Kei­ne Null­run­de bei der Beam­ten­be­sol­dung in Nord­rhein-West­fa­len

Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter hat die "Null­run­de" bei den Dienst- und Ver­sor­gungs­be­zü­gen der Beam­ten, Rich­tern und Ver­sor­gungs­emp­fän­gern im Dienst des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len in den Besol­dungs­grup­pen ab A11 sowie den Besol­dungs­ord­nun­gen B, C, H, R und W für ver­fas­sungs­wid­rig erklärt.

Kei­ne Null­run­de bei der Beam­ten­be­sol­dung in Nord­rhein-West­fa­len

Das Gesetz zur Anpas­sung der Dienst- und Ver­sor­gungs­be­zü­ge 2013/​2014 sowie zur Ände­rung wei­te­rer dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten im Land Nord­rhein-West­fa­len vom 16. Juli 2013 ist nach der Ent­schei­dung des nord­rhein-west­fä­li­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs teil­wei­se ver­fas­sungs­wid­rig: Es ver­stößt gegen das in der Lan­des­ver­fas­sung eben­so wie im Grund­ge­setz garan­tier­te Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip, soweit die Besol­dungs­grup­pen ab A 11 betrof­fen sind. Die­ses Urteil betrifft sowohl akti­ve als auch im Ruhe­stand befind­li­che Beam­te und Rich­ter, ins­ge­samt etwa 80 % der Amts­trä­ger des Lan­des.

Betrof­fen sind alle Beam­ten ab Besol­dungs­grup­pe A 11 sowie Rich­ter und damit etwa 80 % der Amts­trä­ger des Lan­des. Die Vor­schrif­ten beschrän­ken sich nicht auf Spit­zen­äm­ter, son­dern erstre­cken sich auf sämt­li­che Ämter des höhe­ren Diens­tes und mit den Besol­dungs­grup­pen A 11 und A 12 auch auf einen Groß­teil der Beam­ten des geho­be­nen Diens­tes. Unter die­se bei­den Besol­dungs­grup­pen fal­len z.B. Haupt­kom­mis­sa­re im Poli­zei­dienst und zahl­rei­che Leh­rer sowie aus dem Bereich der all­ge­mei­nen Ver­wal­tung die Ämter mit den Amts­be­zeich­nun­gen "Amt­mann" und "Amts­rat".

Das Urteil des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs NRW hat nicht zur Fol­ge, dass die Grund­ge­häl­ter rück­wir­kend zum 1. Janu­ar 2013 für alle Beam­ten und Rich­ter um 5, 6 % zu erhö­hen sind. Das Urteil des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs beschränkt sich dar­auf, die bis­he­ri­ge gesetz­li­che Rege­lung für ver­fas­sungs­wid­rig zu erklä­ren. Eine wei­ter­ge­hen­de Ent­schei­dung ist dem Ver­fas­sungs­ge­richts­hof auf­grund des Grund­sat­zes der Gewal­ten­tei­lung unter­sagt und obliegt allein dem Gesetz­ge­ber. Die­ser hat in einem Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren nach Prü­fung der maß­geb­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben erneut über die Anpas­sung der Bezü­ge zu ent­schei­den.

Abs. 5 GG ist über Art. 4 Abs. 1 LV NRW Bestand­teil der Lan­des­ver­fas­sung und damit unmit­tel­bar gel­ten­des Lan­des­recht. Nach dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip muss der Gesetz­ge­ber die Bezü­ge der Beam­ten, Rich­ter und Ver­sor­gungs­emp­fän­ger anhand einer Gegen­über­stel­lung mit bestimm­ten Ver­gleichs­grup­pen inner­halb und außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes fest­set­zen.

Der Gesetz­ge­ber ist grund­sätz­lich ver­pflich­tet, die Bezü­ge der Beam­ten, Rich­ter und Ver­sor­gungs­emp­fän­ger an eine posi­ti­ve Ent­wick­lung der wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se anzu­pas­sen. Der Gesetz­ge­ber darf die Bezü­ge kür­zen oder mit einer Anpas­sung hin­ter der Ent­wick­lung der wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se zurück­blei­ben, um eine Übera­li­men­ta­ti­on abzu­bau­en. Dies ist jedoch nur dann statt­haft, wenn die Bezü­ge nicht bereits an der unte­ren Gren­ze einer amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on lie­gen.

Hält der Gesetz­ge­ber für die Besol­dungs­grup­pen A 2 bis A 10 eine Erhö­hung der Besol­dung von 5, 6 % zur Siche­rung einer amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on für sach­ge­recht, dann darf er ohne sach­li­chen Grund die Erhö­hung der Grund­ge­halts­sät­ze für die Besol­dungs­grup­pen A 11 und A 12 nicht auf 2 % beschrän­ken und jeden­falls nicht schon ab Besol­dungs­grup­pe A 13 auf jede Erhö­hung der Grund­ge­halts­sät­ze ver­zich­ten.

Die Ent­schei­dung des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs NRW[↑]

Arti­kel 1 §§ 2 Absatz 1 und 3 Absatz 1 Satz 1 des Geset­zes zur Anpas­sung der Dienst- und Ver­sor­gungs­be­zü­ge 2013/​2014 sowie zur Ände­rung wei­te­rer dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten im Land Nord­rhein-West­fa­len vom 16.07.20131 ist mit Arti­kel 4 Absatz 1 der Lan­des­ver­fas­sung Nord­rhein-West­fa­len in Ver­bin­dung mit Arti­kel 33 Absatz 5 GG unver­ein­bar, soweit die Bezü­ge der Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­emp­fän­ger der Besol­dungs­grup­pen A 11 bis A 16 sowie der Besol­dungs­ord­nun­gen B, C, H, R und W betrof­fen sind.

Mit den auf Antrag von 92 Abge­ord­ne­ten des nord­rhein-west­fä­li­schen Land­tags über­prüf­ten gesetz­li­chen Vor­schrif­ten hat der Gesetz­ge­ber die Grund­ge­häl­ter der Beam­ten und Rich­ter, die den bei wei­tem größ­ten Teil ihres Ein­kom­mens aus­ma­chen, gestaf­felt nach Besol­dungs­grup­pen erhöht. Die Grund­ge­häl­ter der Besol­dungs­grup­pen A 2 bis A 10 sind ent­spre­chend dem Ergeb­nis der Tarif­ver­hand­lun­gen für die Arbeit­neh­mer im öffent­li­chen Dienst für die Jah­re 2013 und 2014 um ins­ge­samt 5, 6 % ange­ho­ben wor­den. Für die Besol­dungs­grup­pen A 11 und A 12 beträgt die Erhö­hung der Grund­ge­häl­ter ins­ge­samt 2 %, für alle ande­ren Beam­ten und die Rich­ter ist kei­ne Erhö­hung vor­ge­se­hen.

Die mit der gestaf­fel­ten Anpas­sung der Bezü­ge ver­bun­de­ne Ungleich­be­hand­lung von Ange­hö­ri­gen der Besol­dungs­grup­pen A 2 bis A 10 einer­seits und Ange­hö­ri­gen der übri­gen Besol­dungs­grup­pen ande­rer­seits ver­stößt nach Ansicht des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs NRW evi­dent gegen das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip. Da der Gesetz­ge­ber für die Besol­dungs­grup­pen A 2 bis A 10 eine Erhö­hung der Besol­dung um 5, 6 % für sach­ge­recht gehal­ten hat, hät­te er die Erhö­hung der Grund­ge­halts­sät­ze für die Besol­dungs­grup­pen A 11 und A 12 nicht auf 2 % beschrän­ken und jeden­falls nicht schon ab Besol­dungs­grup­pe A 13 auf jede Erhö­hung ver­zich­ten dür­fen.

Grund­sätz­lich ist der Gesetz­ge­ber ver­pflich­tet, die Bezü­ge der Beam­ten und Rich­ter an eine posi­ti­ve Ent­wick­lung der wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se anzu­pas­sen. Auf­grund sei­nes wei­ten Gestal­tungs­spiel­raums ist er aber nicht gehal­ten, die Tarif­ab­schlüs­se für die Arbeit­neh­mer im öffent­li­chen Dienst spie­gel­bild­lich auf die Bezü­ge der Beam­ten und Rich­ter zu über­tra­gen; auch muss er nicht die Bezü­ge für alle Beam­ten und Rich­ter in glei­chem Umfang erhö­hen. Aller­dings ist er nicht befugt, eine zeit­lich unbe­fris­te­te gestaf­fel­te Anpas­sung mit Sprün­gen zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen in dem vor­lie­gen­den Aus­maß vor­zu­neh­men.

Ein sach­li­cher Grund für die­se Sprün­ge liegt nach Über­zeu­gung des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs nicht vor. Er ist auch nicht etwa dar­in zu fin­den, dass der Gesetz­ge­ber eine Übera­li­men­ta­ti­on habe abbau­en wol­len. Zu die­sem Zweck darf der Gesetz­ge­ber die Bezü­ge zwar kür­zen oder mit einer Anpas­sung hin­ter der Ent­wick­lung der wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se zurück­blei­ben. Der Geset­zes­be­grün­dung lässt sich jedoch nicht ent­neh­men, dass eine Übera­li­men­ta­ti­on der Beam­ten ab Besol­dungs­grup­pe A 11 sowie der Rich­ter ange­nom­men wor­den sei.

Auch kann, so der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof wei­ter, der Gesetz­ge­ber die deut­lich gerin­ge­re oder gar voll­stän­dig aus­ge­blie­be­ne Anpas­sung der Bezü­ge nicht mit den unter­schied­li­chen Aus­wir­kun­gen einer all­ge­mei­nen Teue­rung recht­fer­ti­gen. Es ist nicht ersicht­lich, dass die Sprün­ge zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen dem Aus­maß der jewei­li­gen Belas­tung ent­sprä­chen. Zwar ist der Gesetz­ge­ber auch befugt, die Haus­halts­la­ge und die Vor­wir­kun­gen der "Schul­den­brem­se" bei der Fest­set­zung der Bezü­ge zu berück­sich­ti­gen. Dies ent­bin­det ihn jedoch nicht von der Beach­tung des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips.

Ob die über­prüf­ten gesetz­li­chen Bestim­mun­gen aus wei­te­ren Grün­den ver­fas­sungs­wid­rig sind, hat der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof nicht abschlie­ßend unter­sucht.

Das Gesetz zur Anpas­sung der Dienst- und Ver­sor­gungs­be­zü­ge[↑]

Mit Gesetz zur Anpas­sung der Dienst- und Ver­sor­gungs­be­zü­ge 2013/​2014 sowie zur Ände­rung wei­te­rer dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten im Land Nord­rhein-West­fa­len vom 16.07.2013 hat der Gesetz­ge­ber die Bezü­ge der Beam­ten, Rich­ter und Ver­sor­gungs­emp­fän­ger neu fest­ge­setzt. Art. 1 § 2 und § 3 Abs. 1 die­ses Geset­zes lau­ten:

§ 2 Anpas­sung der Besol­dung in den Jah­ren 2013 und 2014

Die Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­ord­nung A sowie die Bemes­sungs­grund­la­gen der Zula­gen, Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen und ande­rer Bezü­ge nach Arti­kel 14 § 5 des Reform­ge­set­zes vom 24.02.19972 wer­den für die Beam­tin­nen und Beam­ten

  1. der Besol­dungs­grup­pen A 2 bis A 10 ab 1.01.2013 um 2, 65 Pro­zent und ab 1.01.2014 um 2, 95 Pro­zent,
  2. der Besol­dungs­grup­pen A 11 und A 12 ab 1.01.2013 und ab 1.01.2014 um jeweils 1 Pro­zent erhöht.

Für die Beam­tin­nen, Beam­ten, Rich­te­rin­nen und Rich­ter wer­den fol­gen­de Bezü­ge wie folgt erhöht:

  1. ab 1.01.2013 um 2, 65 Pro­zent und ab 1.01.2014 um 2, 95 Pro­zent
    1. der Fami­li­en­zu­schlag,
    2. der Anrech­nungs­be­trag nach § 4 des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 17.02.20053,
    3. die Amts­zu­la­gen, die all­ge­mei­ne Stel­len­zu­la­ge nach Vor­be­mer­kung Num­mer 27 der Bun­des­be­sol­dungs­ord­nun­gen A und B des Über­ge­lei­te­ten Besol­dungs­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len4 sowie die all­ge­mei­ne Stel­len­zu­la­ge nach Vor­be­mer­kung Num­mer 2 b der wei­ter gel­ten­den Besol­dungs­ord­nung C,
    4. die Beträ­ge nach § 4 der Mehr­ar­beits­ver­gü­tungs­ver­ord­nung in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 03.12 19985,
    5. die Beträ­ge nach § 4 Absatz 1 Num­mer 1 und § 17 der Erschwer­nis­zu­la­gen­ver­ord­nung in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung

      vom 03.12 19986,

  2. ab 1.01.2013 um 50 Euro und ab 1.01.2014 um 2, 95 Pro­zent die Anwär­ter­grund­be­trä­ge und die Unter­halts­bei­hil­fen,
  3. ab 1.01.2013 um 2, 25 Pro­zent und ab 1.01.2014 um 2, 51 Pro­zent der Aus­lands­zu­schlag und der Aus­lands­kin­der­zu­schlag.

Die sich bei der Berech­nung der erhöh­ten Beträ­ge erge­ben­den Bruch­tei­le eines Cents sind hin­sicht­lich der Beträ­ge des Fami­li­en­zu­schlags der Stu­fe 1 auf den nächs­ten durch zwei teil­ba­ren Cent­be­trag auf­zu­run­den und im Übri­gen kauf­män­nisch zu run­den.

§ 3 – Anpas­sung der Ver­sor­gung in den Jah­ren 2013 und 2014

Für die Ver­sor­gungs­emp­fän­ge­rin­nen und Ver­sor­gungs­emp­fän­ger gel­ten die Erhö­hun­gen nach § 2 für die dort auf­ge­führ­ten Besol­dungs­be­stand­tei­le ent­spre­chend, sofern die­se Grund­la­ge der Ver­sor­gung sind. Bei Ver­sor­gungs­be­zü­gen, denen Grund­ge­halts­sät­ze der weg­ge­fal­le­nen Besol­dungs­grup­pe A 1 zu Grun­de lie­gen, wer­den die Grund­ge­halts­sät­ze nach den in § 2 Absatz 1 Num­mer 1 genann­ten Sät­zen erhöht. Im Übri­gen gilt Satz 1 für die Emp­fän­ge­rin­nen und Emp­fän­ger von Ver­sor­gungs­be­zü­gen der weg­ge­fal­le­nen Besol­dungs­grup­pe A 1 ent­spre­chend.

Im Gesetz­ent­wurf der Lan­des­re­gie­rung vom 07.05.20137 wird die gestaf­fel­te Über­nah­me des Tarif­er­geb­nis­ses wie folgt begrün­det:

"Der Abwä­gungs­pro­zess hat einer­seits die im Grund­ge­setz fest­ge­leg­te und auch für das Land ver­bind­li­che Rege­lung zur Schul­den­brem­se und ande­rer­seits die zur Ali­men­ta­ti­on der Beam­tin­nen und Beam­ten, Rich­te­rin­nen und Rich­ter sowie Ver­sor­gungs­emp­fän­ge­rin­nen und Ver­sor­gungs­emp­fän­ger ent­wi­ckel­ten her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums in einen für eine weit­ge­hen­de Ver­wirk­li­chung bei­der For­de­run­gen des Grund­ge­set­zes mög­lichst scho­nen­den Aus­gleich zu brin­gen. Da die Per­so­nal­aus­ga­ben den mit Abstand größ­ten Aus­ga­ben­block des Lan­des­haus­halts dar­stel­len, muss­ten sie in eine nach­hal­ti­ge und ver­ant­wor­tungs­vol­le Haus­halts­kon­so­li­die­rung ein­be­zo­gen wer­den. Eine wir­kungs- und zeit­glei­che Über­tra­gung des Tarif­er­geb­nis­ses auf alle Beam­tin­nen, Beam­te, Rich­te­rin­nen, Rich­ter, Ver­sor­gungs­emp­fän­ge­rin- nen und Ver­sor­gungs­emp­fän­ger wäre unaus­weich­lich mit einem erheb­li­chen Per­so­nal­ab­bau und dar­über hin­aus mit län­ge­ren Arbeits­zei­ten, Beför­de­rungs­stopps oder einer wei­te­ren Kür­zung der Son­der­zah­lung ("Weih­nachts­geld") ver­bun­den gewe­sen. Eine zeit­lich ver­zö­ger­te Über­tra­gung des Tarif­er­geb­nis­ses hät­te ledig­lich eine ein­ma­li­ge, nicht jedoch eine auf Dau­er gerich­te­te Haus­halts­ent­las­tung zur Fol­ge. Eine auch denk­ba­re gekürz­te Über­nah­me des Tarif­er­geb­nis­ses auf den gesam­ten Beam­ten­be­reich hät­te die Bezie­her unte­rer Ein­kom­men stär­ker getrof­fen als die übri­ge Beam­ten- und Rich­ter­schaft.

Nach Über­zeu­gung des Lan­des­ge­setz­ge­bers erfüllt die Maß­nah­me das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip, wonach den Beam­tin­nen, Beam­ten, Rich­te­rin­nen, Rich­tern, Ver­sor­gungs­emp­fän­ge­rin­nen und Versorgungsempfängern8 ein ihrem Dienst­rang und ihrer Ver­ant­wor­tung ent­spre­chen­der und der Bedeu­tung des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit ange­mes­se­ner Lebens­un­ter­halt ent­spre­chend der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards zu gewäh­ren ist. Die Sys­te­ma­tik der amts­an­ge­mes­se­nen Besol­dungs­un­ter­schie­de wird durch die geplan­te ein­ma­li­ge Nicht­an­he­bung der Bezü­ge der obe­ren Besol­dungs­grup­pen nicht berührt, der Grund­satz einer dem Dienst­rang und der Ver­ant­wor­tung ent­spre­chen­den amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on qua­li­ta­tiv wei­ter­hin gewahrt. Es wird wei­ter­hin ein amts­an­ge­mes­se­ner Abstand zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen gewahrt. …

Mit der gestaf­fel­ten Umset­zung des Tarif­ab­schlus­ses wird ins­be­son­de­re all­ge­mei­nen Preis­stei­ge­run­gen Rech­nung getra­gen, von denen die unte­ren Besol­dungs­grup­pen bezo­gen auf ihre Besol­dung und Ver­sor­gung deut­lich stär­ker betrof­fen sind als die übri­gen Besol­dungs­grup­pen."

Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip[↑]

Abs. 5 GG ist gemäß Art. 4 Abs. 1 LV NRW Bestand­teil der Lan­des­ver­fas­sung und damit unmit­tel­bar gel­ten­des Lan­des­recht, Art. 1 § 2 Abs. 1 sowie § 3 Abs. 1 Satz 1 des Geset­zes zur Anpas­sung der Dienst- und Ver­sor­gungs­be­zü­ge sowie zur Ände­rung wei­te­rer dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten im Land Nord­rhein-West­fa­len vom 16.07.2013 sind – in dem beschrie­be­nen Umfang – nicht mit Art. 4 Abs. 1 LV NRW i.V.m. Art. 33 Abs. 5 GG ver­ein­bar. Ob und ggf. inwie­weit die Bezü­ge der Beam­ten und Rich­ter vom Schutz­be­reich des Art. 4 Abs. 1 LV NRW i.V.m. Art. 14 Abs. 1 GG erfasst wer­den8, bedarf kei­ner wei­te­ren Ver­tie­fung; jeden­falls geht Art. 33 Abs. 5 GG Art. 14 Abs. 1 GG als lex spe­cia­lis vor9.

Die zur Über­prü­fung gestell­ten gesetz­li­chen Bestim­mun­gen sind an Art. 33 Abs. 5 GG zu mes­sen. Die­se Vor­schrift ist auf­grund der Rezep­ti­ons­norm des Art. 4 Abs. 1 LV NRW Bestand­teil der Lan­des­ver­fas­sung und unmit­tel­bar gel­ten­des Lan­des­recht. Die Rezep­ti­on von Art. 33 Abs. 5 GG über Art. 4 Abs. 1 LV NRW hält sich im Rah­men der Vor­ga­ben in Art. 142, 31 GG, wonach die Grund­rech­te und grund­rechts­glei­chen Rech­te der Lan­des­ver­fas­sun­gen nur inso­weit in Kraft blei­ben, als sie in Über­ein­stim­mung mit den ent­spre­chen­den Bestim­mun­gen des Grund­ge­set­zes ste­hen10.

Grund­rech­te und Lan­des­ver­fas­sung[↑]

Der Begriff "Grund­rech­te" in Art. 4 Abs. 1 LV NRW ist als Lan­des­ver­fas­sungs­recht auto­nom aus­zu­le­gen11 und erfasst wie Art. 142 GG12 nicht nur die in Art. 1 bis 18 bzw.19 GG auf­ge­führ­ten Grund­rech­te, son­dern auch ver­gleich­ba­re sub­jek­tiv-öffent­li­che Rech­te, die an ande­rer Stel­le im Grund­ge­setz gewähr­leis­tet sind13. Zu die­sen ver­gleich­ba­ren Rech­ten gehö­ren jeden­falls die in Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG auf­ge­führ­ten grund­rechts­glei­chen Rech­te14.

Der Wort­laut des Art. 4 Abs. 1 LV NRW steht die­sem Begriffs­ver­ständ­nis nicht ent­ge­gen. Die Norm dif­fe­ren­ziert nicht zwi­schen den im Grund­ge­setz unter der Über­schrift "Die Grund­rech­te" zusam­men­ge­fass­ten Rech­ten (Art. 1 bis 19 GG) und an ande­rer Stel­le im Grund­ge­setz gewähr­leis­te­ten ver­gleich­ba­ren Rech­ten. Den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en lässt sich nicht ent­neh­men, dass die Über­nah­me im Grund­ge­setz gewähr­leis­te­ter sub­jek­tiv-öffent­li­cher Rech­te in die Lan­des­ver­fas­sung auf die von Art. 1 bis 19 GG erfass­ten Rech­te begrenzt und alle ande­ren oder ein­zel­ne die­ser Gewähr­leis­tun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den soll­ten. Der Stand­ort einer Rege­lung inner­halb des Grund­ge­set­zes rich­tet sich in ers­ter Linie an sys­te­ma­ti­schen Erwä­gun­gen, ins­be­son­de­re dem Zusam­men­hang mit ande­ren Rege­lun­gen, aus, und trifft wie Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG deut­lich macht kei­ne Aus­sa­ge zu deren Rechts­qua­li­tät. Es ent­spricht viel­mehr der grund­rechts­freund­li­chen Ten­denz des nord­rhein-west­fä­li­schen Ver­fas­sungs­ge­bers, den ihm durch Art. 142 GG eröff­ne­ten Rah­men voll­um­fäng­lich aus­zu­schöp­fen15.

Zudem wird allein ein wei­tes Ver­ständ­nis des Begriffs "Grund­rech­te" in Art. 4 Abs. 1 LV NRW dem Zweck die­ser Norm gerecht, ein höchst­mög­li­ches Maß an inhalt­li­cher Über­ein­stim­mung zwi­schen den grund­rechts­be­zo­ge­nen Rege­lun­gen des Bun­desund Lan­des­ver­fas­sungs­rechts zu gewähr­leis­ten und ent­spre­chen­de Norm­kon­flik­te aus­zu­schlie­ßen16.

Rezi­piert Art. 4 Abs. 1 LV NRW dem­nach nicht nur die im Grund­rechts­ka­ta­log der Art. 1 bis 19 GG ent­hal­te­nen Grund­rech­te, son­dern ins­be­son­de­re auch die in Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG auf­ge­führ­ten grund­rechts­glei­chen Rech­te, ist auch Art. 33 Abs. 5 GG über Art. 4 Abs. 1 LV NRW unmit­tel­bar gel­ten­des Lan­des­recht17. Art. 33 Abs. 5 GG gewährt nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein grund­rechts­glei­ches Indi­vi­du­al­recht18; die­ser Recht­spre­chung und deren über­zeu­gen­der Begrün­dung19 schließt sich der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof an.

Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Art. 80 LV NRW führt zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis. Zwar blie­ben Bestre­bun­gen, den heu­ti­gen Art. 80 LV NRW um eine Art. 33 Abs. 5 GG ent­spre­chen­de Rege­lung zu ergän­zen, ohne Erfolg. Sowohl ent­spre­chen­de Vor­schlä­ge des dama­li­gen Jus­tiz­mi­nis­ters und des Deut­schen Beam­ten­bunds als auch ein spä­te­rer Ände­rungs­an­trag der FDP-Frak­ti­on20 wur­den mit der Begrün­dung der Ver­mei­dung einer unnö­ti­gen Dop­pel­re­ge­lung abge­lehnt21. Jedoch steht die­se Erwä­gung der Annah­me einer Rezep­ti­on des Art. 33 Abs. 5 GG über Art. 4 Abs. 1 LV NRW nicht ent­ge­gen. Der Ver­fas­sungs­ge­ber hat die sub­jek­tiv-recht­li­che Qua­li­tät des Art. 33 Abs. 5 GG zutref­fend erkannt22. Nur bei einer Rezep­ti­on auch des Art. 33 Abs. 5 GG wird dem vor­ste­hend dar­ge­leg­ten Zweck des Art. 4 Abs. 1 LV NRW Rech­nung getra­gen, ein höchst­mög­li­ches Maß31 an inhalt­li­cher Über­ein­stim­mung zwi­schen den grund­rechts­be­zo­ge­nen Rege­lun­gen des Bun­desund Lan­des­ver­fas­sungs­rechts zu gewähr­leis­ten.

Aus der von Lan­des­re­gie­rung und Land­tag in Bezug genom­me­nen Ent­schei­dung des Nie­der­säch­si­schen Staats­ge­richts­hofs vom 08.05.199623 ergibt sich nichts ande­res. Die­se Ent­schei­dung stützt sich dar­auf, dass der nie­der­säch­si­sche Ver­fas­sungs­ge­ber eine Art. 33 Abs. 5 GG ent­spre­chen­de Rege­lung der Vor­läu­fi­gen Nie­der­säch­si­schen Ver­fas­sung (Art. 46 Abs. 2) anläss­lich des Erlas­ses der neu­en Nie­der­säch­si­schen Ver­fas­sung gestri­chen hat. Hier­mit ist der Ver­lauf der Ent­ste­hung der nord­rhein-west­fä­li­schen Lan­des­ver­fas­sung nicht ver­gleich­bar.

Die Fra­ge, ob Art. 33 Abs. 5 GG auch in sei­ner heu­ti­gen Fas­sung durch Art. 4 Abs. 1 LV NRW rezi­piert ist, kann dahin­ste­hen. Die mit Gesetz vom 28.08.200624 in Art. 33 Abs. 5 GG ein­ge­füg­te "Fort­ent­wick­lungs­klau­sel" lässt die zwin­gen­den Vor­ga­ben des Art. 33 Abs. 5 GG für die gesetz­ge­be­ri­sche Aus­ge­stal­tung des Beam­ten­rechts unver­än­dert. Fort­ent­wi­ckelt wer­den darf nur das ein­fach­ge­setz­li­che Beam­ten­recht, nicht aber die den Gesetz­ge­ber bin­den­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben in Gestalt der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums25.

Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip als her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums[↑]

Zu den durch Art. 4 Abs. 1 LV NRW i.V.m. Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­te­ten her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums, die des­sen Bild maß­geb­lich prä­gen und die der Gesetz­ge­ber ange­sichts ihres grund­le­gen­den und struk­tur­prä­gen­den Cha­rak­ters nicht nur berück­sich­ti­gen muss, son­dern zu beach­ten hat, gehört auch das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip26.

Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ver­pflich­tet den Dienst­herrn, Beam­ten und Rich­tern und deren Fami­li­en lebens­lang, also auch nach Ein­tritt in den Ruhe­stand, ent­spre­chend der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu gewäh­ren27. Es steht im Zusam­men­hang mit der Befug­nis des Gesetz­ge­bers, die Höhe der Bezü­ge ein­sei­tig durch Gesetz fest­zu­set­zen28; ihm kommt auch die Funk­ti­on zu, einen Aus­gleich für das Beam­ten und Rich­tern ver­sag­te Streik­recht zu schaf­fen29. Die Bemes­sung der Bezü­ge rich­tet sich nach fol­gen­den Kri­te­ri­en:

Die Bezü­ge der Beam­ten und Rich­ter bemes­sen sich nach ihrem Dienst­rang, nach der mit ihrem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und Bean­spru­chung sowie nach der von ihnen gefor­der­ten Aus­bil­dung. Zudem hat der Gesetz­ge­ber die Bedeu­tung des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit, das Anse­hen des Amts in den Augen der Gesell­schaft und die Attrak­ti­vi­tät des Dienst­ver­hält­nis­ses für über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te zu berück­sich­ti­gen30. Der Gesetz­ge­ber hat die Bezü­ge so zu bemes­sen, dass sie nicht nur die Grund­be­dürf­nis­se (Nah­rung, Klei­dung und Unter­kunft) abde­cken, son­dern auch ein "Mini­mum an Lebens­kom­fort" ermög­li­chen31.

Dem­entspre­chend sind amts­an­ge­mes­se­ne Bezü­ge für Beam­te und Rich­ter etwas ande­res und ein­deu­ti­ge­res als staat­li­che Hil­fe zur Erhal­tung eines Min­dest­ma­ßes sozia­ler Siche­rung32. Hier­aus folgt, dass der Gesetz­ge­ber für die unters­te Besol­dungs­grup­pe, für die Plan­stel­len aus­ge­wie­sen sind, einen Min­dest­ab­stand zur Sozi­al­hil­fe ein­zu­hal­ten hat33. Hin­sicht­lich aller ande­ren Besol­dungs­grup­pen wird die Ein­hal­tung die­ses Min­dest­ab­stands dadurch gewahrt, dass deren Bezü­ge die­je­ni­gen für die unters­te Besol­dungs­grup­pe in einem dem jewei­li­gen Amt ent­spre­chen­den Maß über­stei­gen müs­sen.

Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip und die Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten des Gesetz­ge­bers[↑]

Der Gesetz­ge­ber muss die Bezü­ge auf­grund einer Gesamt­schau der rele­van­ten Kri­te­ri­en und anhand einer Gegen­über­stel­lung mit jeweils in Betracht kom­men­den Ver­gleichs­grup­pen innerund außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes fest­set­zen. Dies gilt auch bei der kon­ti­nu­ier­li­chen Fort­schrei­bung der Höhe der Bezü­ge über die Jah­re hin­weg34.

Taug­li­che Ver­gleichs­grup­pen sind vor­ran­gig inner­halb des Besol­dungs­sys­tems zu fin­den. Durch die Anknüp­fung der Ali­men­ta­ti­on an inner­dienst­li­che, unmit­tel­bar amts­be­zo­ge­ne Kri­te­ri­en wie den Dienst­rang soll sicher­ge­stellt wer­den, dass die Bezü­ge ent­spre­chend der unter­schied­li­chen Wer­tig­keit der Ämter abge­stuft sind. Dem­entspre­chend bestimmt sich die Amts­an­ge­mes­sen­heit im Ver­hält­nis zur Besol­dung und Ver­sor­gung ande­rer Beam­ten­grup­pen. Ver­glei­che sind nicht nur inner­halb einer Besol­dungs­ord­nung, son­dern auch zwi­schen den ver­schie­de­nen Besol­dungs­ord­nun­gen mög­lich und gebo­ten35.

Der sys­tem­in­ter­ne Ver­gleich ist auch wegen der qua­li­täts­si­chern­den Funk­ti­on der Besol­dung36 durch einen sys­tem­ex­ter­nen Ver­gleich mit den Ein­kom­men der im öffent­li­chen Dienst37 und der in der Pri­vat­wirt­schaft beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer38 zu ergän­zen. Dabei ist auf die Net­to­be­trä­ge abzu­stel­len, also auf das, was sich die Betrof­fe­nen von ihren Bezü­gen bzw. Ein­kom­men tat­säch­lich leis­ten kön­nen39. Aller­dings dür­fen die gegen­über den Bezah­lungs­sys­te­men der Pri­vat­wirt­schaft bestehen­den Beson­der­hei­ten des beam­ten­recht­li­chen Besol­dungs­sys­tems nicht außer Acht gelas­sen wer­den, die auf den Cha­rak­ter des Beam­ten­ver­hält­nis­ses als wech­sel­sei­ti­gem Dienstund Treue­ver­hält­nis zurück­zu­füh­ren sind. Ange­sichts der zwi­schen Staats­dienst und Pri­vat­wirt­schaft bestehen­den Sys­tem­un­ter­schie­de müs­sen die Kon­di­tio­nen (nur) ins­ge­samt ver­gleich­bar sein40.

Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip zwingt den nord­rhein-west­fä­li­schen Gesetz­ge­ber nicht, sich bei der Bemes­sung der Bezü­ge an der Höhe der vom Bund oder ande­ren Bun­des­län­dern gewähr­ten Bezü­ge zu ori­en­tie­ren. Viel­mehr ist eine wei­te­re Aus­ein­an­der­ent­wick­lung der Bezü­ge im Bund und in den Bun­des­län­dern als Aus­fluss der den Bun­des­län­dern durch die Kom­pe­tenz­ord­nung des Grund­ge­set­zes eröff­ne­ten Befug­nis zum Erlass eigen­stän­di­ger Rege­lun­gen hin­zu­neh­men41. Das Gesetz zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes vom 28.08.200642, mit dem die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für die Besol­dung und Ver­sor­gung der Lan­des­be­am­ten und ‑rich­ter (wie­der) auf die Bun­des­län­der über­tra­gen wur­de, hat­te gera­de zum Ziel, den Bun­des­län­dern bis­her nicht vor­han­de­ne Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten bei den Arbeits­und Gehalts­be­din­gun­gen ihrer Beschäf­tig­ten ein­zu­räu­men43. Die­se Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten bestehen aller­dings nur in dem durch Art. 33 Abs. 5 GG gesetz­ten Rah­men.

Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip und das Abstands­ge­bot[↑]

Fer­ner hat der Gesetz­ge­ber bei der Fest­set­zung der Bezü­ge der Beam­ten und Rich­ter zu beach­ten, dass die­se dem Leis­tungs­grund­satz des Art. 33 Abs. 2 GG fol­gend ent­spre­chend der unter­schied­li­chen Wer­tig­keit ihrer Ämter abzu­stu­fen sind (Abstands­ge­bot).

Die Orga­ni­sa­ti­on der öffent­li­chen Ver­wal­tung stellt dar­auf ab, dass die Inha­ber höher besol­de­ter Ämter Leis­tun­gen erbrin­gen, die höhe­re Anfor­de­run­gen an ihre Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten stel­len. Aus die­sem Grund bestimmt sich die Ange­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on maß­geb­lich nach unmit­tel­bar auf das Amt bezo­ge­nen Kri­te­ri­en wie z.B. der mit dem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung oder der Inan­spruch­nah­me des Amts­in­ha­bers sowie den für die Aus­übung des Amts erfor­der­li­chen Kennt­nis­sen und Fähig­kei­ten. Die­se "amts"-angemessene Besol­dung ist not­wen­dig eine abge­stuf­te Besol­dung. Des­halb muss im Hin­blick auf das Leis­tungs­und das Lauf­bahn­prin­zip mit der orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­chen Glie­de­rung der Ämter eine Staf­fe­lung der Bezü­ge ein­her­ge­hen. Amts­an­ge­mes­se­ne Bezü­ge sind daher so zu bemes­sen, dass sie dem Amts­in­ha­ber in der Rea­li­tät eine Lebens­hal­tung ermög­li­chen, die der Bedeu­tung sei­nes jewei­li­gen Amts ent­spricht44. Auch inso­weit ist maß­geb­lich auf das, was sich der Amts­in­ha­ber von sei­nen Bezü­gen leis­ten kann, und damit auf sei­ne Net­to­be­zü­ge abzu­stel­len. Die Abstän­de zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen sind auch nicht abso­lut, d.h. nomi­nal, son­dern rela­tiv, also pro­zen­tu­al, zu bemes­sen, weil ein nomi­nal gleich blei­ben­der Abstand durch die Infla­ti­on an Wert ver­liert und zuneh­mend weni­ger Kauf­kraft ver­mit­telt45.

Das Abstands­ge­bot zwingt den Gesetz­ge­ber weder, einen ein­mal fest­ge­leg­ten Abstand zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen und Lauf­bah­nen bei­zu­be­hal­ten46, noch ver­langt es, dass der Abstand zwi­schen zwei Besol­dungs­grup­pen dem Abstand zwi­schen zwei ande­ren Besol­dungs­grup­pen ent­spricht. Das Besol­dungs­ge­fü­ge muss jedoch in sei­ner Gesamt­heit eine ange­mes­se­ne Ämter­be­wer­tung wider­spie­geln. Das schließt es nicht aus, durch unter­schied­li­che Abstän­de zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen und/​oder Besol­dungs­bzw. Erfah­rungs­stu­fen die Attrak­ti­vi­tät des Beam­ten­ver­hält­nis­ses für über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te zu erhö­hen47 oder ver­gleich­ba­re amts­be­zo­ge­ne Kri­te­ri­en zu berück­sich­ti­gen. Der Gesetz­ge­ber darf die Abstän­de zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen aber nicht ein­eb­nen, son­dern muss stets einen sub­stan­ti­el­len, die unter­schied­li­che Wer­tig­keit der ver­schie­de­nen Ämter zum Aus­druck brin­gen­den Abstand zwi­schen den jewei­li­gen Besol­dungs­grup­pen wah­ren. Die­se Ver­pflich­tung ist ins­be­son­de­re bei nach Besol­dungs­grup­pen gestaf­fel­ten Erhö­hun­gen der Besol­dung im Blick zu behal­ten, da so aus­ge­stal­te­te Erhö­hun­gen zwin­gend zu einer Ver­rin­ge­rung der Abstän­de zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen füh­ren48.

Anpas­sung an die Ent­wick­lung der wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se[↑]

Grund­sätz­lich hat der Gesetz­ge­ber die Bezü­ge der Beam­ten und Rich­ter an die Ent­wick­lung der wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se anzu­pas­sen.

Die amts­an­ge­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on ist ein Maß­stabs­be­griff, der nicht sta­tisch, son­dern ent­spre­chend den jewei­li­gen Ver­hält­nis­sen zu kon­kre­ti­sie­ren ist49. Der Gesetz­ge­ber ist daher grund­sätz­lich ver­pflich­tet, die Bezü­ge an eine posi­ti­ve Ent­wick­lung die­ser Ver­hält­nis­se anzu­pas­sen. Ande­rer­seits ist er berech­tigt, die Bezü­ge im Fal­le einer nega­ti­ven Ent­wick­lung die­ser Ver­hält­nis­se zu kür­zen50. Passt der Gesetz­ge­ber die Bezü­ge der Beam­ten und Rich­ter nicht an eine posi­ti­ve Ent­wick­lung der maß­geb­li­chen Ver­hält­nis­se an oder bleibt er mit einer Anpas­sung hin­ter die­ser Ent­wick­lung zurück, kommt es zwar nicht zu einer nomi­na­len Absen­kung ihrer Bezü­ge, wohl aber zu einer Ver­rin­ge­rung ihres Lebens­stan­dards und damit bezo­gen auf die maß­geb­li­chen Ver­gleichs­grup­pen zu einer (rea­len) Kür­zung ihrer Bezü­ge51.

Als maß­geb­li­che Bestim­mungs­fak­to­ren für die Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se sind ins­be­son­de­re die Ein­kom­men der Arbeit­neh­mer im öffent­li­chen Dienst sowie die Ein­kom­men zu berück­sich­ti­gen, die für ver­gleich­ba­re und auf der Grund­la­ge ver­gleich­ba­rer Aus­bil­dung erbrach­te Tätig­kei­ten außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes erzielt wer­den52.

Aller­dings führt nicht jede noch so gering­fü­gi­ge Abwei­chung von der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit eines Anpas­sungs­ge­set­zes. Wegen des wei­ten Gestal­tungs­spiel­raums des Gesetz­ge­bers ist zum einen die Ent­wick­lung der Ver­hält­nis­se über einen "grö­ße­ren Zeit­raum" maß­geb­lich53; zum ande­ren kommt ein Ver­fas­sungs­ver­stoß erst in Betracht, wenn die Bezü­ge über die­sen Zeit­raum mehr als nur gering­fü­gig54, also greif­bar55, hin­ter der Ent­wick­lung der maß­geb­li­chen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se zurück­blei­ben.

Auf­grund sei­nes gro­ßen Gestal­tungs­spiel­raums ist der Gesetz­ge­ber weder ver­pflich­tet, die Tarif­ab­schlüs­se für die Arbeit­neh­mer des öffent­li­chen Diens­tes spie­gel­bild­lich auf die Bezü­ge der Beam­ten und Rich­ter zu über­tra­gen56, noch muss er die Bezü­ge für alle Beam­ten und Rich­ter glei­cher­ma­ßen anpas­sen. Ins­be­son­de­re darf er die Bezü­ge der akti­ven und der im Ruhe­stand befind­li­chen Beam­ten und Rich­ter unter­schied­lich anpas­sen57. Bei der Bemes­sung der amts­an­ge­mes­se­nen Ver­sor­gung darf er sich an den Ein­kom­mens­ver­hält­nis­sen der Ren­ten­emp­fän­ger ori­en­tie­ren und die Ände­run­gen in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung sys­tem­kon­form auf die Beam­ten­ver­sor­gung über­tra­gen58. Im Rah­men einer typi­sie­ren­den Betrach­tungs­wei­se darf er davon aus­ge­hen, dass der finan­zi­el­le Bedarf der Ruhe­stands­be­am­ten gerin­ger ist als der­je­ni­ge der akti­ven Beam­ten. Aller­dings sind die struk­tu­rel­len Unter­schie­de zwi­schen den ver­schie­de­nen Sys­te­men der Alters­ver­sor­gung zu beach­ten59.

Kei­ne Fort­schrei­bung einer Übera­li­men­ta­ti­on[↑]

Der Gesetz­ge­ber ist nicht ver­pflich­tet, eine Übera­li­men­ta­ti­on, also eine Höhe der Bezü­ge, die gemes­sen an den maß­geb­li­chen Ver­gleichs­grup­pen über das ver­fas­sungs­recht­lich Gebo­te­ne hin­aus­geht, ent­spre­chend einer posi­ti­ven Ent­wick­lung der wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se fort­zu­schrei­ben. Anders als Art. 129 Abs. 1 Satz 3 WRV stellt Art. 33 Abs. 5 GG nicht die "wohl­erwor­be­nen Rech­te" der Beam­ten, son­dern nur einen über­lie­fer­ten Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en der Insti­tu­ti­on des Berufs­be­am­ten­tums unter ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz. Art. 33 Abs. 5 GG garan­tiert also nicht die unver­min­der­te Höhe der Bezü­ge; der Gesetz­ge­ber darf sie kür­zen, wenn dies sach­lich gerecht­fer­tigt ist60. Dem­entspre­chend darf er auch mit einer sol­chen Anpas­sung hin­ter einer posi­ti­ven Ent­wick­lung zurück­blei­ben, um39 die Bezü­ge auf ein ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nes Niveau zurück­zu­füh­ren. Jedoch hat der Gesetz­ge­ber auch hier­bei das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip zu beach­ten, das nicht nur Grund­la­ge, son­dern auch Gren­ze der Gestal­tungs­frei­heit des Gesetz­ge­bers ist. Beam­ten und Rich­tern steht, wenn auch nicht hin­sicht­lich der Höhe und der sons­ti­gen Moda­li­tä­ten, so doch hin­sicht­lich des Kern­be­stands ihres Anspruchs auf amts­an­ge­mes­se­ne Ali­men­tie­rung ein durch ihre Dienst­leis­tung erwor­be­nes Recht zu, das durch Art. 33 Abs. 5 GG eben­so gesi­chert ist wie das Eigen­tum durch Art. 14 GG61. Sowohl eine Kür­zung als auch eine Nicht­an­pas­sung sowie eine hin­ter der Ent­wick­lung der maß­geb­li­chen Ver­hält­nis­se zurück­blei­ben­de Anpas­sung der Bezü­ge sind nur dann statt­haft, wenn die­se nicht bereits an der unte­ren Gren­ze einer amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­tie­rung lie­gen62.

Beam­ten­be­sol­dung und die Finanz­la­ge der öffent­li­chen Haus­hal­te[↑]

Die Finanz­la­ge der öffent­li­chen Haus­hal­te recht­fer­tigt in aller Regel für sich gese­hen kei­ne Kür­zung der Bezü­ge63. Ent­spre­chen­des gilt für eine Nicht­an­pas­sung oder eine hin­ter der Ent­wick­lung der maß­geb­li­chen Ver­hält­nis­se zurück­blei­ben­de Anpas­sung, weil es dabei zu einer (rea­len) Kür­zung der Bezü­ge kommt64. Auch recht­fer­ti­gen fis­ka­li­sche Über­le­gun­gen für sich genom­men in der Regel kei­ne unter­schied­li­che besol­dungs­recht­li­che Behand­lung ver­gleich­ba­rer Per­so­nen­grup­pen. Die Finanz­la­ge der öffent­li­chen Haus­hal­te darf jedoch bei der Fest­set­zung der Besol­dung ergän­zend berück­sich­tigt wer­den65.

Der Gesetz­ge­ber ist ver­pflich­tet, den Lan­des­haus­halt so auf­zu­stel­len, dass im Haus­halts­jahr 2020 die Vor­ga­be aus Art. 109 Abs. 3 Satz 5 GG erfüllt wird (Art. 143d Abs. 1 Satz 4 GG). Die ver­fas­sungs­recht­li­che Pflicht zur Zurückführung40 des struk­tu­rel­len Haus­halts­de­fi­zits ent­bin­det den Gesetz­ge­ber nicht von der in Art. 4 Abs. 1 LV NRW i.V.m. Art. 33 Abs. 5 GG begrün­de­ten Pflicht zur Beach­tung des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips. Er darf aber zur Haus­halts­sa­nie­rung in Aus­übung sei­nes wei­ten Gestal­tungs­spiel­raums die Bezü­ge der Beam­ten und Rich­ter auf die Min­des­ta­li­men­ta­ti­on zurück­füh­ren, die den Kern­ge­halt des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips aus­macht. Die Bestim­mun­gen zur Schul­den­be­gren­zung ermäch­ti­gen den Gesetz­ge­ber nur nicht zu einem Ein­griff in die­sen Kern­ge­halt.

Gesetz­ge­be­ri­scher Ermes­sens­spiel­raum[↑]

Bei der Fest­set­zung amts­an­ge­mes­se­ner Bezü­ge besitzt der Gesetz­ge­ber einen wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum66. Dies gilt zum einen hin­sicht­lich der Höhe der Bezü­ge, die sich der Ver­fas­sung nicht unmit­tel­bar als fes­ter und exakt bezif­fer­ter bzw. bezif­fer­ba­rer Betrag ent­neh­men lässt67. Zum ande­ren ist dem Gesetz­ge­ber auch bei der Fest­le­gung der Abstän­de sowohl zwi­schen den ein­zel­nen Besol­dungs­grup­pen als auch zwi­schen den Besol­dungs­bzw. Erfah­rungs­stu­fen ein wei­ter Gestal­tungs­spiel­raum ein­ge­räumt68. Inso­fern stellt die in Art. 33 Abs. 5 GG ent­hal­te­ne Garan­tie eines "amts­an­ge­mes­se­nen" Unter­halts eine den Gesetz­ge­ber in die Pflicht neh­men­de ver­fas­sungs­recht­li­che Gestal­tungs­di­rek­ti­ve dar. Inner­halb sei­nes wei­ten Spiel­raums poli­ti­schen Ermes­sens darf der Gesetz­ge­ber das Besol­dungs­recht den tat­säch­li­chen Not­wen­dig­kei­ten und der fort­schrei­ten­den Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se anpas­sen69; dabei darf er auch das gesam­te Besol­dungs­ge­fü­ge und über­grei­fen­de Gesichts­punk­te in den Blick neh­men70. Zu prü­fen, ob er dabei die gerech­tes­te, zweck­mä­ßigs­te und ver­nünf­tigs­te Lösung gewählt hat71, ob also jeder ein­zel­ne Beam­te "rich­tig" besol­det ist72, ist nicht Auf­ga­be der Ver­fas­sungs­ge­rich­te.

Dem wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers ent­spricht viel­mehr eine zurück­hal­ten­de, auf den Maß­stab evi­den­ter Sach­wid­rig­keit beschränk­te mate­ri­el­le Kon­trol­le der ein­fach­ge­setz­li­chen Rege­lung durch die Ver­fas­sungs­ge­rich­te73. Die­se ist anhand einer Gesamt­schau der für die Bemes­sung einer amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on maß­geb­li­chen Kri­te­ri­en und unter Berück­sich­ti­gung der maß­geb­li­chen Ver­gleichs­grup­pen vor­zu­neh­men74.

Die aktu­el­le "Null­run­de"[↑]

Nach die­sen Maß­stä­ben erwei­sen sich die zur Über­prü­fung gestell­ten gesetz­li­chen Bestim­mun­gen nach Ansicht des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs für das Land Nord­rhein-West­fa­len als ver­fas­sungs­wid­rig. Die mit der gestaf­fel­ten Anpas­sung der Bezü­ge ver­bun­de­ne Ungleich­be­hand­lung von Ange­hö­ri­gen der Besol­dungs­grup­pen A 2 bis A 10 einer­seits und Ange­hö­ri­gen der übri­gen Besol­dungs­grup­pen ande­rer­seits ver­stößt evi­dent gegen Art. 4 Abs. 1 LV NRW i.V.m. Art. 33 Abs. 5 GG. Da der Gesetz­ge­ber eine Erhö­hung der Besol­dung in den Besol­dungs­grup­pen A 2 bis A 10 in Höhe von 5, 6 % für sach­ge­recht gehal­ten hat, durf­te er jeden­falls nicht schon von der Besol­dungs­grup­pe A 13 an auf jede Erhö­hung ver­zich­ten, son­dern hät­te zumin­dest für einen glei­ten­den Über­gang sor­gen müs­sen. Die Beschrän­kung der Besol­dungs­er­hö­hung auf die Besol­dungs­grup­pen A 2 bis A 10 bzw. ein­ge­schränkt bis A 12 ist in die­ser Aus­ge­stal­tung nicht durch einen sach­li­chen Grund gerecht­fer­tigt. Dar­über hin­aus ist die auf Dau­er ange­leg­te Ver­rin­ge­rung der Abstän­de zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen, ins­be­son­de­re die wesent­li­che Ver­rin­ge­rung des Abstands zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen A 10 und A 11, ver­fas­sungs­recht­lich bedenk­lich. Ob wei­te­re ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken gegen die zur Über­prü­fung gestell­ten gesetz­li­chen Bestim­mun­gen bestehen, lässt der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof offen.

Die gesetz­li­che Rege­lung genügt dem Anspruch auf eine amts­an­ge­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on aus Art. 4 Abs. 1 LV NRW i.V.m. Art. 33 Abs. 5 GG jeden­falls inso­weit nicht, als die Besol­dungs­er­hö­hung auf die Besol­dungs­grup­pen A 2 bis A 10 und ein­ge­schränkt bis A 12 begrenzt ist. Der Gesetz­ge­ber hat die wirt­schaft­li­che und finan­zi­el­le Lage – ergänzt durch sozia­le Kri­te­ri­en – so ein­ge­schätzt, dass er die Grund­ge­halts­sät­ze für die Besol­dungs­grup­pen A 2 bis A 10 zum 1.01.2013 sowie zum 1.01.2014 ent­spre­chend dem Tarif­er­geb­nis um ins­ge­samt 5, 6 % erhö­hen konn­te. Da er die­se Anpas­sung zur Siche­rung der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on für not­wen­dig gehal­ten hat, durf­te er die Grund­ge­halts­sät­ze für die Besol­dungs­grup­pen A 11 und A 12 nicht nur um 2 % erhö­hen und durf­te er die Grund­ge­halts­sät­ze der dar­über lie­gen­den Besol­dungs­grup­pen jeden­falls nicht schon ab Besol­dungs­grup­pe A 13 unver­än­dert las­sen.

Die zur Über­prü­fung gestell­ten gesetz­li­chen Bestim­mun­gen über­neh­men die Ergeb­nis­se des Tarif­ab­schlus­ses für die nord­rhein-west­fä­li­schen Tarif­be­schäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes vom 09.03.2013 für bestimm­te Bestand­tei­le der Bezü­ge unab­hän­gig von der Besol­dungs­grup­pe in vol­lem Umfang (Art. 1 § 2 Abs. 2 des Geset­zes), wäh­rend die Anpas­sung ande­rer Bestand­tei­le der Bezü­ge, ins­be­son­de- re der Grund­ge­halts­sät­ze, gestaf­felt nach Besol­dungs­grup­pen erfolgt (Art. 1 § 2 Abs. 1 des Geset­zes). Danach bleibt die Erhö­hung der Grund­ge­halts­sät­ze für die Besol­dungs­grup­pen A 11 und A 12 um ins­ge­samt 3, 6 % hin­ter der Erhö­hung der Grund­ge­halts­sät­ze für die Besol­dungs­grup­pen A 2 bis A 10 zurück; für die höher als A 12 besol­de­ten Beam­ten sowie die Rich­ter beträgt die Dif­fe­renz 5, 6 %. Dem­ge­gen­über fällt die Erhö­hung ande­rer Bestand­tei­le der Bezü­ge wie z.B. des Fami­li­en­zu­schlags nicht wesent­lich ins Gewicht, da die Grund­ge­halts­sät­ze den bei wei­tem größ­ten Teil der Bezü­ge der Beam­ten und Rich­ter aus­ma­chen75.

Kenn­zeich­nend für die gestaf­fel­te Anpas­sung ist, dass es sich nicht um einen zeit­lich begrenz­ten Spar­bei­trag für die Ange­hö­ri­gen der Besol­dungs­grup­pen ab A 11 han­delt, son­dern um eine Maß­nah­me, die sich auch bei wei­te­ren linea­ren Besol­dungs­an­pas­sun­gen fort­set­zen wird, sofern der Gesetz­ge­ber kei­ne Kor­rek­tu­ren vor­nimmt. Der Gesetz­ge­ber hat bis­lang bewusst davon abge­se­hen, das Tarif­er­geb­nis ledig­lich zeit­lich ver­zö­gert auf alle Beam­ten und Rich­ter zu über­tra­gen; eine sol­che Maß­nah­me ent­las­te den Haus­halt nicht auf Dau­er76.

Es ist evi­dent, dass ange­sichts des Unter­schieds zwi­schen den Besol­dungs­stu­fen A 10 und A 11 eine Ver­rin­ge­rung der Erhö­hung der Bezü­ge von 5, 6 % auf 2 % unzu­rei­chend ist, um die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on zu sichern. Glei­cher­ma­ßen evi­dent unzu­rei­chend ist der Ver­zicht auf jeg­li­che Erhö­hung bereits von der Besol­dungs­stu­fe A 13 an. Wenn der Gesetz­ge­ber von den Emp­fän­gern höhe­rer Bezü­ge einen "Spar­bei­trag" ver­langt, muss er die­sen wenigs­tens so staf­feln, dass auch bei ihnen die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on gewahrt bleibt. Das schließt Sprün­ge von 3, 6 % und 2 % zwi­schen benach­bar­ten Besol­dungs­grup­pen aus.

Wenn ein Emp­fän­ger von Bezü­gen etwa nach A 10 nach Auf­fas­sung des Gesetz­ge­bers zur Siche­rung einer amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on eine Erhö­hung von 5, 6 % benö­tigt, kann nicht gleich­zei­tig der Ver­zicht auf jeg­li­che Erhö­hung bereits für Emp­fän­ger von Bezü­gen nach A 13 gerecht­fer­tigt sein. Die Annah­me des Gesetz­ge­bers, die Stei­ge­rung der Lebens­hal­tungs­kos­ten tref­fe die Emp­fän­ger höhe­rer Bezü­ge weni­ger stark, ist zwar ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Gegen Art. 4 Abs. 1 LV NRW i.V.m. Art. 33 Abs. 5 GG ver­stößt jedoch die Aus­ge­stal­tung des "Spar­bei­trags" in Form von Sprün­gen zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen A 10 und A 11 sowie A 12 und A 13. Es ist nicht ersicht­lich, dass die unter­schied­li­che Betrof­fen­heit durch die Stei­ge­rung der Lebens­hal­tungs­kos­ten dem jewei­li­gen Aus­maß des "Spar­bei­trags" der her­an­ge­zo­ge­nen Amts­trä­ger ent­spricht.

Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof schließt sich der Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts an, das Dau­er und Umfang einer um zwei Jah­re ver­zö­ger­ten Anpas­sung der Bezü­ge in Höhe von 7, 5 % als schwer­wie­gend77 und mit­hin greif­bar ange­se­hen hat. Zwar war in dem jener Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­den Fall der Umfang der Abwei­chung mit 7, 5 % höher als vor­lie­gend. Ent­schei­dend ist aber, dass hier die Anpas­sung der Bezü­ge im Gegen­satz zu jenem Fall nicht nur zeit­lich ver­scho­ben wird, son­dern – bezo­gen auf bestimm­te Bestand­tei­le der Bezü­ge und bestimm­te Besol­dungs­grup­pen – teil­wei­se bzw. ganz unter­bleibt. Die zur Über­prü­fung gestell­ten gesetz­li­chen Bestim­mun­gen sind anders als die vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zu beur­tei­len­den Rege­lun­gen nicht zeit­lich begrenzt78.

Damit wei­chen die hier zur Über­prü­fung gestell­ten Bestim­mun­gen auch von den­je­ni­gen Rege­lun­gen ab, bei deren Beur­tei­lung das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Zumut­bar­keit von Spar­bei­trä­gen der Ange­hö­ri­gen höhe­rer Besol­dungs­grup­pen fest­ge­stellt hat. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat es bei einer sie­ben­mo­na­ti­gen Ver­schie­bung einer all­ge­mei­nen Anpas­sung der Bezü­ge für bestimm­te Besol­dungs­grup­pen nicht als sach­wid­rig ange­se­hen, von Emp­fän­gern höhe­rer Bezü­ge einen begrenz­ten "Spar­bei­trag" mit der Erwä­gung zu for­dern, dass sie von einer all­ge­mei­nen Teue­rung jeden­falls teil­wei­se weni­ger stark betrof­fen sind79. Wenn der Gesetz­ge­ber einen sol­chen "Spar­bei­trag" ver­langt, muss er ihn aller­dings so aus­ge­stal­ten, dass auch für die Emp­fän­ger höhe­rer Bezü­ge ent­spre­chend der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se ein ange­mes­se­ner Lebens­un­ter­halt gewährt ist. Der "Spar­bei­trag" darf die­se Gren­ze nicht über­schrei­ten. Dabei muss der Gesetz­ge­ber berück­sich­ti­gen, dass auch die Emp­fän­ger höhe­rer Bezü­ge von der Stei­ge­rung der Lebens­hal­tungs­kos­ten betrof­fen sind. Er wird des­halb zumin­dest Sprün­ge in der Staf­fe­lung ver­mei­den und für glei­ten­de Über­gän­ge sor­gen müs­sen.

Ein sach­li­cher Grund für die mit den beschrie­be­nen Sprün­gen zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen A 10 und A 11 einer­seits und A 12 und A 13 ande­rer­seits ver­bun­de­ne Ungleich­be­hand­lung liegt nicht vor.

Die vom Gesetz­ge­ber vor­ge­se­he­nen Sprün­ge zwi­schen bestimm­ten Besol­dungs­grup­pen las­sen sich nicht mit dem Wil­len des Gesetz­ge­bers zum Abbau einer Übera­li­men­ta­ti­on bestimm­ter Besol­dungs­grup­pen, also dem Wil­len zur Rück­füh­rung von Bezü­gen, die der Höhe nach – gemes­sen an den maß­geb­li­chen Ver- gleichs­grup­pen – über das ver­fas­sungs­recht­lich Gebo­te­ne hin­aus­ge­hen, recht­fer­ti­gen. Der Geset­zes­be­grün­dung lässt sich trotz des im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren durch­ge­führ­ten Ver­gleichs mit den Tarif­be­schäf­tig­ten des Öffent­li­chen Diens­tes schon nicht ent­neh­men, dass der Gesetz­ge­ber von einer Übera­li­men­ta­ti­on der Beam­ten ab Besol­dungs­grup­pe A 11 sowie der Rich­ter aus­ge­gan­gen ist. Dies wird durch die Aus­füh­run­gen der Ver­tre­ter der Lan­des­re­gie­rung und des Land­tags in der münd­li­chen Ver­hand­lung bestä­tigt. Die­se haben auf aus­drück­li­che Nach­fra­ge sei­tens des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs nicht erken­nen las­sen, dass mit der gestaf­fel­ten Anpas­sung eine Übera­li­men­ta­ti­on bestimm­ter Besol­dungs­grup­pen abge­baut wer­den soll­te.

Die vom Gesetz­ge­ber in Bezug genom­me­ne ange­spann­te Haus­halts­la­ge recht­fer­tigt die getrof­fe­ne Rege­lung eben­falls nicht. Zwar darf der Gesetz­ge­ber die Finanz­la­ge der öffent­li­chen Haus­hal­te bei der Fest­set­zung der Besol­dung berück­sich­ti­gen80. Dies ent­bin­det den Gesetz­ge­ber indes­sen nicht von der Beach­tung des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips. Die­ses Prin­zip ist hier nicht hin­rei­chend beach­tet wor­den, weil der Gesetz­ge­ber deut­lich unter­schied­li­che Erhö­hun­gen der Bezü­ge für die ver­schie­de­nen Besol­dungs­grup­pen vor­ge­se­hen hat. Die Haus­halts­la­ge ver­mag die­se Dif­fe­ren­zie­rung nicht zu recht­fer­ti­gen.

Glei­ches gilt für die Vor­wir­kun­gen der Schul­den­brem­se. Die Ver­pflich­tung, den Lan­des­haus­halt so auf­zu­stel­len, dass im Haus­halts­jahr 2020 die Vor­ga­be aus Art. 109 Abs. 3 Satz 5 GG erfüllt wird (Art. 143d Abs. 1 Satz 4 GG), erlaubt, wie dar­ge­legt, auch die Aus­nut­zung des Gestal­tungs­spiel­raums bei der Fest­set­zung der Bezü­ge der Beam­ten und Rich­ter. Dies ent­bin­det den Gesetz­ge­ber indes­sen nicht von der in Art. 4 Abs. 1 LV NRW i.V.m. Art. 33 Abs. 5 GG begrün­de­ten Pflicht zur Beach­tung des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips. Eine Recht­fer­ti­gung für die hier vor­ge­nom­me­ne wesent­lich unter­schied­li­che Behand­lung ver­schie­de­ner Besol­dungs­grup­pen ergibt sich dar­aus nicht.

Beson­de­re Umstän­de, die ver­gleich­bar der Bewäl­ti­gung der Fol­gen der Wie­der­ver­ei­ni­gung Deutsch­lands eine dau­er­haf­te Ungleich­be­hand­lung ver­schie­de­ner Besol­dungs­grup­pen in dem hier in Rede ste­hen­den Aus­maß zu recht­fer­ti­gen ver­mö­gen81, lie­gen nicht vor.

Auch die Gesamt­wür­di­gung der vom Gesetz­ge­ber ange­führ­ten Gesichts­punk­te recht­fer­tigt nicht eine Ungleich­be­hand­lung der genann­ten Besol­dungs­grup­pen in dem hier in Rede ste­hen­den Aus­maß. Dabei steht nicht infra­ge, dass dem Gesetz­ge­ber bei der Bemes­sung der Bezü­ge der Beam­ten ein wei­ter Gestal­tungs­spiel­raum zusteht. Eben­so wenig ist der Gesetz­ge­ber ver­pflich­tet, Tarif­ab­schlüs­se für die im öffent­li­chen Dienst beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer spie­gel­bild­lich für die Beam­ten zu über­neh­men. Die­ser Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers besteht jedoch nur in den Gren­zen der ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben. Auch inso­weit ist maß­geb­lich, dass der Gesetz­ge­ber für die Besol­dungs­grup­pen bis A 10 den Tarif­ab­schluss der Län­der mit Erhö­hun­gen von 5, 6 % über zwei Jah­re hin­weg als die Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se abbil­dend für ange­mes­sen gehal­ten hat. Ange­sichts die­ser Grö­ßen­ord­nung bleibt die Anpas­sung der Bezü­ge für die Besol­dungs­grup­pen ab A 11 sowie für die Rich­ter auch unter Berück­sich­ti­gung aller ins­be­son­de­re im Ent­schlie­ßungs­an­trag82 dar­ge­leg­ten Erwä­gun­gen – unter­schied­li­che wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit der Betrof­fe­nen sowie Aus­wir­kun­gen der Sen­kung der Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge, des Anstiegs der Bei­trä­ge zur pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung und von Ände­run­gen der Besteue­rung – evi­dent unzu­rei­chend.

Die zur Über­prü­fung gestell­ten gesetz­li­chen Bestim­mun­gen begeg­nen auch unter dem Gesichts­punkt des Abstands­ge­bots ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken, weil die Abstän­de zwi­schen den­je­ni­gen Besol­dungs­grup­pen, die eine Anhe­bung der Grund­ge­häl­ter um bis zu 5, 6 % erfah­ren haben, und den übri­gen Besol­dungs­grup­pen signi­fi­kant ver­rin­gert wor­den sind. Dies gilt nament­lich für die wesent­li­che Ver­rin­ge­rung des Abstands zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen A 10 und A 11. Auf­grund der gestaf­fel­ten Anpas­sung der Bezü­ge hat sich der Abstand zwi­schen die­sen bei­den Besol­dungs­grup­pen zwi­schen 2012 und 2014 nicht nur mar­gi­nal, son­dern erheb­lich und zugleich nicht nur vor­über­ge­hend, son­dern auf Dau­er ver­rin­gert, ohne dass der Gesetz­ge­ber die Zuord­nung von Ämtern zu den Besol­dungs­grup­pen A 10 und A 11 oder die mit die­sen Ämtern ver­bun­de­nen Auf­ga­ben­be­rei­che geän­dert hat. Der Abstand zwi­schen den Grund­ge­häl­tern der Besol­dungs­grup­pen A 10 und A 11 hat sich zwi­schen 2012 und 2014 von etwa 282, – € auf etwa 182, – € und damit brut­to um rund 100, – € (etwa 35%) bzw. bei iso­lier­ter Betrach­tung der End­grund­ge­häl­ter von etwa 371, – € auf etwa 261, – € und damit um rund 110, – € (etwa 29%) ver­rin­gert. Vor allem aber hat sich die­ser Abstand im Ver­gleich zu den Abstän­den zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen A 9 und A 10 sowie A 11 und A 12, wel­che im Wesent­li­chen unver­än­dert geblie­ben sind, signi­fi­kant ver­min­dert. Dass eine Betrach­tung der Net­to­be­trä­ge zu einer grund­le­gend ande­ren Bewer­tung führt, ist nicht ersicht­lich.

Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof lässt offen, ob wei­te­re ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken gegen die zur Über­prü­fung gestell­ten gesetz­li­chen Bestim­mun­gen begrün­det sind. Dies gilt ins­be­son­de­re für die Fra­ge, ob die Ali­men­ta­ti­on aller Beam­ten und Rich­ter des Lan­des noch ange­mes­sen ist83. Zur Prü­fung die­ser Fra­ge sieht der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof nach dem Vor­ste­hen­den kei­ne Ver­an­las­sung, zumal die Ver­tre­ter der Antrag­stel­ler in der münd­li­chen Ver­hand­lung erklärt haben, dass das Gesetz inso­weit nicht ange­grif­fen wird, als es sich auf die Besol­dungs­grup­pen bis A 10 bezieht. Offen blei­ben kann auch, ob der Gesetz­ge­ber bei der Fest­set­zung der Bezü­ge der Besol­dungs­grup­pen ab A 11 die zu beach­ten­den Kri­te­ri­en für die Beur­tei­lung der Anpas­sung der Bezü­ge an die wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se in hin­rei­chen­dem Umfang her­an­ge­zo­gen und die ihn ange­sichts sei­nes gro­ßen Gestal­tungs­spiel­raums tref­fen­den pro­ze­du­ra­len Anfor­de­run­gen84 – trotz des ein­ge­hend begrün­de­ten Ent­schlie­ßungs­an­tra­ges vom 10.07.2013 – voll­stän­dig erfüllt hat.

Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung[↑]

Kommt der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof zu der Über­zeu­gung, dass eine bean­stan­de­te Rechts­norm mit der Lan­des­ver­fas­sung unver­ein­bar ist, stellt er die­se Unver­ein­bar­keit oder die Nich­tig­keit der Rechts­norm in sei­ner Ent­schei­dung fest (§ 49 VGHG NRW). Da die Antrag­stel­ler ein "unech­tes Unter­las­sen" des Gesetz­ge­bers rügen, beschränkt sich der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof dar­auf, die Unver­ein­bar­keit der Norm mit der Lan­des­ver­fas­sung fest­zu­stel­len. In sol­chen Fall­kon­stel­la­tio­nen führt die Fest­stel­lung der Nich­tig­keit nicht wei­ter als die Fest­stel­lung der Unver­ein­bar­keit.

In dem durch­zu­füh­ren­den Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren wird der Gesetz­ge­ber die maß­geb­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben – ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die grund­sätz­li­che Pflicht zur Anpas­sung der Bezü­ge an die wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se – erneut zu prü­fen haben. Dabei ist eine linea­re Über­nah­me von Tarif­ab­schlüs­sen eben­so wenig gebo­ten wie eine völ­li­ge Gleich­be­hand­lung aller Besol­dungs­grup­pen oder der Bezü­ge der akti­ven und der im Ruhe­stand befind­li­chen Beam­ten und Rich­ter. Wenn sich bei der erneu­ten Prü­fung her­aus­stellt, dass eine Übera­li­men­ta­ti­on vor­liegt, ist der Gesetz­ge­ber befugt, ent­spre­chen­de Schluss­fol­ge­run­gen zu zie­hen.

Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein ‑West­fa­len, Urteil vom 1. Juli 2014 – VerfGH 21/​13

  1. GV. NRW. S. 486 []
  2. BGBl. I S. 322 []
  3. GV. NRW. S. 154, zuletzt geän­dert durch Arti­kel 1 des Geset­zes vom 16.05.2013, GV. NRW. S. 234 []
  4. vom 16.05.2013, GV. NRW. S. 234 []
  5. BGBl. I S. 3494, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 09.11.2004, BGBl. I S. 2774 []
  6. BGBl. I S. 3498, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 10.09.2003, BGBl. I S. 1798 []
  7. LT-Drs. 16/​2880 []
  8. vgl. BVerfGE 53, 257, 28 307; 80, 297, 308; 114, 258, 289; für Bezü­ge von Sol­da­ten: BVerfGE 16, 94, 111 ff.; 44, 249, 281; 107, 218, 238 []
  9. BVerfGE 52, 303, 344 f.; 76, 256, 294 []
  10. BVerfGE 96, 345, 365 []
  11. Diet­lein, AÖR 120 (1995), 1, 13 []
  12. BVerfGE 22, 267, 271; 96, 345, 364 f. []
  13. Dickers­bach, in: Geller/​Kleinrahm, Die Ver­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, 3. Auf­la­ge, Stand: Febru­ar 1994, Art. 4 Anm. 2c; Diet­lein, in: ders./Burgi/Hellermann, Öffent­li­ches Recht in Nord­rhein-West­fa­len, 4. Auf­la­ge 2011, S. 14 f.; Kamp, in: Heusch/​Schönenbroicher, Die Lan­des­ver­fas­sung Nord­rhein-West­fa­len, 2010, Art. 4 Rn.19 []
  14. Dickers­bach, a.a.O., Art. 4 Anm. 2c; Mar­ti­na, Die Grund­rech­te der nord­rhein-west­fä­li­schen Lan­des­ver­fas­sung im Ver­hält­nis zu den Grund-29 rech­ten des Grund­ge­set­zes, 1999, S. 70; Stern, in: ders., Das Staats­recht der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Band III/​2, 1994, S. 1442; a.A. Hart­mann, NWVBl.2014, 211, 212 ff. []
  15. Mar­ti­na, a.a.O., S. 70 []
  16. Bericht über die 126. Sit­zung des Land­tags Nord­rhein-West­fa­len vom 24.04.1950, S. 4253, 4256; Bericht über die 58. Sit­zung des Ver­fas­sungs­aus­schus­ses des Land­tags Nord­rhein-West­fa­len vom 16.05.1950, S. 669; Diet­lein, AÖR 120 (1995), 1, 18, sowie in: ders./Burgi/Hellermann, S. 13; Gra­wert, Ver­fas­sung für das Land Nord­rhein-West­fa­len, 3. Auf­la­ge 2012, Art. 4 Anm. 1; Kamp, a.a.O., Art. 4 Rn.20; Men­zel, in: Löwer/​Tettinger, 30 Kom­men­tar zur Ver­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, 2002, Art. 4 Rn. 8 und 13 []
  17. vgl. Kamp, a.a.O., Art. 4 Rn.19 und 31; Mar­ti­na, a.a.O., S. 70 i.V.m. S. 56 f.; Men­zel, a.a.O., Art. 4 Rn. 12 und 17 []
  18. BVerfGE 8, 1, 17; 99, 300, 314; 119, 247, 266; 130, 263, 292 []
  19. BVerfGE 8, 1, 17 []
  20. LT-Drs. II1626 []
  21. Berich­te über die 36. Sit­zung des Ver­fas­sungs­aus­schus­ses des Land­tags Nord­rhein-West­fa­len vom 28.01.1950, S. 157 ff., sowie über die 57. Sit­zung vom 15.05.1950, S. 660 f. []
  22. Bericht über die 36. Sit­zung des Ver­fas­sungs­aus­schus­ses des Land­tags Nord­rhein-West­fa­len vom 28.01.1950, S. 158 f. []
  23. StGHE 3, 221 []
  24. BGBl. I S.2034 []
  25. BVerfGE 119, 247, 272 f. []
  26. BVerfGE 8, 1, 16; 119, 247, 263; 130, 263, 292 []
  27. BVerfGE 8, 1, 14; 119, 247, 269; 130, 263, 292 []
  28. BVerfG, NVwZ 2008, 195, 199; BVerfGE 130, 263, 298 []
  29. BVerfGE 8, 1, 17; Bat­tis, in: Sachs, GG, 6. Auf­la­ge 2011, Art. 33 Rn. 65 []
  30. BVerfGE 44, 249, 265 f.; 114, 258, 288; 130, 263, 292 []
  31. BVerfGE 99, 300, 315; 107, 218, 237; BVerfG, NVwZ 2008, 195, 196; vgl. auch zur Berück­sich­ti­gung der Grö­ße der Fami­lie BVerfGE 44, 249, 265 f.; 99, 300, 315; BVerfGK 7, 357, 362; zur Berück­sich­ti­gung von beson­de­ren Belas­tungs­si­tua­tio­nen BVerfGE 83, 89, 98; BVerfG, NVwZ 2008, 66, 67; BVerfGK 16, 444, 446 []
  32. BVerfGE 44, 249, 264; 114, 258, 291; BVerfG, ZBR 2008, 91, 92 []
  33. vgl. BVerfGE 99, 300, 321 f. 57, zum Fami­li­en­zu­schlag für Beam­te und Rich­ter mit mehr als zwei Kin­dern, und BVerfGE 107, 218, 242 f., zur Gesamt­be­sol­dung []
  34. vgl. BVerfGE 130, 263, 293 []
  35. BVerfGE 130, 263, 293 []
  36. vgl. BVerfGE 44, 249, 265 []
  37. BVerfGE 114, 258, 293; BVerfG, NVwZ 2008, 195, 198 []
  38. BVerfGE 130, 263, 307; BVerfG, Beschluss vom 03.05.2012 2 BvL 17/​08 []
  39. BVerfGE 44, 249, 266; 117, 330, 350; BVerfG, ZBR 2008, 91, 94 []
  40. vgl. BVerfGE 114, 258, 294; 119, 247, 267 f. []
  41. vgl. BVerfGE 30, 90, 103; 93, 319, 351; BVerfG, NJW 2013, 2498, 2501 []
  42. BGBl. I S.2034 []
  43. BT-Drs. 16/​813, S. 8 []
  44. BVerfGE 56, 146, 163; 114, 258, 293; 117, 330, 355; 130, 263, 293 []
  45. BVerwG, Urteil vom 12.12 2013 2 C 49.11 []
  46. vgl. BVerfGE 26, 141, 160 f.; 32, 199, 223; 56, 146, 162 []
  47. BVerfGE 13, 356, 366; 26, 141, 158 []
  48. BVerwG, Urteil vom 12.12 2013 – 2 C 49.11 []
  49. BVerfGE 44, 249, 266; 114, 258, 288 f. []
  50. BVerfGE 8, 1, 18 und 22 f.; 56, 353, 361 f.; 114, 258, 288 f.; BVerfG, NVwZ 2008, 195, 196 []
  51. vgl. BVerfGE 114, 258, 290; BVerfG, NVwZ 2008, 195, 197; Gram­lich, ZBR 1985, 37, 40; Wis­sen­schaft­li­cher Dienst des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Land­tags, Stel­lung­nah­me vom 28.05.2013, S. 11; zur Anpas­sung von Ren­ten vgl. auch BVerfGE 64, 87, 97 f.; 100, 1, 43 []
  52. BVerfGE 114, 258, 293 f.; 117, 330, 354; BVerfG, NVwZ 2008, 195, 196; wei­ter dif­fe­ren­zie­rend Hart­mann, NJ 2001, 455, 457 []
  53. BVerfG, Beschluss vom 03.05.2012 2 BvL 17/​08: ein Zeit­raum von vier Jah­ren reicht hier­für nicht aus []
  54. BVerfG, NVwZ 2008, 195, 198 51 []
  55. BVerw­GE 117, 305, 309; 131, 20 []
  56. BVerfG, NVwZ 2008, 195, 198 []
  57. BVerfGE 114, 258, 281 []
  58. BVerfGE 114, 258, 292 f. []
  59. BVerfGE 114, 258, 294 []
  60. BVerfGE 8, 1, 11 ff.; 70, 69, 79; 76, 256, 310; 114, 258, 289; BVerfG, NVwZ 2008, 195, 196; und NVwZ 2010, 1355, 1356 []
  61. BVerfGE 114, 258, 289; BVerfG, ZBR 2008, 91, 92; BVerfGE 130, 263, 297 []
  62. vgl. BVerfGE 44, 249, 263; BVerfG, DVBl.1999, 1421, 1422; DVBl.2001, 719, 719; NVwZ-RR 2007, 185, 186; ZBR 2009, 126, 127 []
  63. vgl. BVerfGE 76, 256, 311; 114, 258, 291 []
  64. vgl. BVerfGE 114, 258, 290 []
  65. vgl. BVerfGE 107, 218, 253 []
  66. BVerfGE 8, 1, 22 f.; 117, 330, 352; 121, 241, 261; 130, 263, 294 []
  67. BVerfGE 81, 363, 375 f.; 130, 263, 294 []
  68. BVerfGE 56, 146, 162 []
  69. BVerfGE 130, 263, 294 []
  70. BVerfGE 26, 141, 158; 117, 330, 353 []
  71. BVerfGE 117, 330, 353; 121, 241, 261; 130, 263, 294 []
  72. BVerfGE 13, 356, 366 []
  73. BVerfGE 65, 141, 148 f.; 117, 330, 353; 130, 263, 294 f. []
  74. BVerfGE 130, 263, 294 f. []
  75. vgl. LT-Drs. 16/​3518, S. 7 []
  76. LT-Drs. 16/​2880, S. 14; LT-Vor­la­ge 16/​1014, S. 11 []
  77. BVerwG, Urteil vom 12.12 2013 – 2 C 49.11 []
  78. vgl. BVerwG, Urteil vom 12.12 2013 – 2 C 49.11 []
  79. BVerfG, NVwZ 2001, 1393, 1394, zu Besol­dungs­grup­pe B 7 []
  80. BVerfGE 107, 218, 253 []
  81. vgl. BVerwG, Urteil vom 12.12 2013 – 2 C 49.11 []
  82. LT-Drs. 16/​3518 []
  83. vgl. dazu OVG NRW, Beschluss vom 09.07.2009 – 1 A 1416/​08 []
  84. vgl. BVerfGE 130, 263, 301 f. []