Viven­to und die Ver­set­zung des Tele­kom-Beam­ten

Für die Zuwei­sung einer dem abs­trakt funk­tio­nel­len Amt ent­spre­chen­den Tätig­keit bei einem Toch­ter­un­ter­neh­men der Deut­schen Tele­kom genügt es, dem Beam­ten den Tätig­keits­kreis der Arbeits­pos­ten abs­trakt zuzu­wei­sen, die bei dem Toch­ter­un­ter­neh­men ein­ge­rich­tet und ent­spre­chend dem sta­tus­recht­li­chen Amt des Beam­ten bewer­tet sind.

Viven­to und die Ver­set­zung des Tele­kom-Beam­ten

Rechts­grund­la­ge für die­se Maß­nah­me ist § 4 Abs. 4 Satz 2 Post­Pers­RG. Danach ist eine dau­er­haf­te Zuwei­sung einer dem Amt ent­spre­chen­den Tätig­keit auch ohne Zustim­mung des Beam­ten zuläs­sig bei Unter­neh­men, deren Antei­le ganz oder mehr­heit­lich der Akti­en­ge­sell­schaft gehö­ren, bei der der Beam­ten beschäf­tigt ist, wenn die Akti­en­ge­sell­schaft hier­an ein drin­gen­des betrieb­li­ches oder per­so­nal­wirt­schaft­li­ches Inter­es­se hat und die Zuwei­sung nach all­ge­mei­nen beam­ten­recht­li­chen Grund­sät­zen zumut­bar ist.

Im hier vom vom Ham­bur­gi­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall fehlt es nach Ansicht des Gerichts an der Zuwei­sung einer „dem Amt ent­spre­chen­den Tätig­keit“: Die­se muss sich sowohl auf das dem Sta­tus­amt ent­spre­chen­de abs­trak­te Tätig­keits­feld des Beam­ten als auch auf die dem Sta­tus­amt sowie dem abs­trak­ten Tätig­keits­feld ent­spre­chen­de kon­kre­te Tätig­keit bezie­hen 1. Es genügt für die Gewähr­leis­tung der Rech­te des Beam­ten aus Art. 33 Abs. 5 GG nicht, den Beam­ten ledig­lich dau­er­haft in das Toch­ter­un­ter­neh­men „ein­zu­glie­dern“ und ihn mit der Wahr­neh­mung amts­an­ge­mes­se­ner kon­kre­ter Auf­ga­ben zu beauf­tra­gen oder bei einer Ände­rung oder dem Weg­fall des über­tra­ge­nen kon­kre­ten Auf­ga­ben­be­reichs eine neue Zuwei­sung vor­zu­neh­men. Die Tele­kom muss dem Beam­ten nicht nur den Tätig­keits­kreis, der einem kon­kret-funk­tio­nel­len Amt ent­spricht, son­dern auch den­je­ni­gen, der sei­nem abs­trakt-funk­tio­nel­len Amt ver­gleich­bar ist, zuwei­sen.

Der Inha­ber eines sta­tus­recht­li­chen Amts kann gemäß Art. 33 Abs. 5 GG bean­spru­chen, dass ihm ein amts­an­ge­mes­se­nes abs­trakt-funk­tio­nel­les Amt sowie ein amts­an­ge­mes­se­nes kon­kret-funk­tio­nel­les Amt, d.h. ein ent­spre­chen­der Dienst­pos­ten, über­tra­gen wer­den. Er ist erst dann mit der durch Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­te­ten Amts­po­si­ti­on aus­ge­stat­tet, wenn die­ser Anspruch erfüllt ist. Das sta­tus­recht­li­che Amt wird grund­sätz­lich durch die Zuge­hö­rig­keit zu einer Lauf­bahn und Lauf­bahn­grup­pe, durch das End­grund­ge­halt der Besol­dungs­grup­pe und durch die dem Beam­ten ver­lie­he­ne Amts­be­zeich­nung gekenn­zeich­net. In abs­trak­ter Wei­se wird dadurch sei­ne Wer­tig­keit in Rela­ti­on zu ande­ren Ämtern zum Aus­druck gebracht 2. Das Amt im funk­tio­nel­len Sin­ne bezieht sich auf die dienst­li­chen Auf­ga­ben des Beam­ten. Das abs­trakt-funk­tio­nel­le Amt knüpft im abs­trakt ver­stan­de­nen Sin­ne an die Beschäf­ti­gung des Beam­ten an. Gemeint ist der dem sta­tus­recht­li­chen Amt ent­spre­chen­de Auf­ga­ben­kreis, der einem Inha­ber die­ses Sta­tusam­tes bei einer bestimm­ten Behör­de auf Dau­er zuge­wie­sen ist 3. Das kon­kret-funk­tio­nel­le Amt, der Dienst­pos­ten, bezeich­net die dem Beam­ten tat­säch­lich über­tra­ge­ne Funk­ti­on, sei­nen Auf­ga­ben­be­reich. Die für die amts­ge­mä­ße Besol­dung gemäß § 18 BBesG not­wen­di­ge Zusam­men­schau von Amt im sta­tus­recht­li­chen und im funk­tio­nel­len Sin­ne steht einer dau­ern­den Tren­nung von Amt und Funk­ti­on grund­sätz­lich ent­ge­gen 4.

Der Dienst­herr ist gehal­ten, dem Beam­ten sol­che Funk­ti­ons­äm­ter zu über­tra­gen, die in ihrer Wer­tig­keit dem Amt im sta­tus­recht­li­chen Sin­ne ent­spre­chen. Mit der Zuwei­sung eines abs­trak­ten Tätig­keits­fel­des wird eine dau­er­haf­te Bin­dung zwi­schen dem Beam­ten und einem Kreis von Arbeits­pos­ten begrün­det, die bei der Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit, der der Beam­te zuge­wie­sen wird, auf Dau­er ein­ge­rich­tet sind und die sei­nem Amt im sta­tus­recht­li­chem Sin­ne als gleich­wer­ti­ge Tätig­keit zuge­ord­net wer­den 5. Dem­entspre­chend umfasst der Anspruch die auf Dau­er ange­leg­te Über­tra­gung einer gleich­wer­ti­gen Tätig­keit 6. Dabei muss die Wer­tig­keit der zuge­wie­se­nen abs­trak­ten Tätig­keit dem Sta­tus­amt des betrof­fe­nen Beam­ten ent­spre­chen. Nach der nach Art. 143 b Abs. 3 Satz 1 GG gebo­te­nen Wah­rung der Recht­stel­lung der Beam­ten stellt § 8 Post­Pers­RG i.V.m. § 18 BBesG klar, dass auch im Bereich der Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men der Grund­satz der funk­ti­ons­ge­rech­ten Ämter­be­wer­tung gilt, des­sen Anwen­dung für die Erfül­lung der Ansprü­che auf amts­an­ge­mes­se­ne Beschäf­ti­gung erfor­der­lich ist 7. Die Gleich­wer­tig­keit der einem Beam­ten über­tra­ge­nen Tätig­keit bei einem Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men ist dabei auf Grund eines Funk­ti­ons­ver­gleichs mit den Tätig­keits­be­rei­chen bei der (ehe­ma­li­gen) Deut­schen Bun­des­post zu beur­tei­len. Nur eine nach die­sem Maß­stab gleich­wer­ti­ge Tätig­keit ist eine amts­an­ge­mes­se­ne Beschäf­ti­gung im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG 8. Durch die Zuwei­sungs­ent­schei­dung muss die Tele­kom als Dienst­her­rin nach § 4 Abs. 4 Satz 2 Post­Pers­RG sicher­stel­len, dass der Beam­te von dem Toch­ter­un­ter­neh­men, dem er zuge­wie­sen wird, ihrem Amt ent­spre­chend beschäf­tigt wird. Eine amts­ge­mä­ße, der Rechts­stel­lung des Beam­ten gerecht wer­den­de Beschäf­ti­gung sicher­stel­len lässt sich nur dann, wenn die Zuwei­sungs­ver­fü­gung selbst hin­rei­chend bestimm­te Anga­ben ent­hält, denen sich ein Auf­ga­ben­kreis ent­neh­men lässt, der einem abs­trakt-funk­tio­nel­lem Amt gleich­kommt. Dabei liegt es im Ermes­sen des Dienst­herrn, den Inhalt des abs­trakt-funk­tio­nel­len Amtes fest­zu­le­gen 9.

Hier­aus folgt, dass der Inhalt des Auf­ga­ben­krei­ses vom Dienst­herrn selbst fest­ge­legt wer­den muss 10.

Aus­rei­chend ist es dabei, wenn die Tele­kom dem bei dem Toch­ter­un­ter­neh­men zu beschäf­ti­gen­den Beam­ten alle die­je­ni­gen abs­trakt-funk­tio­nel­len Tätig­kei­ten oder anders aus­ge­drückt: Arbeits­pos­ten zuweist, die bei dem Toch­ter­un­ter­neh­men vor­han­den und min­des­tens ent­spre­chend dem sta­tus­recht­li­chen Amt – im ent­schie­de­nen Fall – eines Post­amts­rats (Besol­dungs­grup­pe A12) bewer­tet sind. Die Anfor­de­run­gen an die Benen­nung die­ses abs­trakt-funk­tio­nel­len Tätig­keits­krei­ses dür­fen nicht über­spannt wer­den. Im Bereich der Behör­den genügt es, wor­auf die Tele­kom zu Recht hin­weist, dass z.B. mit der Über­tra­gung des Amtes eines Amt­manns bei einer bestimm­ten Behör­de klar­ge­stellt wird, dass dem Beam­ten der aus den mit dem Amt eines Amt­man­nes bewer­te­ten Dienst­pos­ten der Behör­de zu gewin­nen­de abs­trak­te Auf­ga­ben­kreis 11 als abs­trakt-funk­tio­nel­les Amt zuge­wie­sen wird. Dem­entspre­chend genügt es, im Zuwei­sungs­be­scheid klar­zu­stel­len, dass dem Beam­ten der Tätig­keits­kreis der Arbeits­pos­ten abs­trakt zuge­wie­sen wird, die bei dem Toch­ter­un­ter­neh­men ein­ge­rich­tet und ent­spre­chend dem sta­tus­recht­li­chen Amt des Beam­ten bewer­tet sind. Ent­ge­gen dem Vor­brin­gen der Tele­kom wer­den damit kei­ne prak­tisch wegen der sich ändern­den wirt­schaft­li­chen und tech­ni­schen Anfor­de­run­gen uner­füll­ba­ren Bedin­gun­gen gestellt.

Hin­ge­gen bedarf es für die Zuwei­sung eines dem kon­kret-funk­tio­nel­len Amt – eines Dienst­pos­tens – ent­spre­chen­den kon­kre­ten Tätig­keits­krei­ses grund­sätz­lich einer Benen­nung des kon­kre­ten Dienst­pos­tens und der dort von dem Beam­ten zu erle­di­gen­den Auf­ga­ben. Inso­weit muss die Tele­kom dem Gericht die Prü­fung ermög­li­chen, ob die­ser kon­kre­te Dienst­pos­ten amts­an­ge­mes­sen ist. Ledig­lich soweit bei dem Toch­ter­un­ter­neh­men meh­re­re glei­che Arbeits­pos­ten, also Arbeits­pos­ten mit dem glei­chen Arbeits­zu­schnitt, bestehen, kann die Tele­kom davon abse­hen, in dem Zuwei­sungs­be­scheid zu bestim­men, auf wel­chem der glei­chen Arbeits­pos­ten der Beam­te ein­zu­set­zen ist. Nach dem Wort­laut des § 4 Abs. 4 Satz 2 Post­Pers­RG genügt es, dass dem Beam­ten die Tätig­keit auf einem die­ser glei­chen Arbeits­pos­ten zuge­wie­sen wird, ohne – wie das Ver­wal­tungs­ge­richt zu mei­nen scheint – das „Team“ und den ein­zel­nen Arbeits­pos­ten in dem „Team“ zu benen­nen, auf dem die Toch­ter­ge­sell­schaft ihn ein­setzt.

Ham­bur­gi­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 7. April 2011 – 1 Bs 37/​11

  1. vgl. VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 16.12.2010 – 4 S 2403/​10, Nds. OVG, Beschluss vom 27.01.2009, ZBR 2009, 279[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 18.09.2008, BVerw­GE 132, 31, stRspr[]
  3. BVerwG, Urteil vom 18.09.2008, BVerw­GE 132, 40[]
  4. BVerfG, Beschluss vom 03.07.1985, BVerfGE 70, 251; BVerwG, Urteil vom 18.09.2008, a.a.O.[]
  5. vgl. Nds. OVG, Beschluss vom 28.01.2010, a.a.O.[]
  6. BVerwG, Urteil vom 18.09.2008, a.a.O.[]
  7. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 18.09.2008, BVerw­GE 132, 40; und vom 22.06.2006, 2 C 26.05, BVerw­GE 126, 182[]
  8. BVerwG, Urtei­le vom 18.09.2008, BVerw­GE 132, 40; und vom 22.06.2006, a.a.O.[]
  9. BVerwG, Urteil vom 22.06.2006, a.a.O., OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 08.10.2010, OVG 6 S 18.10[]
  10. so im Ergeb­nis die über­wie­gen­de ober­ge­richt­li­che Recht­spre­chung, vgl. OVG NRW, Beschlüs­se vom 31.03.2010 – 1 B 1541/​09; und vom 16.03.2009, 1 B 1650/​08; Nds. OVG Lüne­burg, Beschluss vom 28.01.2010, DVBl. 2010, 382; BayVGH, Urteil vom 28.01.2010, DVBl. 2010, S. 593 ff.; VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 16.12.2010, 4 S 2403/​10; OVG Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 03.02.2009, DVBl. 2009, S. 468[]
  11. vgl. BVerwG, Urteil vom 18.09.2008, BVerw­GE 132, 31[]