wesent­li­ches Ziel der Ver­ein­ba­rung ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. August 2016 – 1 StR 121/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 02.05.1995 – 5 StR 156/​95, NStZ 1995, 492[]
  2. etwa BGH, Urtei­le vom 12.01.2012 – 4 StR 290/​11, NStZ 2012, 439 f.; vom 08.08.2012 – 2 StR 526/​11, NStZ 2013, 33 f.; und vom 04.12 2014 – 4 StR 213/​14, BGHSt 60, 84 ff.[]
  3. st. Rspr.; etwa BGH, Beschluss vom 20.01.2010 – 1 StR 634/​09, NStZ-RR 2010, 147; BGH, Urteil vom 11.02.2009 – 2 StR 339/​08, StV 2009, 405 jeweils mwN; vgl. auch BGH, Urteil vom 05.03.2014 – 2 StR 496/​13 Rn. 14[]
  4. sie­he BT-Drs. 12/​6853 S. 22 sowie BGH, Beschluss vom 20.01.2010 – 1 StR 634/​09, NStZ-RR 2010, 147[]
  5. BGH, Urteil vom 08.08.2012 – 2 StR 526/​11, NStZ 2013, 33, 34 mwN[]