Abwasser-Anschlussbeiträge für Altanschließer in Mecklenburg-Vorpommern

20. April 2015 | Verwaltungsrecht
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Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat in mehreren Revisionsverfahren bestätigt, dass Grundstückseigentümer in Mecklenburg-Vorpommern bis zum 31.12 2008 auch dann zu Anschlussbeiträgen für die Abwasserentsorgung herangezogen werden konnten, wenn ihre Grundstücke schon zu DDR-Zeiten an die Kanalisation angeschlossen waren.

Die Kläger sind Eigentümer bebauter Grundstücke, die bereits vor der Wiedervereinigung über einen Anschluss an eine Abwasserentsorgungseinrichtung verfügten. Der beklagte Wasserversorgungs- und Abwasserzweckverband Güstrow-Bützow-Sternberg übernahm mit seiner Gründung 1991 diese Einrichtungen und ist seither u.a. für die Abwasserbeseitigung im Verbandsgebiet zuständig. Nachdem frühere Beitragssatzungen des Zweckverbandes an durchgreifenden Rechtsfehlern gelitten hatten, zog er die Kläger im Jahr 2006 auf der Grundlage seiner – ersten wirksamen – Satzung von 2004 zu Beiträgen für die Herstellung der öffentlichen Einrichtung für die zentrale Schmutzwasserbeseitigung heran.

Die dagegen gerichteten Klagen sind in den Vorinstanzen vor dem Verwaltungsgericht Schwerin1 und dem Oberverwaltungsgericht Mecklenburg-Vorpommern2in Greifswald erfolglos geblieben. Das Bundesverwaltungsgericht hat nun auch die hiergegen gerichteten Revision der Grundstückseigentümer zurückgewiesen:

Zwar widerspricht das Kommunalabgabenrecht des Landes Mecklenburg-Vor­pom­mern dem verfassungsrechtlichen Grundsatz der Rechtssicherheit, wie er in der neuen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts3 seinen Niederschlag gefunden hat. Denn der Landesgesetzgeber hat versäumt, die Heranziehung zu Beiträgen zum Vorteilsausgleich einer zeitlichen Obergrenze zu unterwerfen, falls die maßgeblichen Satzungen – wie hier – zunächst nichtig waren und erst später durch rechtswirksame Satzungen ersetzt worden sind. Aber der Gesetzgeber hat in § 12 Abs. 2 Satz 1 KAG MV immerhin festgelegt, dass Grundstückseigentümer jedenfalls bis Ablauf des 31.12 2008 mit ihrer Heranziehung rechnen mussten. Auf Beitragsbescheide, die – wie vorliegend – bis zu diesem Zeitpunkt erlassen wurden, wirkt sich der Verfassungsverstoß daher nicht aus.

Soweit das Oberverwaltungsgericht das einschlägige Landesrecht dahin ausgelegt hat, nach der Wiedervereinigung sei auch sog. Altanschließern erstmalig der rechtlich gesicherte Vorteil geboten worden, ihr Schmutzwasser mittels einer kommunalen öffentlichen Einrichtung entsorgen zu können, steht Bundesrecht dem nicht entgegen. Für diese Bewertung ist wesentlich, dass Beiträge nur für nach der Wiedervereinigung entstandene Aufwendungen erhoben werden dürfen.

Der danach zwischen der Vorteilserlangung und der Beitragserhebung liegende Zeitraum bis Ende 2008 ist angesichts der Herausforderungen, die mit der Wiedervereinigung verbunden waren, zumutbar. Schließlich setzt die Beitragserhebung nicht voraus, dass die damit abgegoltenen Investitionen gerade die Anlagenteile betreffen, die von dem Grundstück des Beitragsschuldners tatsächlich in Anspruch genommen werden. Das hier einschlägige Landesrecht lässt es vielmehr ohne Verstoß gegen Bundesrecht ausreichen, dass Maßnahmen an der Gesamtanlage durchgeführt werden. Es kommt danach nicht darauf an, ob die Anlagenteile technisch miteinander verbunden sind.

Bundesverwaltungsgericht, Urteile vom 15. April 2015 – 9 C 15.2014 – 9 C 16.2014 – 9 C 17.2014 – 9 C 18.2014 – 9 C 19.2014 – 9 C 20.2014 – und 9 C 21.2014 –

  1. VG Schwerin, Urteile vom Urteil vom 16.04.2013 – 4 A 1516/12; 4 A 1515/12; 4 A 1280/12; 4 A 1357/12; und vom 13.06.2013 – 4 A 1460/12; 4 A 1461/1; 4 A 1628/12
  2. OVG MV, Urteile vom 01.04.2014 – 1 L 139/13; 1 L 140/13; 1 L 142/13; 1 L 143/13; 1 L 207/13; 1 L 208/13 und 1 L 210/13
  3. BVerwG, Beschluss vom 05.03.2013 – 2 BvR 2457/08

 
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