Coro­na – und die Schul­pflicht der Grund­schü­ler in Hes­sen

Die 4. Jahr­gangs­stu­fe der Grund­schu­len, der Sprach­heil­schu­len und der Schu­len mit den För­der­schwer­punk­ten Sehen oder Hören in Hes­sen ist von der Schul­pflicht vor­läu­fig befreit.

Coro­na – und die Schul­pflicht der Grund­schü­ler in Hes­sen

So hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Eil­an­trags ent­schie­den und ihm über­wie­gend statt­ge­ge­ben. Der Eil­an­trag rich­tet sich gegen die Rege­lun­gen in § 3 Abs. 1 Nr. 2 a) der nach­fol­gend bezeich­ne­ten Ver­ord­nung (Zwei­te Ver­ord­nung zur Bekämp­fung des Coro­na-Virus in der Fas­sung der Sechs­ten Ver­ord­nung zur Anpas­sung der Ver­ord­nun­gen zur Bekämp­fung des Coro­na-Virus vom 16. April 2020) über den Schul­be­such für Schü­le­rin­nen und Schü­ler der 4. Jahr­gangs­stu­fe der oben genann­ten Schu­len rich­te­te. In § 3 ist gere­gelt:

„1) Es wird all­ge­mein ange­ord­net, dass Schü­le­rin­nen und Schü­ler dem Unter­richt und ande­ren regu­lä­ren schu­li­schen Ver­an­stal­tun­gen an Ein­rich­tun­gen nach § 33 Nr. 3 des Infek­ti­ons­schutz­ge­set­zes bis zum 3. Mai 2020 fern­blei­ben müs­sen. Ihr Feh­len gilt als ent­schul­digt. Satz 1 und 2 gel­ten nicht
1. für die Abnah­me von Prü­fungs­leis­tun­gen,
2. ab dem 27. April 2020 für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler
a) der 4. Jahr­gangs­stu­fe der Grund­schu­len, der Sprach­heil­schu­len und der Schu­len mit
den För­der­schwer­punk­ten Sehen oder Hören,…“

Die Antrag­stel­le­rin, eine Schü­le­rin aus Frank­furt am Main, begehr­te den Erlass einer sog. einst­wei­li­gen Anord­nung in einem Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren, indem sie sich direkt gegen die zuvor genann­te Ver­ord­nung wen­de­te. Antrags­geg­ner ist das Land Hes­sen, ver­tre­ten durch die Staats­kanz­lei. Die Schü­le­rin hat am 20. April 2020 einst­wei­li­gen Rechts­schutz gegen die o. g. Rege­lung bean­tragt. Sie macht gel­tend, für die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen der Ver­ord­nung feh­le es an einer Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge. Die Anord­nung des Schul­be­suchs für Schü­le­rin­nen und Schü­ler der vier­ten Jahr­gangs­stu­fe in Grund­schu­len begrün­de für die­se ein erhöh­tes Infek­ti­ons­ri­si­ko.

Nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs ver­sto­ße die Anord­nung in § 3 Abs. 1 Nr. 2a) der genann­ten Ver­ord­nung, die für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler der vier­ten Jahr­gangs­stu­fe eine Prä­senz­schul­pflicht ab dem 27. April 2020 bewir­ke, bei einer im Eil­ver­fah­ren allein mög­li­chen, aber auch aus­rei­chen­den sog. sum­ma­ri­schen Prü­fung gegen höher­ran­gi­ges Recht. Denn die Schü­le­rin­nen und Schü­ler der vier­ten Jahr­gangs­stu­fe wür­den im Ver­gleich zur über­wie­gen­den Zahl der Schü­le­rin­nen und Schü­ler, denen aus Grün­den des Infek­ti­ons­schut­zes der Schul­be­such bis zum 3. Mai 2020 gänz­lich unter­sagt wer­de, ohne hin­rei­chen­den Grund ungleich behan­delt und dadurch in ihrem Grund­recht aus Art 3 Abs. 1 GG auf Gleich­be­hand­lung ver­letzt. So sei­en mit Aus­nah­me der Viert­kläss­ler sämt­li­che Schü­ler, die sich kei­ner Abschluss­prü­fung unter­zie­hen müss­ten, von der Schul­pflicht befreit und müss­ten sich somit kei­nem erhöh­ten Infek­ti­ons­ri­si­ko aus­set­zen.

Für die­se Ungleich­be­hand­lung bestehe kein sach­li­cher Grund.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. April 2020 – 8 B 1097/​20.N