Das Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz und die Pflicht zur Aus­kunft

Behör­den sind ver­pflich­tet, der Pres­se die gewünsch­ten Aus­künf­te zu ertei­len. Ein Jour­na­list hat einen Anspruch auf Infor­ma­ti­on dar­über, wie oft der dama­li­ge Innen­mi­nis­ter Bouf­fier im Fall Tem­me inter­ve­niert hat.

Das Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz und die Pflicht zur Aus­kunft

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den in dem hier vor­lie­gen­den Fall dem Eil­an­trag eines Jour­na­lis­ten statt­ge­ge­ben, der von dem Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz eine Aus­kunft dar­über haben woll­te, wie oft und gege­be­nen­falls mit wel­chem Inhalt der dama­li­ge Innen­mi­nis­ter Bouf­fier in der Sache Tem­me inter­ve­niert hat. Andre­as Tem­me war zum Zeit­punkt des NSU-Mor­des an Halit Yozgat Mit­ar­bei­ter bei dem Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz. Das Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz ist dazu ver­pflich­tet wor­den, dem Antrag­stel­ler die von ihm gestell­ten Fra­gen zu beant­wor­ten.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den aus­ge­führt, dass die gestell­ten Fra­gen an aktu­el­le Vor­gän­ge anknüpf­ten und bereits Gegen­stand öffent­li­cher Bericht­erstat­tung in den Medi­en sei­en. Anspruchs­grund­la­ge sei § 3 Abs. 1 Satz 1 HPres­seG, wonach Behör­den ver­pflich­tet sind, der Pres­se die gewünsch­ten Aus­künf­te zu ertei­len. Der Antrag­stel­ler habe als Jour­na­list einen Anspruch auf Infor­ma­ti­on dar­über, wie oft der dama­li­ge Innen­mi­nis­ter Bouf­fier im Fall Tem­me inter­ve­niert habe. Wei­ter­hin ver­wies das Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den zur Begrün­dung unter ande­rem auf den Beschluss des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs [1], dem ein ähn­lich gela­ger­ter Fall zugrun­de lag. Nach des­sen Auf­fas­sung han­de­le es sich bei der Ver­wen­dung der For­mu­lie­rung „inter­ve­niert“ um eine ein­fach zu beant­wor­ten­de kon­kre­te Fra­ge, die vom Aus­kunfts­an­spruch nach § 3 Abs. 1 Satz 1 HPres­seG gedeckt sei und die vom Lan­des­amt kei­ne Wer­tung ver­lan­ge. Die gestell­te Fra­ge lie­ße sich schlag­wort­ar­tig beant­wor­ten, je nach­dem, ob der dama­li­ge Innen­mi­nis­ter nach­ge­fragt oder bestimm­te Vor­ge­hens­wei­sen kri­ti­siert oder auch ange­mahnt habe.

Anhalts­punk­te für eine begrün­de­te Ver­wei­ge­rung der Beant­wor­tung die­ser Fra­ge sei­en weder ersicht­lich noch sub­stan­ti­iert vor­ge­tra­gen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den, Beschluss vom 5. Juni 2020 – 2 L 2032/​19.WI

  1. Hess. VGH, Beschluss vom 20.11.2019 – 8 B 1938/​19[]