Die Ver­set­zung beur­laub­ter Beam­ter

Liegt kein dienst­li­cher Grund für die Ver­set­zung eines Beam­ten vor, so ist die Ver­set­zung rechts­wid­rig.

Die Ver­set­zung beur­laub­ter Beam­ter

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len die Ver­set­zun­gen von Beam­ten der Post­bank AG, die zum Zeit­punkt der Ver­set­zun­gen beur­laubt waren und im Ange­stell­ten­ver­hält­nis bei einer Toch­ter­ge­sell­schaft der Deut­sche Post AG beschäf­tigt wur­den, von der Post­bank AG zur Deut­sche Post AG für rechts­wid­rig erklärt. Die Klä­ger sind Beam­te des frü­he­ren Son­der­ver­mö­gens Deut­sche Bun­des­post. Gemäß Art. 143b Grund­ge­setz (GG) wur­den sie zunächst bei der Post­bank AG als dem für Sie zustän­di­gen Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men beschäf­tigt, erhiel­ten sodann jedoch Son­der­ur­laub für eine pri­vat­recht­li­che Beschäf­ti­gung im Ange­stell­ten­ver­hält­nis. Arbeit­ge­ber die­ser Beschäf­ti­gung war in allen Fäl­len die inter­Serv GmbH, eine frü­he­re Toch­ter­ge­sell­schaft der Post­bank AG, deren Antei­le seit Novem­ber 2003 voll­stän­dig von einer Betei­li­gungs­ge­sell­schaft der Deut­sche Post AG gehal­ten wer­den. Nach­dem Ende Febru­ar 2012 die Deut­sche Bank AG mehr als 90 % der Antei­le an der Post­bank AG über­nom­men hat­te und damit die gesell­schafts­recht­li­che Ent­flech­tung der Post­bank AG aus dem Kon­zern Deut­sche Post DHL abge­schlos­sen war, ver­setz­te die Post­bank AG die – wei­ter­hin son­der­be­ur­laub­ten – Klä­ger zur Deut­sche Post AG. Als erfor­der­li­cher dienst­li­cher Grund für die Ver­set­zung wur­de ange­führt, die Dienst­herrn­be­fug­nis­se für die Beam­ten soll­ten zukünf­tig von dem Unter­neh­men wahr­ge­nom­men wer­den, das auf die inter­Serv GmbH einen beherr­schen­den Ein­fluss habe. Dies sei die Deut­sche Post AG, wäh­rend die Post­bank AG kei­nen Ein­fluss (mehr) auf die inter­Serv GmbH aus­üben kön­ne.

In den bereits abge­schlos­se­nen Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen ernst­li­che Zwei­fel an dem Vor­lie­gen eines dienst­li­chen Grun­des und dem­zu­fol­ge auch an der Recht­mä­ßig­keit der Ver­set­zun­gen fest­ge­stellt und aus die­sem Grund die auf­schie­ben­de Wir­kung der Wider­sprü­che der Beam­ten wie­der­her­ge­stellt. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, das im Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes letzt­in­stanz­lich ent­schei­det, hat die Beschlüs­se des Ver­wal­tungs­ge­richts Gel­sen­kir­chen bestä­tigt. Die Post­bank AG hat die Ver­set­zun­gen gleich­wohl auf­recht­erhal­ten und macht u.a. gel­tend, dass süd­deut­sche Gerich­te in par­al­lel dort geführ­ten Ver­fah­ren das Vor­lie­gen eines dienst­li­chen Grun­des für die Ver­set­zun­gen bejaht hät­ten.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen auf die Recht­spre­chung in den Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes ver­wie­sen und nun­mehr im Kla­ge­ver­fah­ren die Rechts­wid­rig­keit bejaht. Auch in Wür­di­gung der abwei­chen­den Recht­spre­chung süd­deut­scher Ver­wal­tungs­ge­rich­te konn­te es kei­nen dienst­li­chen Grund für die Ver­set­zun­gen erken­nen.

Maß­geb­lich für die Ent­schei­dung war, dass es für die Beur­tei­lung auf die Ver­hält­nis­se im Zeit­punkt des Wider­spruchs­be­schei­des ankam. Zu die­sem Zeit­punkt stan­den die Beam­ten in einem – von der Dienst­leis­tungs­pflicht gegen­über der Post­bank AG los­ge­lös­ten – Ange­stell­ten­ver­hält­nis zu der pri­vat­recht­li­chen inter­Serv GmbH. Des­halb bedurf­te es kei­ner Ein­wir­kungs­be­fug­nis­se des Dienst­herrn (Post­bank AG, die auch nach Über­nah­me durch die Deut­sche Bank AG Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men bleibt und Dienst­her­ren­be­fug­nis­se wahr­neh­men darf) auf die­se Gesell­schaft.

Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen, Urtei­le vom 29. Okto­ber 2013 – 12 K 1950/​12 u.a.