Nacht­flug­be­trieb auf dem Flug­ha­fen Ber­lin Bran­den­burg

Das Minis­te­ri­um für Infra­struk­tur und Land­wirt­schaft des Lan­des Bran­den­burg (MIL) hat mit der Rege­lung des Nacht­flug­be­triebs den ihm ein­ge­räum­ten pla­ne­ri­schen Gestal­tungs­spiel­raum nicht über­schrit­ten. Daher hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig die Kla­gen von Anwoh­nern und Gemein­den gegen die Rege­lung des Nacht­flug­be­triebs auf dem Flug­ha­fen Ber­lin Bran­den­burg abge­wie­sen.

Nacht­flug­be­trieb auf dem Flug­ha­fen Ber­lin Bran­den­burg

Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss "Aus­bau Ver­kehrs­flug­ha­fen Ber­lin – Schö­ne­feld" vom 13. August 2004 ließ ursprüng­lich einen zeit­lich unbe­schränk­ten Nacht­flug­be­trieb zu. Auf aus­ge­wähl­te Mus­ter­kla­gen von Anwoh­nern und Gemein­den hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im Jahr 2006 das Minis­te­ri­um für Infra­struk­tur und Land­wirt­schaft des Lan­des Bran­den­burg ver­pflich­tet, über eine wei­ter­ge­hen­de Ein­schrän­kung des Nacht­flug­be­triebs erneut zu ent­schei­den. Es hat vor­ge­ge­ben, dass die Kern­zeit der Nacht (0:00 bis 5:00 Uhr) von Flug­ver­kehr grund­sätz­lich frei blei­ben muss; für die Zeit von 22:00 bis 24:00 Uhr und von 5:00 bis 6:00 Uhr hat es eine nach­voll­zieh­ba­re Dar­le­gung gefor­dert, war­um der Flug­ver­kehr nicht befrie­di­gend inner­halb der Tages­stun­den abge­wi­ckelt wer­den kann. Zur Umset­zung die­ses Urteils hat das Minis­te­ri­um für Infra­struk­tur und Land­wirt­schaft des Lan­des Bran­den­burg im Pla­ner­gän­zungs­be­schluss "Lärm­schutz­kon­zept BBI" vom 20. Okto­ber 2009 Flug­be­trieb von 23:30 bis 5:30 Uhr grund­sätz­lich ver­bo­ten und von 22:00 bis 23:30 Uhr sowie von 5:30 bis 6:00 Uhr grund­sätz­lich zuge­las­sen.

Anders als bei der Fest­le­gung der Schutz- und Ent­schä­di­gungs­ge­bie­te durf­te das Minis­te­ri­um für Infra­struk­tur und Land­wirt­schaft des Lan­des Bran­den­burg für die Rege­lung des Flug­be­triebs die Lärm­be­trof­fen­hei­ten auf der Grund­la­ge von par­al­le­len An- und Abflug­rou­ten ermit­teln. Die DFS hat­te zwar dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Abflug­rou­ten bei unab­hän­gi­gen Abflü­gen von par­al­le­len Bah­nen um min­des­tens 15° diver­gie­ren sol­len. Der Flug­be­trieb wird jedoch nicht für bestimm­te Flug­rou­ten gere­gelt, son­dern für einen Flug­ha­fen an einem bestimm­ten Stand­ort mit einer bestimm­ten Sied­lungs­struk­tur in sei­ner Umge­bung. Die Betriebs­re­geln sol­len grund­sätz­lich auch bei geän­der­ten Flug­rou­ten Bestand haben. Abflug­rou­ten, die um bis zu 15° nach Nor­den oder nach Süden abkni­cken, wür­den zwar teil­wei­se ande­re Gebie­te betref­fen als par­al­le­le Abflug­stre­cken; die­se Gebie­te wären jedoch nicht oder jeden­falls nicht erheb­lich dich­ter besie­delt. Die Ver­än­de­run­gen der Lärm­be­trof­fen­hei­ten blei­ben in einem Unsi­cher­heits­be­reich, der bei der Rege­lung des Flug­be­triebs ohne­hin mit­ge­dacht wer­den muss. Dass um mehr als 15° abkni­cken­de, zu grö­ße­ren Betrof­fen­hei­ten füh­ren­de, Abflug­stre­cken fest­ge­legt wer­den, brauch­te das Minis­te­ri­um für Infra­struk­tur und Land­wirt­schaft des Lan­des Bran­den­burg aus­ge­hend von den Erklä­run­gen der DFS nicht in Betracht zu zie­hen.

Der Aus­gleich, den das Minis­te­ri­um für Infra­struk­tur und Land­wirt­schaft des Lan­des Bran­den­burg zwi­schen den Ver­kehrs­in­ter­es­sen und den Belan­gen der Anwoh­ner vor­ge­nom­men hat, hält sich im Rah­men des der Exe­ku­ti­ve zuste­hen­den Gestal­tungs­spiel­raums. Für die Nacht­kern­zeit hat es – der Vor­ga­be des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts fol­gend – Starts und Lan­dun­gen grund­sätz­lich ver­bo­ten und nur eng begrenz­te Aus­nah­men zuge­las­sen. Es hat das grund­sätz­li­che Nacht­flug­ver­bot dar­über hin­aus auf die Zeit von 23:30 bis 24:00 Uhr und von 5:00 bis 5:30 Uhr erstreckt. Die­ser Schutz der Nacht­ru­he macht es ver­tret­bar, den Lärm­schutz bis 23:30 Uhr und ab 5:30 Uhr weit­ge­hend hin­ter den Ver­kehrs­in­ter­es­sen zurück­tre­ten zu las­sen. Auch in die­sen Zeit­seg­men­ten muss das Schutz­kon­zept eines Abschwel­lens des Flug­lärms bis zum Beginn der Kern­zeit und eines Anschwel­lens nach des­sen Ende jedoch wei­ter durch­ge­führt wer­den; selbst die Stun­de von 22:00 bis 23:00 Uhr darf nicht als blo­ße Ver­län­ge­rung des Tag­flug­be­triebs ange­se­hen wer­den. Die Nacht­ver­kehrs­pro­gno­se hat einen abneh­men­den Trend der Flug­be­we­gun­gen vom Ende des Tages zur Nacht­kern­zeit hin erge­ben; vor die­sem Hin­ter­grund durf­te das Minis­te­ri­um für Infra­struk­tur und Land­wirt­schaft des Lan­des Bran­den­burg von einer wei­ter­ge­hen­den Beschrän­kung des Nacht­flug­be­triebs abse­hen. Soll­te sich die ers­te Nacht­stun­de ent­ge­gen der Ver­kehrs­pro­gno­se zu einer Stun­de ent­wi­ckeln, in der die Flug­lärm­be­las­tung in der Regel grö­ßer ist als in den Abend­stun­den, wären die Anwoh­ner recht­lich nicht schutz­los, denn das Minis­te­ri­um für Infra­struk­tur und Land­wirt­schaft des Lan­des Bran­den­burg hat sich den nach­träg­li­chen Erlass von Auf­la­gen zum Schutz der Bevöl­ke­rung vor Flug­lärm vor­be­hal­ten.

Soweit die Kla­gen auf wei­ter­ge­hen­den pas­si­ven Schall­schutz und eine wei­ter­ge­hen­de Ent­schä­di­gung für die Beein­träch­ti­gung der Außen­wohn­be­rei­che gerich­tet waren, haben die Betei­lig­ten den Rechts­streit in der münd­li­chen Ver­hand­lung über­ein­stim­mend für erle­digt erklärt. Das Minis­te­ri­um für Infra­struk­tur und Land­wirt­schaft des Lan­des Bran­den­burg hat­te sich zuvor u.a. ver­pflich­tet, nach der erst­ma­li­gen Fest­le­gung der Flug­rou­ten durch das Bun­des­auf­sichts­amt für Flug­si­che­rung die bis­her fest­ge­leg­ten Schutz- und Ent­schä­di­gungs­ge­bie­te ins­ge­samt neu aus­zu­wei­sen; die Neben­be­stim­mun­gen zu den bereits fest­ge­leg­ten Schutz- und Ent­schä­di­gungs­ge­bie­ten blei­ben hier­von unbe­rührt. Damit hat das Minis­te­ri­um für Infra­struk­tur und Land­wirt­schaft des Lan­des Bran­den­burg ent­spre­chen­de Beden­ken des Gerichts aus­ge­räumt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 13. Okto­ber 2011 – 4 A 4000.09, 4000.10 und 4001.10