Richt­li­ni­en­wid­ri­ge För­de­rung

Eine Ver­wal­tungs­pra­xis, die ent­ge­gen der bestehen­den För­der­richt­li­ni­en Fol­ge­kos­ten für Stra­ßen­bau­maß­nah­men sub­ven­tio­niert, berech­tigt nicht zur Rück­for­de­rung der gewähr­ten För­der­mit­tel, wenn die Abwei­chung kei­nen Geset­zes­ver­stoß bewirkt und nicht will­kür­lich ist. Die Bewil­li­gungs­pra­xis kann nur mit Wir­kung für die Zukunft geän­dert wer­den.

Richt­li­ni­en­wid­ri­ge För­de­rung

Anlass für die­se Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt war ein Stra­ßen­bau­vor­ha­ben der Stadt Mainz: Der kla­gen­den Stadt Mainz wur­den 1996 für ein Stra­ßen­bau­vor­ha­ben sowohl aus Bun­des­mit­teln nach dem Gemein­de­ver­kehrs­fi­nan­zie­rungs­ge­setz (GVFG) wie auf­grund des Finanz­aus­gleichs­ge­set­zes auch aus Mit­teln des Lan­des Rhein­land-Pfalz nach den ein­schlä­gi­gen För­der­richt­li­ni­en des beklag­ten Lan­des Rhein­land-Pfalz Zuschüs­se in Höhe von 75 % der zuwen­dungs­fä­hi­gen Kos­ten bewil­ligt. Geför­dert wur­den auch sog. Fol­ge­kos­ten, die im Zuge der Stra­ßen­bau­maß­nah­men für die Ände­rung an Ver­sor­gungs­lei­tun­gen der zum Ver­fah­ren bei­gela­de­nen Stadt­wer­ke ent­stan­den waren.

Nach den in Anleh­nung an das GVFG for­mu­lier­ten För­der­richt­li­ni­en sind die­se Fol­ge­kos­ten aller­dings nicht för­der­fä­hig, wenn ein Ande­rer als der Trä­ger des Vor­ha­bens sie zu tra­gen ver­pflich­tet ist. Die Stadt Mainz hat­te mit den Stadt­wer­ken, einer Akti­en­ge­sell­schaft, deren Antei­le aus­schließ­lich von der Stadt Mainz gehal­ten wer­den, ver­trag­lich ver­ein­bart, dass Ände­run­gen an Ver­sor­gungs­lei­tun­gen stets auf deren Kos­ten erfol­gen. Nur soweit die­se von Drit­ten getra­gen wer­den, soll­ten die Stadt­wer­ke frei­ge­stellt sein. Nach der mit dem Rech­nungs­hof Rhein­land-Pfalz abge­stimm­ten Ver­wal­tungs­pra­xis wur­den seit 1980 auch Fol­ge­kos­ten eines Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens sub­ven­tio­niert, wenn die­ses zu 100 % eine Eigen­ge­sell­schaft der Kom­mu­ne war.

Der Rech­nungs­hof Rhein­land-Pfalz hat­te die För­de­rung von Lei­tungs­ver­le­gungs­kos­ten zuguns­ten der Städ­te bereits in den 1970er Jah­ren bean­stan­det, sei­ne Auf­fas­sung auf den Ein­wand, dass die Städ­te mit den zu 100% in städ­ti­schen Eigen­tum befind­li­chen Stadt­wer­ken eine wirt­schaft­li­che Ein­heit bil­de­te, dann aber geän­dert. Im Jahr 2006 änder­te der Lan­des­rech­nungs­hof jedoch sei­ne Auf­fas­sung und bean­stan­de­te die Bewil­li­gungs­pra­xis des Lan­des. Die Kos­ten für Lei­tungs­ver­le­gun­gen hät­ten die Stadt­wer­ke auf­grund des Kon­zes­si­ons­ver­tra­ges zu zah­len; sie sei­en von Geset­zes wegen nicht zuwen­dungs­fä­hig. Der Zuwen­dungs­ge­ber sei man­gels Anspruch auf För­de­rung auch kein Drit­ter im Sin­ne der bestehen­den Ver­trags­ab­re­de.

Dar­auf­hin hob das Land Rhein­land-Pfalz die frü­he­re Bewil­li­gung in Höhe der geför­der­ten Lei­tungs­ver­le­gungs­kos­ten auf und for­der­te 12 253 € nebst Zin­sen von der Stadt Mainz zurück. Die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge blieb vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz ohne Erfolg 1. Die Beru­fung der Stadt Mainz wies das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz im Wesent­li­chen – bis auf die Ver­zin­sungs­an­ord­nung, die auf­ge­ho­ben wur­de – zurück 2.

Die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Revi­si­on der Stadt Mainz führ­te nun vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zur voll­stän­di­gen Auf­he­bung des ange­grif­fe­nen Rück­for­de­rungs­be­schei­des:

Die Bewil­li­gung von För­der­mit­teln für Fol­ge­kos­ten stand zwar im Wider­spruch zu den För­der­richt­li­ni­en des Lan­des Rhein­land-Pfalz. Danach hät­ten die Stadt­wer­ke die Fol­ge­kos­ten tra­gen müs­sen. Die Stadt­wer­ke sind als juris­ti­sche Per­son des Pri­vat­rechts "Ande­re" im Sin­ne der För­der­richt­li­ni­en, auch wenn die Stadt Mainz alle Antei­le hält. Das Land Rhein­land-Pfalz hat­te aber Fol­ge­kos­ten kom­mu­na­ler Eigen­ge­sell­schaf­ten seit 1980 gleich­wohl als för­der­fä­hig aner­kannt. Von die­ser Ver­wal­tungs­pra­xis konn­te es nur für die Zukunft abwei­chen; eine rück­wir­ken­de Kor­rek­tur kommt nur bei einer zugleich gesetz­wid­ri­gen För­de­rung in Betracht. Die Pra­xis ver­stieß aber nicht gegen ein Gesetz, son­dern nur gegen ver­wal­tungs­in­ter­ne Richt­li­ni­en. Das Gemein­de­ver­kehrs­fi­nan­zie­rungs­ge­setz regelt nicht die Gewäh­rung von Finanz­hil­fen der Län­der an die Gemein­den, son­dern nur das Ver­hält­nis zwi­schen dem Bund und den Län­dern.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 25. April 2012 – 8 C 18.11

  1. VG Mainz, Urteil vom 01.07.2010 – 6 K 615/​09.MZ[]
  2. OVG RLP, Urteil vom 11.02.2011 – 2 A 10895/​10[]