Abwas­ser-Anschluss­bei­trä­ge für Alt­an­schlie­ßer in Meck­len­burg-Vor­pom­mern

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat in meh­re­ren Revi­si­ons­ver­fah­ren bestä­tigt, dass Grund­stücks­ei­gen­tü­mer in Meck­len­burg-Vor­pom­mern bis zum 31.12 2008 auch dann zu Anschluss­bei­trä­gen für die Abwas­ser­ent­sor­gung her­an­ge­zo­gen wer­den konn­ten, wenn ihre Grund­stü­cke schon zu DDR-Zei­ten an die Kana­li­sa­ti­on ange­schlos­sen waren.

Abwas­ser-Anschluss­bei­trä­ge für Alt­an­schlie­ßer in Meck­len­burg-Vor­pom­mern

Die Klä­ger sind Eigen­tü­mer bebau­ter Grund­stü­cke, die bereits vor der Wie­der­ver­ei­ni­gung über einen Anschluss an eine Abwas­ser­ent­sor­gungs­ein­rich­tung ver­füg­ten. Der beklag­te Was­ser­ver­sor­gungs- und Abwas­ser­zweck­ver­band Güs­trow-Büt­zow-Stern­berg über­nahm mit sei­ner Grün­dung 1991 die­se Ein­rich­tun­gen und ist seit­her u.a. für die Abwas­ser­be­sei­ti­gung im Ver­bands­ge­biet zustän­dig. Nach­dem frü­he­re Bei­trags­sat­zun­gen des Zweck­ver­ban­des an durch­grei­fen­den Rechts­feh­lern gelit­ten hat­ten, zog er die Klä­ger im Jahr 2006 auf der Grund­la­ge sei­ner – ers­ten wirk­sa­men – Sat­zung von 2004 zu Bei­trä­gen für die Her­stel­lung der öffent­li­chen Ein­rich­tung für die zen­tra­le Schmutz­was­ser­be­sei­ti­gung her­an.

Die dage­gen gerich­te­ten Kla­gen sind in den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Schwe­rin 1 und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern 2in Greifs­wald erfolg­los geblie­ben. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch die hier­ge­gen gerich­te­ten Revi­si­on der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer zurück­ge­wie­sen:

Zwar wider­spricht das Kom­mu­nal­ab­ga­ben­recht des Lan­des Meck­len­burg-Vor­­­pom­­mern dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz der Rechts­si­cher­heit, wie er in der neu­en Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 3 sei­nen Nie­der­schlag gefun­den hat. Denn der Lan­des­ge­setz­ge­ber hat ver­säumt, die Her­an­zie­hung zu Bei­trä­gen zum Vor­teils­aus­gleich einer zeit­li­chen Ober­gren­ze zu unter­wer­fen, falls die maß­geb­li­chen Sat­zun­gen – wie hier – zunächst nich­tig waren und erst spä­ter durch rechts­wirk­sa­me Sat­zun­gen ersetzt wor­den sind. Aber der Gesetz­ge­ber hat in § 12 Abs. 2 Satz 1 KAG MV immer­hin fest­ge­legt, dass Grund­stücks­ei­gen­tü­mer jeden­falls bis Ablauf des 31.12 2008 mit ihrer Her­an­zie­hung rech­nen muss­ten. Auf Bei­trags­be­schei­de, die – wie vor­lie­gend – bis zu die­sem Zeit­punkt erlas­sen wur­den, wirkt sich der Ver­fas­sungs­ver­stoß daher nicht aus.

Soweit das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt das ein­schlä­gi­ge Lan­des­recht dahin aus­ge­legt hat, nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung sei auch sog. Alt­an­schlie­ßern erst­ma­lig der recht­lich gesi­cher­te Vor­teil gebo­ten wor­den, ihr Schmutz­was­ser mit­tels einer kom­mu­na­len öffent­li­chen Ein­rich­tung ent­sor­gen zu kön­nen, steht Bun­des­recht dem nicht ent­ge­gen. Für die­se Bewer­tung ist wesent­lich, dass Bei­trä­ge nur für nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung ent­stan­de­ne Auf­wen­dun­gen erho­ben wer­den dür­fen.

Der danach zwi­schen der Vor­teils­er­lan­gung und der Bei­trags­er­he­bung lie­gen­de Zeit­raum bis Ende 2008 ist ange­sichts der Her­aus­for­de­run­gen, die mit der Wie­der­ver­ei­ni­gung ver­bun­den waren, zumut­bar. Schließ­lich setzt die Bei­trags­er­he­bung nicht vor­aus, dass die damit abge­gol­te­nen Inves­ti­tio­nen gera­de die Anla­gen­tei­le betref­fen, die von dem Grund­stück des Bei­trags­schuld­ners tat­säch­lich in Anspruch genom­men wer­den. Das hier ein­schlä­gi­ge Lan­des­recht lässt es viel­mehr ohne Ver­stoß gegen Bun­des­recht aus­rei­chen, dass Maß­nah­men an der Gesamt­an­la­ge durch­ge­führt wer­den. Es kommt danach nicht dar­auf an, ob die Anla­gen­tei­le tech­nisch mit­ein­an­der ver­bun­den sind.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 15. April 2015 – 9 C 15.2014 – 9 C 16.2014 – 9 C 17.2014 – 9 C 18.2014 – 9 C 19.2014 – 9 C 20.2014 – und 9 C 21.2014 -

  1. VG Schwe­rin, Urtei­le vom Urteil vom 16.04.2013 – 4 A 1516/​12; 4 A 1515/​12; 4 A 1280/​12; 4 A 1357/​12; und vom 13.06.2013 – 4 A 1460/​12; 4 A 1461/​1; 4 A 1628/​12[]
  2. OVG MV, Urtei­le vom 01.04.2014 – 1 L 139/​13; 1 L 140/​13; 1 L 142/​13; 1 L 143/​13; 1 L 207/​13; 1 L 208/​13 und 1 L 210/​13[]
  3. BVerwG, Beschluss vom 05.03.2013 – 2 BvR 2457/​08[]