Alters­vor­sor­ge befris­te­ter Bediens­te­ter beim Euro­päi­schen Patent­amt

Die Euro­päi­sche Patent­or­ga­ni­sa­ti­on ist eine ver­selb­stän­dig­te juris­ti­sche Per­son auf völ­ker­ver­trag­li­cher Grund­la­ge 1, kein Organ, kei­ne Ein­rich­tung oder eine sons­ti­ge Stel­le der Euro­päi­schen Uni­on 2.

Alters­vor­sor­ge befris­te­ter Bediens­te­ter beim Euro­päi­schen Patent­amt

Die­se Orga­ni­sa­ti­on wur­de durch das Über­ein­kom­men über die Ertei­lung euro­päi­scher Paten­te vom 05.10.1973 3 gegrün­det. Bei ihr han­delt es sich um eine zwi­schen­staat­li­che Ein­rich­tung im Sin­ne von Art. 24 Abs. 1 GG, beim EPÜ um ein zwi­schen den Ver­trags­staa­ten geschlos­se­nes völ­ker­recht­li­ches Über­ein­kom­men, das nicht Bestand­teil des Uni­ons­rechts ist 4. Das Euro­päi­sche Patent­amt ist ein Organ der Euro­päi­schen Patent­or­ga­ni­sa­ti­on.

Vor die­sem Hin­ter­grund schei­det ein Ver­stoß gegen das Uni­ons­recht des Ver­tre­ters der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land im Ver­wal­tungs­rat der Euro­päi­schen Patent­or­ga­ni­sa­ti­on durch eine unter­las­se­ne Imple­men­tie­rung der Richt­li­nie 1999/​70/​EG unab­hän­gig von deren kon­kre­tem Rege­lungs­ge­halt von vorn­her­ein aus.

Die Richt­li­nie 1999/​70/​EG rich­tet sich nicht an das Euro­päi­sche Patent­amt und fin­det auf die­ses auch kei­ne Anwen­dung. Hier­für hät­te es viel­mehr eines beson­de­ren völ­ker­recht­li­chen Ver­tra­ges bedurft.

Jen­seits des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms aber besteht für die Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on kei­ne Ver­pflich­tung, den Rege­lungs­ge­halt der Richt­li­nie 1999/​70/​EG auch im Zusam­men­wir­ken mit Dritt­staa­ten gegen­über bezie­hungs­wei­se in Inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen oder zwi­schen­staat­li­chen Ein­rich­tun­gen zur Anwen­dung zu brin­gen. Fehlt es aber bereits an einer Rechts­pflicht, so fehlt es an einer not­wen­di­gen Vor­aus­set­zung für einen unio­na­len Staats­haf­tungs­an­spruch und damit auch für die vor­lie­gend gel­tend gemach­te Ver­let­zung von Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 7. Dezem­ber 2017 – 2 BvR 444/​17

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 04.04.2001 – 2 BvR 2368/​99 14, NJW 2001, S. 2705 f.; BVerfGK 8, 325, 329; 17, 266, 270[]
  2. vgl. EuGH, Urteil vom 04.07.2013, Gar­del­la, – C‑233/​12, EU:C:2013:449, Rn. 29 ff.[]
  3. EPÜ, BGBl 1976 II S. 649, 826[]
  4. vgl. EuGH, Urteil vom 15.01.1986, Hurd, – C-44/​84, EU:C:1986:2, Rn.20 ff.; Urteil vom 30.09.2010, Kom­mis­si­on ./​. Bel­gi­en, – C‑132/​09, EU:C:2010:562, Rn. 43 ff.[]