Die Tele­fon-Durch­wahl­num­mern der Rich­ter

Das Land Nord­rhein-West­fa­len ist nach dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len (IFG NRW) nicht ver­pflich­tet, auf Antrag Zugang zur voll­stän­di­gen Tele­fon­lis­te des Ver­wal­tungs­ge­richts Aachen zu gewäh­ren.

Die Tele­fon-Durch­wahl­num­mern der Rich­ter

Eine ent­spre­chen­de Kla­ge eines Rechts­an­walts hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len jetzt zweit­in­stanz­lich

abge­wie­sen, soweit die­se auf die Her­aus­ga­be der Durch­wahl­num­mern aller Rich­te­rin­nen und Rich­ter gerich­tet war. Soweit aller­dings die Tele­fon­num­mern der nicht­rich­ter­li­chen Gerichts­an­ge­hö­ri­gen betrof­fen waren, hat der Senat die ableh­nen­de Ent­schei­dung des (vor­ma­li­gen) Prä­si­den­ten des Ver­wal­tungs­ge­richts Aachen auf­ge­ho­ben und das beklag­te Land Nord­rhein-West­fa­len ver­pflich­tet, den Antrag unter Beach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts neu zu beschei­den.

Es bestehe, so das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter, kein all­ge­mei­ner Anspruch auf Bekannt­ga­be der Durch­wahl­num­mern aller Rich­ter bestehe. Der Anspruch sei nach § 6 Satz 1 Buchst. a IFG NR W aus­ge­schlos­sen. Zu den von die­ser Vor­schrift erfass­ten Schutz­gü­tern der öffent­li­chen Sicher­heit zäh­le auch die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der staat­li­chen Ein­rich­tun­gen.

Die Rich­ter des Ver­wal­tungs­ge­richts Aachen sei­en – ver­gleich­bar der Übung in den meis­ten Anwalts­kanz­lei­en oder Arzt­pra­xen – nicht direkt über ihre Durch­wahl­num­mer, son­dern über die jewei­li­ge Sekre­tä­rin bzw. Ser­vice-Ein­heit erreich­bar. Die Tele­fon­num­mern der Ser­vice-Ein­hei­ten ergä­ben sich aus der Inter­net­sei­te des Ver­wal­tungs­ge­richts Aachen. Die­se Ent­schei­dung des Gerichts­prä­si­den­ten die­ne dem Ziel, die Anru­fer gezielt zu füh­ren, ihre Tele­fon­an­ru­fe nach sach­li­chen Anlie­gen zu sor­tie­ren sowie fach­kom­pe­tent und arbeits­tei­lig zu beant­wor­ten. Damit sol­le eine effek­ti­ve Auf­ga­ben­er­le­di­gung sicher­ge­stellt wer­den. Das Antrags­ziel, die­se gerichts­in­tern vor­ge­se­he­nen Arbeits­ab­läu­fe durch Anru­fe direkt bei Rich­tern zu umge­hen, kön­ne zu einer nach­hal­ti­gen Stö­rung der rich­ter­li­chen Arbeit füh­ren.

Hin­sicht­lich der Tele­fon­num mern der nicht­rich­ter­li­chen Gerichts­an­ge­hö­ri­gen sei­en öffent­li­che Belan­ge nicht betrof­fen. Der Zugang zu die­sen Tele­fon­num­mern schei­te­re aber am Schutz per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten, weil bzw. solan­ge die betrof­fe­nen Gerichts­an­ge­hö­ri­gen nicht in die Wei­ter­ga­be ihrer Tele­fon­da­ten ein­ge­wil­ligt hät­ten. Das Gesetz ver­pflich­te in die­sem Fall dazu, die Betrof­fe­nen per­so­nen­be­zo­gen nach ihrer Ein­wil­li­gung zu befra­gen. Dies sei bis­her nicht gesche­hen. Der ableh­nen­de Bescheid sei daher inso­weit auf­zu­he­ben und der Beklag­te zu ver­pflich­ten gewe­sen, den Klä­ger nach Durch­füh­rung der Dritt­be­tei­li­gung neu zu beschei­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 7. Mai 2015 – 8 A 1943/​13