Ver­stoß gegen Wei­sun­gen wäh­rend der Füh­rungs­auf­sicht

Bei einer Ver­ur­tei­lung wegen Ver­sto­ßes gegen Wei­sun­gen wäh­rend der Füh­rungs­auf­sicht dür­fen Ver­stö­ße gegen wei­te­re, jedoch unzu­läs­si­ge Wei­sun­gen nicht straf­schär­fend berück­sich­tigt wer­den.

Ver­stoß gegen Wei­sun­gen wäh­rend der Füh­rungs­auf­sicht

Gemäß § 145a StGB macht sich straf­bar, wer wäh­rend der Füh­rungs­auf­sicht gegen eine bestimm­te Wei­sung der in § 68b Abs. 1 StGB bezeich­ne­ten Art ver­stößt und dadurch den Zweck der Maß­re­gel gefähr­det.

Die Wei­sung „… auch wei­ter­hin die seit März 2009 begon­nen ambu­lan­te psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lung beim Diplom-Psy­cho­lo­gen … in Heil­bronn fort­zu­set­zen, und zwar in den vom The­ra­peu­ten für erfor­der­lich gehal­te­nen zeit­li­chen Abstän­den, wie dies vom The­ra­peu­ten für erfor­der­lich gehal­ten wird, und die psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lung nur im Ein­ver­neh­men mit dem The­ra­peu­ten, dem Bewäh­rungs­hel­fer und der Füh­rungs­auf­sichts­stel­le zu been­den.“ stellt kei­ne straf­be­wehr­te Wei­sung im Sin­ne des § 68b Abs. 1 Nr. 11 StGB dar. Die­se Vor­schrift erfasst ledig­lich soge­nann­te „Vor­stel­lungs­wei­sun­gen“, mit denen es Ärz­ten oder Psy­cho­the­ra­peu­ten ermög­licht wer­den soll, sich von der ver­ur­teil­ten Per­son regel­mä­ßig einen Ein­druck zu ver­schaf­fen und Kri­sen schnel­ler zu erken­nen, vor allem aber auch Ver­ur­teil­te über die Kon­takt­auf­nah­me mit The­ra­peu­ten zu einem ers­ten Schritt in Rich­tung The­ra­pie zu bewe­gen. Eine straf­be­wehr­te „Zwangs­the­ra­pie“ soll durch die­se Vor­schrift gera­de nicht gewähr­leis­tet wer­den. Die im vor­lie­gen­den Fall erteil­te Wei­sung, eine lau­fen­de The­ra­pie fort­zu­set­zen, fällt hin­ge­gen unter die – nicht straf­be­wehr­ten – The­ra­pie­wei­sun­gen des § 68b Abs. 2 Satz 2 StGB [1].

Sowohl die genann­te The­ra­pie­wei­sung, als auch die nach § 68b Abs. 1 Nr. 7 StGB an sich straf­be­wehr­te Wei­sung „… sich unver­züg­lich bei sei­nem Bewäh­rungs­hel­fer zu mel­den, mit die­sem künf­tig regel­mä­ßig zusam­men­zu­ar­bei­ten, sich zu den vom Bewäh­rungs­hel­fer näher zu bestim­men­den Zei­ten in des­sen Sprech­stun­de ein­zu­fin­den und des­sen Ladun­gen zu Betreu­ungs­ge­sprä­chen ter­min­ge­recht Fol­ge zu leis­ten, …“ sind nicht aus­rei­chend bestimmt, da nicht fest­ge­legt ist, zu wel­chen Zei­ten oder in wel­chen Abstän­den sich der Pro­band beim Bewäh­rungs­hel­fer bzw. dem The­ra­peu­ten zu mel­den hat. Viel­mehr wird dies dem Bewäh­rungs­hel­fer bzw. dem The­ra­peu­ten über­las­sen. Die Wei­sun­gen sind daher unzu­läs­sig [2].

Ver­stö­ße gegen der­art unzu­läs­si­ge Wei­sun­gen kön­nen im Rah­men der Straf­zu­mes­sung nicht zulas­ten des Ange­klag­ten her­an­ge­zo­gen wer­den.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 14. März 2014 – 5 Ss 89/​14

  1. vgl. Schnei­der in Leip­zi­ger Kom­men­tar StGB, 12. Auf­la­ge, § 68b Rn. 37 m. w. N.[]
  2. vgl. Fischer aaO, § 56c Rn. 2 mwN, Schnei­der aaO, § 68b Rn. 38[]