Ge­schäfts­füh­rung als Dienst­stel­len­lei­te­rin bei einer Agen­tur für Ar­beit

Wird eine Agen­tur für Arbeit von einer Geschäfts­füh­rung gelei­tet, so ist die­se Dienst­stel­len­lei­te­rin; wenn sie ihren Vor­sit­zen­den bevoll­mäch­tigt, sie in allen per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten zu ver­tre­ten, so ist davon die Befug­nis zur Ein­lei­tung eines Wahl­an­fech­tungs­ver­fah­rens mit umfasst.

Ge­schäfts­füh­rung als Dienst­stel­len­lei­te­rin bei einer Agen­tur für Ar­beit

Nach § 383 Abs. 1 Satz 1 SGB III wer­den die Agen­tu­ren für Arbeit von einem Geschäfts­füh­rer oder einer Geschäfts­füh­rung gelei­tet. Letz­te­re besteht aus einem Vor­sit­zen­den und bis zu zwei wei­te­ren Mit­glie­dern (§ 383 Abs. 1 Satz 2 SGB III). An die­se orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­chen Bestim­mun­gen knüpft die per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­che Son­der­re­ge­lung in § 88 Nr. 2 Satz 1 Halbs. 2 und Satz 2 BPers­VG an. Danach han­delt für die Agen­tur für Arbeit die Geschäfts­füh­rung, wel­che sich durch eines oder meh­re­re ihrer Mit­glie­der ver­tre­ten las­sen kann. Dar­aus ergibt sich, dass in den Fäl­len, in denen die Agen­tur für Arbeit von einem kol­lek­ti­ven Organ – der Geschäfts­füh­rung – gelei­tet wird, letz­te­re die Dienst­stel­len­lei­te­rin ist. Dar­an ändert sich nichts, wenn die Geschäfts­füh­rung sich durch eines sei­ner Mit­glie­der ver­tre­ten lässt. Dafür dass § 88 Nr. 2 Satz 2 BPers­VG nicht nur zur Ver­tre­tung, son­dern zur Dele­ga­ti­on der Dienst­stel­len­lei­ter­funk­ti­on ermäch­tigt, lie­fern Wort­laut und Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Vor­schrift kei­nen Anhalt 1.

Die Geschäfts­füh­rung einer Agen­tur für Arbeit kann ihren Vor­sit­zen­den bevoll­mäch­ti­gen, sie in allen per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten zu ver­tre­ten. Von einer der­ar­ti­gen min­des­tens kon­klu­den­ten Bevoll­mäch­ti­gung ist aus­zu­ge­hen, wenn sich die Geschäfts­füh­rung dar­auf im Rah­men der inter­nen Auf­ga­ben­ver­tei­lung ver­stän­digt 2. Die nöti­ge Trans­pa­renz im Sin­ne von § 164 Abs. 2 BGB wird dadurch her­ge­stellt, dass das vor­sit­zen­de Mit­glied der Geschäfts­füh­rung als stän­di­ger Ansprech­part­ner des Per­so­nal­rats auf­tritt. Für die­sen sind die Zusam­men­hän­ge ohne Wei­te­res ersicht­lich; die gesetz­li­che Rege­lung in § 88 Nr. 2 BPers­VG ist den Per­so­nal­rä­ten im Geschäfts­be­reich der Bun­des­agen­tur für Arbeit eben­so geläu­fig wie den Dienst­stel­len­lei­tun­gen.

Die Befug­nis des Vor­sit­zen­den zur Ver­tre­tung der Geschäfts­füh­rung in per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten umfasst die Wahl­an­fech­tungs­be­rech­ti­gung des Dienst­stel­len­lei­ters nach § 25 BPers­VG. Einer dahin­ge­hen­den Schrift­form bedarf die Voll­mach­ter­tei­lung nicht (§ 167 Abs. 2 BGB). Eben­so wenig gel­ten hier die Grund­sät­ze für das Auf­lö­sungs­be­geh­ren des öffent­li­chen Arbeit­ge­bers nach § 9 Abs. 4 BPers­VG. Die­ser muss die Bevoll­mäch­ti­gung durch Vor­la­ge der Voll­macht inner­halb der zwei­wö­chi­gen Antrags­frist nach­wei­sen. Dafür sind spe­zi­el­le Schutz­er­wä­gun­gen zuguns­ten Aus­zu­bil­den­der in per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Funk­tio­nen maß­geb­lich, mit denen nach § 9 Abs. 2 und 3 BPers­VG ein gesetz­li­ches Arbeits­ver­hält­nis begrün­det wur­de 3. Eines ver­gleich­ba­ren Schut­zes bedür­fen die Per­so­nal­rä­te bei den Agen­tu­ren für Arbeit nicht, wenn das vor­sit­zen­de Mit­glied der Geschäfts­füh­rung, wel­ches schon bis­her ihr stän­di­ger Ver­hand­lungs- und Gesprächs­part­ner war, in Aus­übung sei­ner Ver­tre­tungs­be­fug­nis nach § 88 Nr. 2 Satz 2 BPers­VG ein Wahl­an­fech­tungs­ver­fah­ren ein­lei­tet.

Nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len 4 ent­spricht es der stän­di­gen Pra­xis in den Agen­tu­ren für Arbeit, dass das vor­sit­zen­de Mit­glied der Geschäfts­füh­rung Ansprech­part­ner für den Per­so­nal­rat ist und die Betei­li­gungs­ver­fah­ren ein­lei­tet und dass dies im Ein­klang mit der all­ge­mei­nen Auf­ga­ben­ver­tei­lung zwi­schen den ein­zel­nen Mit­glie­dern der Geschäfts­füh­rung steht. Dies ist deckungs­gleich mit der Erfah­rung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts aus zahl­rei­chen bei ihm anhän­gig gewe­se­nen per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren, in denen das vor­sit­zen­de Mit­glied der Geschäfts­füh­rung stets in der Funk­ti­on des Dienst­stel­len­lei­ters auf­ge­tre­ten ist, ohne dass dies jemals vom Per­so­nal­rat unter Hin­weis auf feh­len­de Ver­tre­tungs­macht bean­stan­det wor­den wäre. Das ist fol­ge­rich­tig, weil den Per­so­nal­rä­ten im Geschäfts­be­reich der Bun­des­agen­tur für Arbeit bewusst ist, dass das vor­sit­zen­de Mit­glied im Rah­men der Rege­lung des § 88 Nr. 2 BPers­VG han­delt. Vor die­sem Hin­ter­grund hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die Antrags­schrift in der Wei­se ver­stan­den, dass die Wahl­an­fech­tung vom vor­sit­zen­den Mit­glied in Ver­tre­tung für die Geschäfts­füh­rung erklärt wor­den ist. Dabei hat es sich von den in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts aner­kann­ten Grund­sät­zen für die Aus­le­gung von Antrags­schrif­ten in per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren lei­ten las­sen 5.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 11. Okto­ber 2013 – 6 PB 27.13

  1. vgl. BT-Drs. 15/​1515 S. 123 zu Art. 17; Alt­va­ter, in: Altvater/​Baden/​Kröll/​Lemke/​Peiseler, Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz, 7. Aufl.2011, § 88 Rn. 49; Schlat­mann, in: Lorenzen/​Etzel/​Gerhold/​Schlatmann/​Rehak/​Faber, Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz, § 88 Rn. 32d, 33a und 46a; Fischer/​Goeres/​Gronimus, in: GKÖD Bd. V, K § 88 Rn. 10[]
  2. vgl. Schlat­mann, a.a.O. § 88 Rn. 49a; Alt­va­ter, a.a.O. § 88 Rn. 54; Fischer/​Goeres/​Gronimus, a.a.O. K § 88 Rn. 13; Som­mer, in: Ilbertz/​Widmaier/​Sommer, Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz, 12. Aufl.2012, § 88 Rn. 7; Kers­ten, in: Richardi/​Dörner/​Weber, Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht, 4. Aufl.2012, § 88 Rn. 5[]
  3. vgl. im Ein­zel­nen BVerwG, Beschlüs­se vom 01.12.2003 – 6 P 11.03, BVerw­GE 119, 270, 274 ff. = Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 23 S. 26 ff., vom 18.08.2010 – 6 P 15.09, BVerw­GE 137, 346 Rn. 36 = Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 41, vom 21.02.2011 – 6 P 12.10, BVerw­GE 139, 29 Rn. 27 und 38 = Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 42 sowie vom 03.06.2011 – 6 PB 1.11PersR 2011, 390[]
  4. OVG NRW, Beschluss vom 13.06.2013 – 20 A 219/​13.PVB[]
  5. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 28.07.2006 – 6 PB 9.06, Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 27 Rn. 9; und vom 23.07.2008 – 6 PB 13.08, Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 32 Rn. 5[]