Diver­genz­re­vi­si­on und Ein­zel­fall­ent­schei­dung

Die Abwei­chung von einer ver­ein­zelt geblie­be­nen Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts führt nicht zur Zulas­sung der Revi­si­on wegen Diver­genz (§ 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO), wenn die­se Ent­schei­dung auf­grund spä­te­rer stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts über­holt ist (stRspr).

Diver­genz­re­vi­si­on und Ein­zel­fall­ent­schei­dung

Grund­sätz­li­che Bedeu­tung (§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) hat eine Rechts­sa­che nur dann, wenn sie eine – vom Beschwer­de­füh­rer zu bezeich­nen­de – grund­sätz­li­che, bis­her höchst­rich­ter­lich nicht beant­wor­te­te Rechts­fra­ge auf­wirft, die im Inter­es­se der Ein­heit­lich­keit der Recht­spre­chung oder einer Wei­ter­ent­wick­lung des Rechts revi­si­ons­ge­richt­li­cher Klä­rung bedarf und die für die Ent­schei­dung des Revi­si­ons­ge­richts erheb­lich sein wird 1.

Eine Diver­genz im Sin­ne von § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO setzt vor­aus, dass das Beru­fungs­ge­richt in dem ange­foch­te­nen Urteil einen inhalt­lich bestimm­ten, das Urteil tra­gen­den abs­trak­ten Rechts­satz auf­ge­stellt hat, mit dem es einem Rechts­satz wider­spro­chen hat, den das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Anwen­dung der­sel­ben Rechts­vor­schrift auf­ge­stellt hat. Das ist der Fall, wenn das Beru­fungs­ge­richt einen im zu ent­schei­den­den Fall erheb­li­chen Rechts­satz des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nicht anwen­det, weil es ihn für unrich­tig hält 2.

Eine Abwei­chung im Sin­ne von § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO liegt nicht vor, wenn das Beru­fungs­ge­richt einer Rechts­an­sicht ent­ge­gen­ge­tre­ten ist, die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zwar in der Ver­gan­gen­heit ver­tre­ten hat, inzwi­schen aber nicht mehr ver­tritt 3. Die Zulas­sung der Revi­si­on wegen Diver­genz dient der Wah­rung und Erhal­tung der Rechts­ein­heit. Die­se Rechts­ein­heit ist aber nicht mehr gefähr­det, wenn die Ent­schei­dung, von der abge­wi­chen wird, zwi­schen­zeit­lich über­holt ist 4. Dies ist auch gege­ben, wenn das Revi­si­ons­ge­richt die ver­ein­zel­te, sei­ner frü­he­ren Spruch­pra­xis wider­spre­chen­de Recht­spre­chung wie­der auf­ge­ge­ben hat und nun­mehr wie­der in Über­ein­stim­mung mit der frü­he­ren stän­di­gen Recht­spre­chung ent­schei­det. So liegt es hier. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nach sei­nem Beschluss vom 13.01.1992 mehr­fach, über­ein­stim­mend mit der frü­he­ren stän­di­gen Recht­spre­chung ent­schie­den, dass die lauf­bahn­recht­li­chen Rege­lun­gen zur Zeit der Ableis­tung der jewei­li­gen Aus­bil­dung maß­geb­lich sind 5.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 6. Mai 2014 – 2 B 90.2013 -

  1. stRspr., u.a. BVerwG, Beschluss vom 02.10.1961 – 8 B 78.61, BVerw­GE 13, 90, 91 f.[]
  2. stRspr; vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 19.08.1997 – 7 B 261.97, Buch­holz 310 § 133, n.F. VwGO Nr. 26 S. 14; vom 03.07.2007 – 2 B 18.07, Buch­holz 235.1 § 69 BDG Nr. 1 Rn. 4; und vom 28.10.2008 – 2 B 53.08 3[]
  3. BVerwG, Beschluss vom 05.05.1999 – 4 B 35.99, NVwZ 2000, 65 f.; Kopp/​Schenke, VwGO, 19. Aufl., § 132 Rn. 18[]
  4. BVerwG, Urteil vom 11.04.2002 – 4 C 4.01, BVerw­GE 116, 169, 173 = Buch­holz 310 § 127 VwGO Nr. 11 S. 7[]
  5. BVerwG, Urtei­le vom 26.09.1996 – 2 C 28.95, Buch­holz 239.1 § 12 BeamtVG Nr. 11 S. 4; vom 29.09.2005 – 2 C 33.04, Buch­holz 239.2 § 23 SVG Nr. 4 Rn. 9; und vom 11.12 2008 – 2 C 9.08, Buch­holz 239.1 § 12 BeamtVG Nr. 17 Rn. 21 und Beschluss vom 05.12 2011 – 2 B 103.11, Rn. 11[]