Rück­for­de­rung von Dienst­be­zü­gen

Nach § 12 Abs. 2 Satz 1 BBesG regelt sich die Rück­for­de­rung zuviel gezahl­ter Bezü­ge nach den Vor­schrif­ten des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs über die Her­aus­ga­be einer unge­recht­fer­tig­ten Berei­che­rung, soweit gesetz­lich nichts ande­res bestimmt ist.

Rück­for­de­rung von Dienst­be­zü­gen

Der Kennt­nis des Man­gels des recht­li­chen Grun­des der Zah­lung steht es nach § 12 Abs. 2 Satz 2 BBesG gleich, wenn der Man­gel so offen­sicht­lich war, dass der Emp­fän­ger ihn hät­te erken­nen müs­sen. Von der Rück­for­de­rung kann gemäß § 12 Abs. 2 Satz 3 BBesG aus Bil­lig­keits­grün­den mit Zustim­mung der obers­ten Dienst­be­hör­de oder der von ihr bestimm­ten Stel­le ganz oder teil­wei­se abge­se­hen wer­den.

Die Bil­lig­keits­ent­schei­dung nach § 12 Abs. 2 Satz 3 BBesG bezweckt, eine allen Umstän­den des Ein­zel­fal­les gerecht wer­den­de, für die Behör­de zumut­ba­re und für den Beam­ten trag­ba­re Lösung zu ermög­li­chen, bei der auch Alter, Leis­tungs­fä­hig­keit und sons­ti­ge Lebens­ver­hält­nis­se des Her­aus­ga­be­pflich­ti­gen eine maß­ge­ben­de Rol­le spie­len. Sie ist Aus­druck des auch im öffent­li­chen Recht gel­ten­den Grund­sat­zes von Treu und Glau­ben und stellt eine sinn­vol­le Ergän­zung des ohne­hin von dem glei­chen Grund­satz gepräg­ten Rechts der unge­recht­fer­tig­ten Berei­che­rung dar, so dass sie vor allem in Fäl­len der ver­schärf­ten Haf­tung von Bedeu­tung ist. Dabei ist jedoch nicht die gesam­te Rechts­be­zie­hung, aus wel­cher der Berei­che­rungs­an­spruch erwächst, noch­mals unter dem Gesichts­punkt von Treu und Glau­ben zu wür­di­gen, son­dern auf das kon­kre­te Rück­for­de­rungs­be­geh­ren und vor allem auf die Moda­li­tä­ten der Rück­ab­wick­lung und ihre Aus­wir­kun­gen auf die Lebens­um­stän­de des Beam­ten abzu­stel­len. Bei der Bil­lig­keits­ent­schei­dung ist von beson­de­rer Bedeu­tung, wes­sen Ver­ant­wor­tungs­be­reich die Über­zah­lung zuzu­ord­nen ist und in wel­chem Maße ein Ver­schul­den oder Mit­ver­schul­den hier­für ursäch­lich war. Ein Mit­ver­schul­den der Behör­de an der Über­zah­lung ist in die Ermes­sens­ent­schei­dung nach § 12 Abs. 2 Satz 3 BBesG ein­zu­be­zie­hen. Des­halb ist aus Grün­den der Bil­lig­keit in der Regel von der Rück­for­de­rung teil­wei­se abzu­se­hen, wenn der Grund für die Über­zah­lung in der über­wie­gen­den behörd­li­chen Ver­ant­wor­tung liegt. Außer­dem ent­spricht es in der Regel der Bil­lig­keit, bei wie­der­keh­ren­den Über­zah­lun­gen in jeweils gerin­ger Höhe über einen län­ge­ren Zeit­raum Raten­zah­lun­gen ein­zu­räu­men, die dem Über­zah­lungs­zeit­raum ent­spre­chen. Die Fest­le­gun­gen sind im Bescheid zu tref­fen; die blo­ße Bereit­schaft, spä­ter Raten­zah­lun­gen zu ver­ein­ba­ren, genügt nicht 1.

Bei Mit­ver­schul­den der Behör­de ist nach den dar­ge­stell­ten höchst­rich­ter­li­chen Grund­sät­zen eine Ver­pflich­tung zur Ein­räu­mung von Raten­zah­lun­gen nur unter ande­rem bei wie­der­keh­ren­den Über­zah­lun­gen in jeweils gerin­ger Höhe über einen län­ge­ren Zeit­raum anzu­neh­men.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 21. Novem­ber 2014 – 2 LB 13/​14

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 26.04.2012 – 2 C 15/​10. 25 ff., und Urteil vom 26.04.2012 – 2 C 4.11. 18 ff.[]