Schul­schlie­ßun­gen in Bochum-Wat­ten­scheid

Hat eine Stadt im Rah­men ihres Pla­nungs- und Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sens sowohl die gesetz­li­chen Vor­ga­ben für die im Streit ste­hen­den schul­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Maß­nah­men (hier Schul­schlie­ßung) beach­tet, als auch die dar­an anknüp­fen­de Pla­nung ohne Rechts­män­gel durch­ge­führt, ist ein sol­cher Rats­be­schluss nicht zu bean­stan­den, wenn die durch das Erzie­hungs­recht der Eltern sowie das Recht der Kin­der auf Bil­dung gesetz­ten Gren­zen der Pla­nungs­ho­heit der Kom­mu­ne nicht über­schrit­ten wer­den.

Schul­schlie­ßun­gen in Bochum-Wat­ten­scheid

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len von Eltern­an­trä­gen gegen die Schlie­ßung der Grund­schu­len an der Roon­stra­ße und Bert­ram­stra­ße sowie die Grund­schu­le Eppen­dorf in Bochum Wat­ten­scheid. Der Rat der Stadt Bochum beschloss in sei­ner Sit­zung vom 8. Novem­ber 2012 die Fort­schrei­bung des Schul­ent­wick­lungs­plans – Teil­be­reich Grund­schu­len -. Auf­grund des im Stadt­teil Wat­ten­scheid pro­gnos­ti­zier­ten Rück­gangs der ein­zu­schu­len­den Kin­der von rund 25% sieht der Plan die (teil­wei­se „aus­lau­fen­de“) Auf­ga­be der oben genann­ten Schul­stand­or­te zum Ende des Schul­jah­res 2012/​2013 vor. Für die Schu­le Eppen­dorf und die Schu­le an der Roon­stra­ße ist vor­ge­se­hen, nach den Som­mer­fe­ri­en kei­ne neu­en Ein­gangs­klas­sen mehr zu bil­den und die bestehen­den Jahr­gän­ge aus­lau­fen zu las­sen. Die Schu­len sol­len dann zum Ende des Schul­jah­res 2013/​2014 geschlos­sen wer­den und die noch vor­han­de­nen Schul­klas­sen zur Diet­rich-Bon­hoefer-Schu­le bzw. zur Glück­auf­schu­le wech­seln. Die Schu­le an der Bert­ram­stra­ße wird zum Schul­jah­res­en­de auf­ge­löst, die ver­blei­ben­den Klas­sen wer­den nach den Som­mer­fe­ri­en an der Schul­stra­ße wei­ter unter­rich­tet. Hier­ge­gen erho­ben meh­re­re Eltern Kla­gen und stell­ten den Antrag, durch Gerichts­be­schluss die auf­schie­ben­de Wir­kung ihrer Kla­gen gegen den sofort voll­zieh­ba­ren Rats­be­schluss wie­der­her­zu­stel­len um so den Fort­be­stand der Schu­len bis zu einer recht­kräf­ti­gen Ent­schei­dung des Gerichts über die Kla­gen vor­läu­fig zu sichern.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gel­sen­kir­chen sei der Rats­be­schluss über die Schlie­ßung der Schu­len recht­lich nicht zu bean­stan­den. Pla­nungs­ent­schei­dun­gen lägen in der Hand der dazu demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Gre­mi­en. Dass sol­che Pla­nungs­ent­schei­dun­gen grund­sätz­lich bei vor­han­de­nen Alter­na­ti­ven auch zu ande­ren Ergeb­nis­sen füh­ren könn­ten, gehö­re imma­nent zu jeder Pla­nung. Die recht­li­che Über­prü­fung habe die­sen Rah­men zu respek­tie­ren.

Die Stadt Bochum habe im Rah­men ihres Pla­nungs- und Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sens sowohl die gesetz­li­chen Vor­ga­ben für die im Streit ste­hen­den schul­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Maß­nah­men beach­tet, als auch die dar­an anknüp­fen­de Pla­nung ohne Rechts­män­gel durch­ge­führt. Die der Pla­nungs­ho­heit der Kom­mu­ne durch das Erzie­hungs­recht der Eltern sowie das Recht der Kin­der auf Bil­dung gesetz­ten Gren­zen sei­en durch den Rats­be­schluss nicht über­schrit­ten.

Die ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Rech­te von Eltern und Schü­lern gin­gen nicht so weit, den Bestand eines kon­kre­ten Stand­or­tes oder einer Schu­le zu sichern und schlös­sen ins­be­son­de­re nicht das Recht ein, dass die besuch­te Schu­le für die Dau­er der Schul­zeit erhal­ten bleibt und Ein­gangs­klas­sen bil­det. Dabei sei zu berück­sich­ti­gen, dass die ein­zel­ne Schu­le an ihrem Stand­ort grund­sätz­lich kei­nen orga­ni­sa­to­ri­schen Bestands­schutz genie­ße und dass nach der Geset­zes­la­ge das Bedürf­nis für die Ein­rich­tung bzw. den Erhalt von Schul­stand­or­ten und die Eltern­nach­fra­ge auf die Schul­form und nicht auf den ein­zel­nen Schul­stand­ort bezo­gen sei, so dass sich die Bedürf­nis­prü­fung nicht am Schü­ler­be­stand bzw. an den Anmel­de­zah­len des ein­zel­nen Stand­or­tes ori­en­tie­ren müs­se.

Die Stadt Bochum sei auch dazu berech­tigt, die Pro­gno­sen zur Ent­wick­lung der Schü­ler­zah­len stadt­be­zirks­wei­se und nicht schul­scharf für die ein­zel­nen Stand­or­te zu bil­den. Fer­ner sei nicht zu bean­stan­den, dass die Stadt bei ihrer Ent­schei­dung auch mit einem erhöh­ten Raum­be­darf ver­bun­de­ne Wei­ter­ent­wick­lun­gen (z.B. Inklu­si­on oder Ganz­ta­ges­schu­le) in den Pla­nungs­pro­zess ein­ge­bun­den habe.

Bei der Pla­nung sei die Antrags­geg­ne­rin zu Recht davon aus­ge­gan­gen, dass das Bil­dungs­an­ge­bot der Schul­form auch künf­tig in zumut­ba­rer Ent­fer­nung wahr­ge­nom­men wer­den kann und des­halb kein Bedürf­nis für die Fort­füh­rung der nun zu schlie­ßen­den Stand­or­te bestehe.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts ver­fügt kei­ne der betrof­fe­nen Grund­schu­len über „Allein­stel­lungs­merk­ma­le“, die eine Auf­recht­erhal­tung des Schul­be­triebs – etwa im Ver­bund mit ande­ren Schu­len – erfor­der­ten, weil z.B. die Beson­der­hei­ten der päd­ago­gi­schen Arbeit ande­ren­falls nicht fort­ge­führt wer­den kön­nen, weil sie untrenn­bar mit der räum­li­chen Lage der Schu­le ver­bun­den sei­en.

Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen, Beschlüs­se vom 21. März 2013 – 4 L 1747/​12; 4 L 75/​13 und 4 L 120/​13