Bei­hil­fe per Zweck­ver­bands­um­la­ge

Zweck­ver­bands­um­la­gen für Gemein­las­ten sind kei­ne Bei­hil­fen im Sin­ne des uni­ons­recht­li­chen Bei­hil­fe­rechts, urteil­te jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­geicht in Leip­zig.

Bei­hil­fe per Zweck­ver­bands­um­la­ge

Der beklag­te Zweck­ver­band Tier­kör­per­be­sei­ti­gung in Rhein­land Pfalz, im Saar­land, im Rhein­gau-Tau­nus-Kreis und im Land­kreis Lim­burg-Weil­burg, ein nach rhein­land-pfäl­zi­schem Recht errich­te­ter Zweck­ver­band, besei­tigt für sei­ne Mit­glie­der und für wei­te­re Kom­mu­nen Schlacht­ab­fäl­le; dabei hält er auch Reser­ve­ka­pa­zi­tä­ten für Seu­chen­fäl­le vor. Außer­dem ver­ar­bei­tet er unge­fähr­li­ches und des­halb frei han­del­ba­res Mate­ri­al etwa zu Tier­mehl. Die Klä­ge­rin­nen sind im In- und Aus­land täti­ge Unter­neh­men, die mit dem Beklag­ten im Bereich der frei han­del­ba­ren Schlacht­ab­fäl­le kon­kur­rie­ren. Sie sehen sich Wett­be­werbs­nach­tei­len aus­ge­setzt, weil der Beklag­te die durch Gebüh­ren nicht gedeck­ten Kos­ten der Tier­kör­per­be­sei­ti­gung durch eine jähr­li­che Ver­bands­um­la­ge aus­gleicht. Dar­in lie­ge eine Quer­sub­ven­tio­nie­rung der ande­ren Tätig­kei­ten, die dem Beklag­ten erlau­be, die­se Leis­tun­gen zu nied­ri­ge­ren Prei­sen anzu­bie­ten.

Die Klä­ge­rin­nen hal­ten die Umla­ge für noti­fi­zie­rungs­pflich­ti­ge Bei­hil­fen, die ihre eige­nen Markt­chan­cen ver­schlech­ter­ten. Mit ihrer Kla­ge ver­lan­gen sie die Rück­zah­lung der in den Jah­ren 2005 bis 2008 erho­be­nen Umla­gen nebst der Zah­lung von Rechts­wid­rig­keits­zin­sen sowie die Fest­stel­lung, dass der Beklag­te künf­ti­ge Umla­gen nur erhe­ben darf, nach­dem sie ange­zeigt und durch die EU-Kom­mis­si­on geneh­migt wor­den sind.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier hat die Fest­stel­lung getrof­fen und die Kla­ge auf Rück­zah­lung abge­wie­sen 1. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz hat die­se Ent­schei­dun­gen bestä­tigt 2. Die Umla­ge sei eine geneh­mi­gungs­pflich­ti­ge Bei­hil­fe im Sin­ne des Art. 87 EG-Ver­trag, urteil­te das OVG Koblenz; bei Ver­stoß gegen die Noti­fi­zie­rungs­pflicht könn­ten sich die Klä­ge­rin­nen aus eige­nem Recht gegen die Erhe­bung weh­ren. Die Rück­zah­lung könn­ten die Klä­ge­rin­nen jedoch nicht ver­lan­gen, weil die Umla­gen das Markt­ge­sche­hen in den Jah­ren 2005 bis 2008 nicht in nen­nens­wer­tem Umfang zuguns­ten des Beklag­ten beein­flusst hät­ten. Mit der vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung zuge­las­se­nen Revi­si­on ver­fol­gen die Klä­ge­rin­nen ihr Rück­zah­lungs­be­geh­ren wei­ter. Der beklag­te Zweck­ver­band wen­det sich mit der Anschluss­re­vi­si­on gegen die von den Vor­in­stan­zen getrof­fe­ne Fest­stel­lung.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ist der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts und des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts nicht gefolgt: Nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt han­delt sich bei der Umla­ge nicht um eine Bei­hil­fe, die ohne Geneh­mi­gung durch die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on nicht erho­ben wer­den dür­fe und bis zur Kom­mis­si­ons­ent­schei­dung an die Ver­bands­mit­glie­der zurück­ge­zahlt wer­den müs­se. Nach den Umstän­den des Fal­les erhebt der Zweck­ver­band die Umla­ge aus­schließ­lich zum Aus­gleich für Aus­ga­ben, die ihm aus der Erfül­lung gemein­wirt­schaft­li­cher Ver­pflich­tun­gen im Bereich der Tier­kör­per­be­sei­ti­gung ent­stün­den. Die Umla­ge ver­schaf­fe ihm kei­nen finan­zi­el­len Vor­teil, der sei­ne Wett­be­werbs­po­si­ti­on gegen­über Kon­kur­ren­ten ver­bes­se­re; eine Quer­sub­ven­tio­nie­rung sei hin­läng­lich aus­ge­schlos­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 16. Dezem­ber 2010 – 3 C 44.09

  1. VG Trier, Urteil vom 02.12.2008 – 1 K 533/​08.TR[]
  2. OVG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 24.11.2009 – 6 A 10113/​09.OVG[]