Das Kre­ma­to­ri­um als Anla­ge für kul­tu­rel­le Zwe­cke

Ein Kre­ma­to­ri­um mit einem Abschieds­raum für Trau­er­gäs­te kann als Anla­ge für kul­tu­rel­le Zwe­cke in einem Gewer­be­ge­biet aus­nahms­wei­se zuläs­sig sein, urteil­te jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter.

Das Kre­ma­to­ri­um als Anla­ge für kul­tu­rel­le Zwe­cke

In dem ent­schie­de­nen Fall hat­te die Bau­auf­sichts­be­hör­de einem pri­va­ten Betrei­ber von Feu­er­be­stat­tungs­an­la­gen eine Bau­ge­neh­mi­gung für die Errich­tung eines mit einem Abschieds­raum für Trau­er­gäs­te aus­ge­stat­te­ten Kre­ma­to­ri­ums in einem Gewer­be­ge­biet erteilt. Der Eigen­tü­mer eines gewerb­lich genutz­ten Grund­stücks in die­sem Gewer­be­ge­biet hat­te sich gegen das Vor­ha­ben mit der Begrün­dung gewandt, es ver­let­ze sei­nen Anspruch auf Gewähr­leis­tung des Gebiets­cha­rak­ters.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter hat die auf Auf­he­bung der Bau­ge­neh­mi­gung gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen: Das im Ver­fah­ren in Streit ste­hen­de Kre­ma­to­ri­um stel­le eine nach der Bau­nut­zungs­ver­ord­nung in einem Gewer­be­ge­biet aus­nahms­wei­se zuläs­si­ge Anla­ge für kul­tu­rel­le Zwe­cke dar. Trotz der mit sei­nem Betrieb ver­bun­de­nen Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht die­ne das Kre­ma­to­ri­um dem Gemein­be­darf, weil die Gemein­den die Erfül­lung öffent­li­cher Auf­ga­ben im Bestat­tungs­we­sen zu gewähr­leis­ten hät­ten. Der Kul­tur­be­griff der Bau­nut­zungs­ver­ord­nung sei nicht auf die Berei­che der Kunst, Wis­sen­schaft und Bil­dung beschränkt. Er umfas­se auch die Ein­äsche­rung Ver­stor­be­ner als Teil der Toten­be­stat­tung. Im kon­kre­ten Fall sei das Kre­ma­to­ri­um mit der werk­täg­li­chen Geschäf­tig­keit des betrof­fe­nen Gewer­be­ge­biets ver­träg­lich, weil sich die Anla­ge in einer Rand­la­ge befin­de, ihre Zufahrt nicht durch das Gewer­be­ge­biet füh­re und die den Trau­er­gäs­ten die­nen­den Berei­che gegen das Gewer­be­ge­biet abge­schirmt sei­en.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 25. Okto­ber 2010 – 7 A 1298/​09