Das nicht zurück­ge­sen­de­te Empfangsbekenntnis

Bei einem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten, der das Emp­fangs­be­kennt­nis nicht zurück­sen­det, kann aus dem Umsatz, dass der dem Rechts­mit­tel­ge­richt über­sand­te Abdruck der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung einen Ein­gangs­stem­pel und Ver­mer­ke trägt, auf die erfor­der­li­che Bereit­schaft zur Ent­ge­gen­nah­me des zuzu­stel­len­den Schrift­stücks und damit auf den Zeit­punkt des tat­säch­li­chen Zug­nags aus dem Umstand geschlos­sen werden.

Das nicht zurück­ge­sen­de­te Empfangsbekenntnis

Gemäß § 56 Abs. 1 und 2 VwGO sind im Ver­wal­tungs­pro­zess Ent­schei­dun­gen, durch die eine Frist in Lauf gesetzt wird, von Amts wegen nach den Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung zuzu­stel­len. Einem Anwalt kann dabei gemäß § 174 Abs. 1 ZPO ein Schrift­stück gegen Emp­fangs­be­kennt­nis zuge­stellt wer­den. Lässt sich die form­ge­rech­te Zustel­lung eines Doku­ments nicht nach­wei­sen, so gilt es nach § 189 ZPO in dem Zeit­punkt als zuge­stellt, in dem das Doku­ment der Per­son, an die die Zustel­lung dem Gesetz gemäß gerich­tet war oder gerech­tet wer­den konn­te, tat­säch­lich zuge­gan­gen ist. Dabei ist der Zeit­punkt maß­geb­lich, an dem der Zustel­lungs­emp­fän­ger das Schrift­stück tat­säch­lich erhal­ten1 und zur Kennt­nis genom­men hat2. Der Nach­weis kann dabei mit­hil­fe ande­rer Beweis­mit­tel erbracht wer­den3. § 189 ZPO liegt das Prin­zip der Zweck­er­rei­chung zugrun­de4. Gelangt das zuzu­stel­len­de Schrift­stück zum rich­ti­gen Emp­fän­ger, so hat die Zustel­lung – mit Wir­kung ex nunc – ihren Zweck erfüllt.

Im vor­lie­gen­den Fall kann zwar die vom Ver­wal­tungs­ge­richt vor­ge­se­he­ne Zustel­lung des Urteils an den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten gegen Emp­fangs­be­kennt­nis nach § 174 Abs. 1 und 4 ZPO nicht nach­ge­wie­sen wer­den. Es kann jedoch mit der erfor­der­li­chen Gewiss­heit davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass das Urteil dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten am 13.12.2019 tat­säch­lich zuge­gan­gen ist. Damit ist der Man­gel der Zustel­lung zu die­sem Zeit­punkt nach § 189 ZPO geheilt und die Rechts­be­helfs­frist hat nach § 58 Abs. 1 VwGO zu lau­fen begon­nen. Der vom Klä­ger­ver­tre­ter im Beru­fungs­zu­las­sungs­ver­fah­ren vor­ge­leg­te Urteils­ab­druck und der im Beschwer­de­ver­fah­ren vor­ge­leg­te Beschluss­ab­druck tra­gen bei­de einen Ein­gangs­stem­pel sei­ner Kanz­lei vom 13.12.2019. Damit steht fest, dass bei­de Ent­schei­dun­gen an die­sem Tag in der Kanz­lei ein­ge­gan­gen sind. Dar­über hin­aus ist sowohl auf dem Urteil als auch auf dem Beschluss ein Ver­merk ange­bracht, dass die Schrift­stü­cke am 13.12.2019 zum dor­ti­gen Akten­zei­chen ein­ge­scannt wor­den sind. Auf den dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof vom Klä­ger­ver­tre­ter über­sand­ten kopier­ten Abdru­cken der Ent­schei­dun­gen ist zudem notiert, dass Fris­ten und Vor­fris­ten ein­ge­tra­gen wor­den sind. Dar­aus kann auf die Emp­fangs­be­reit­schaft des Pro­zess­ver­tre­ters am 13.12.2019 geschlos­sen wer­den5, denn hät­te kei­ne Emp­fangs­be­reit­schaft bestan­den, wären die Fris­ten nicht berech­net und ein­ge­tra­gen und das Urteil nicht zur Akte genom­men wor­den. Dar­über hin­aus wur­den die Rechts­mit­tel­fris­ten offen­sicht­lich auch ab dem 13.12.2019 berech­net, denn die Beschwer­de­be­grün­dung sowie der Beru­fungs­zu­las­sungs­an­trag wur­den am 13.01.2020 zwi­schen 23 und 24 Uhr an den Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ver­sandt. Es wäre nicht erfor­der­lich gewe­sen, die Schrift­sät­ze mit­ten in der Nacht zu ver­sen­den, wenn die Frist nach den eige­nen Berech­nun­gen des Klä­ger­be­voll­mäch­tig­ten nicht am 13.01.2020 geen­det hät­te. Nach­dem meh­re­re Anfra­gen zum Zustell­zeit­punkt unbe­ant­wor­tet geblie­ben sind und auch auf den Hin­weis, dass vom Zugang des Urteils am 13.12.2019 aus­ge­gan­gen wer­de, kei­ne Stel­lung­nah­me erfolg­te, ist ein ande­rer Gesche­hens­ab­lauf nicht ersicht­lich und eine wei­te­re Sach­ver­halts­er­for­schung nicht erforderlich.

Baye­ri­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. März 2020 – 11 ZB 20.82

  1. vgl. BVerwG, Beschluss vom 25.04.2005 – 1 C 6.04 – Beck­RS 2005, 27852[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 27.07.2015 – 9 B 33.15 – DVBl 2015, 1381 5[]
  3. vgl. BVerwG a.a.O. Rn. 5 m.w.N.[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 12.03.2015 – III ZR 207/​14 – BGHZ 204, 268 Rn. 17[]
  5. vgl. BVerwG, Beschluss vom 17.05.2006 – 2 B 10.06 – DÖV 2006, 788 5 f.[]