Schwer­punkt­schu­le für behin­der­te Kin­der

Behin­der­te Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit son­der­päd­ago­gi­schem För­der­be­darf kön­nen nach einem Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz auf der Grund­la­ge des rhein­land-pfäl­zi­schen Schulgs­eset­zes der für sie zustän­di­gen Schwer­punkt­schu­le zur Teil­nah­me an einem inte­gra­ti­ven Unter­richt zuge­wie­sen wer­den, sofern ihnen der Besuch die­ser Schu­le zumut­bar ist. Ein Anspruch auf Zuwei­sung an die ört­li­che Grund­schu­le besteht grund­sätz­lich nicht.

Schwer­punkt­schu­le für behin­der­te Kin­der

In dem jetzt vom OVG Koblenz ent­schie­de­nen Fall lei­det die im Jah­re 2002 gebo­re­ne Klä­ge­rin unter dem Down-Syn­drom. Aus­weis­lich eines son­der­päd­ago­gi­schen Gut­ach­tens besteht für sie ein son­der­päd­ago­gi­scher För­der­be­darf mit dem Schwer­punkt ganz­heit­li­che Ent­wick­lung. Des­halb wur­de die Klä­ge­rin von der Auf­sichts- und Dienst­leis­tungs­di­rek­ti­on einer Grund­schu­le zuge­wie­sen, an der als Schwer­punkt­schu­le behin­der­te und nicht behin­der­te Schü­le­rin­nen und Schü­ler unter­rich­tet wer­den und die ca. 20 km vom Wohn­ort der Schü­le­rin ent­fernt ist. Hier­mit ist die Klä­ge­rin, ver­tre­ten durch ihre Eltern, nicht ein­ver­stan­den; sie möch­te die Grund­schu­le in ihrem Hei­mat­ort besu­chen. Die hier­auf gerich­te­te Kla­ge wies bereits das Ver­wal­tungs­ge­richt ab. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te die­se Ent­schei­dung:

Nach dem rhein­land-pfäl­zi­schen Schul­ge­setz soll­ten behin­der­te und nicht behin­der­te Schü­le­rin­nen und Schü­ler im Rah­men des säch­lich, räum­lich, per­so­nell und orga­ni­sa­to­risch Mög­li­chen gemein­sam unter­rich­tet wer­den. Dem­entspre­chend habe das Land seit dem Schul­jahr 2001/​2002 Schwer­punkt­schu­len als Ange­bot einer inte­gra­ti­ven Beschu­lung von Schü­le­rin­nen und Schü­lern mit son­der­päd­ago­gi­schem För­der­be­darf geschaf­fen. Die­se Schu­len ver­füg­ten über eine zusätz­li­che Aus­stat­tung mit För­der­schul­leh­rern und Päd­ago­gi­schen Fach­kräf­ten. Damit sei – ergän­zend zum inte­gra­ti­ven Unter­richt – u.a. gewähr­leis­tet, dass sich pro Schul­tag eine päd­ago­gi­sche Fach­kraft für die Dau­er von 1,5 Stun­den aus­schließ­lich der Klä­ge­rin wid­me. Die­se För­de­rung kön­ne nur an einer Schwer­punkt­schu­le geleis­tet wer­den, an wel­cher der ziel­ge­rich­te­te Ein­satz zusätz­li­cher För­der­schul­kräf­te und päd­ago­gi­scher Fach­kräf­te kon­zen­triert wer­de. An der Grund­schu­le im Hei­mat­ort der Klä­ge­rin sei dies nicht mög­lich. Der Besuch der Schwer­punkt­schu­le sei der Klä­ge­rin trotz der Ent­fer­nung von ihrem Wohn­ort auch zuzu­mu­ten. Dies bele­ge bereits die Tat­sa­che, dass sie auf­grund der per­sön­li­chen Ent­schei­dung ihrer Eltern statt des ört­li­chen Kin­der­gar­tens fast drei Jah­re lang eine inte­gra­ti­ve Tages­för­der­stät­te besucht und hier­zu regel­mä­ßig eben­falls eine Ent­fer­nung von ca. 20 km zurück­ge­legt habe.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 15. Mai 2009 – 2 A 10036/​09.OVG