Gericht­li­che Kon­trol­le von Prü­fungs­be­wer­tun­gen

Bei Kla­gen gegen den abschlie­ßen­den Prü­fungs­be­scheid ist eine vol­le gericht­li­che Kon­trol­le der Prü­fungs­be­wer­tun­gen mög­lich. Die Bewer­tung einer ein­zel­nen Prü­fungs­leis­tung kann der Prü­fungs­teil­neh­mer in sei­ne Kla­ge gegen den abschlie­ßen­den Prü­fungs­be­scheid auch dann ein­be­zie­hen, wenn sei­ner Rüge gegen die­se Bewer­tung in einem frü­he­ren Wider­spruchs­be­scheid anders als Rügen gegen die Bewer­tun­gen ande­rer Prü­fungs­leis­tun­gen nicht ent­spro­chen wur­de.

Gericht­li­che Kon­trol­le von Prü­fungs­be­wer­tun­gen

In einem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Rechts­streit bestand die Klä­ge­rin die ers­te juris­ti­sche Staats­prü­fung nicht und leg­te dar­auf­hin Wider­spruch gegen die Bewer­tun­gen ihrer Haus­ar­beit und ver­schie­de­ner ihrer Auf­sichts­ar­bei­ten ein. Dem gab das beklag­te Prü­fungs­amt nur im Hin­blick auf die Haus­ar­beit statt. Nach erneu­ter Anfer­ti­gung einer Haus­ar­beit erhob die Klä­ge­rin Kla­ge gegen den abschlie­ßen­den Prü­fungs­be­scheid, mit der sie sich sowohl gegen die Bewer­tung der neu­er­lich ange­fer­tig­ten Haus­ar­beit als auch die Bewer­tun­gen ihrer Auf­sichts­ar­bei­ten wand­te.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main wies ihre Kla­ge ab 1. Ihre hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung wies der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Kas­sel zurück 2. Sowohl das Ver­wal­tungs­ge­richt als auch der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof lehn­ten es hier­bei ab, die Bewer­tun­gen der Auf­sichts­ar­bei­ten zu über­prü­fen. Nach Auf­fas­sung bei­der Instan­zen hät­te die Klä­ge­rin gegen die­se Bewer­tun­gen bereits im Anschluss an den ers­ten Wider­spruchs­be­scheid gericht­lich vor­ge­hen müs­sen, statt zunächst das Ergeb­nis ihrer Prü­fungs­wie­der­ho­lung hin­sicht­lich der Haus­ar­beit abzu­war­ten. Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te jetzt vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Erfolg:

Die Bewer­tun­gen der Auf­sichts­ar­bei­ten der Klä­ge­rin stel­len kei­ne der Bestands­kraft fähi­gen behörd­li­chen Rege­lun­gen dar, urteil­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt. Sie bil­den eine recht­lich unselb­stän­di­ge Grund­la­ge des ver­fah­rens­ab­schlie­ßen­den Prü­fungs­be­scheids und sind, wenn die­ser ange­foch­ten wird, vom Gericht mit zu über­prü­fen, wenn der Prü­fungs­teil­neh­mer sie in das Kla­ge­ver­fah­ren ein­be­zieht. Dies gilt auch dann, wenn die Prü­fungs­be­hör­de es bei Erlass eines vor Abschluss des Prü­fungs­ver­fah­rens ergan­ge­nen Wider­spruchs­be­scheids abge­lehnt hat, die Bewer­tun­gen zu ändern oder dem Prü­fungs­teil­neh­mer die Mög­lich­keit einer Wie­der­ho­lung sei­ner Prü­fungs­leis­tun­gen ein­zu­räu­men. Auf­grund eines Wider­spruchs­be­scheids kann nicht sol­chen behörd­li­chen Maß­nah­men Bestands­kraft zuwach­sen, die kei­ne recht­lich eigen­stän­di­ge Rege­lung dar­stel­len.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 23. Mai 2012 – 6 C 8.11

  1. VG Frank­furt am Main, Urteil vom 14.01.2009 – 12 K 2561/​07.F (V) []
  2. Hess. VGH, Urteil vom 29.04.2010 – 8 A 3247/​09[]