Uni­ver­si­tä­re Prü­fungs­ord­nung – und kei­ne Bezug­nah­me auf die Stu­di­en­ord­nung

Eine Prü­fungs­ord­nung, die ent­ge­gen § 60 Abs. 2 Nr. 4 HmbHG Zahl, Art, Dau­er und Bewer­tung von Prü­fungs­leis­tun­gen nicht selbst nennt, son­dern inso­weit auf die Stu­di­en­ord­nung ver­weist, ist unwirk­sam.

Uni­ver­si­tä­re Prü­fungs­ord­nung – und kei­ne Bezug­nah­me auf die Stu­di­en­ord­nung

Ange­grif­fe­ne Prü­fungs­ver­su­che, die auf­grund einer gegen § 60 Abs. 2 Nr. 4 HmbHG ver­sto­ßen­den Prü­fungs­ord­nung unter­nom­men wur­den, gel­ten als nicht abge­nom­men.

Die Anzahl der nach ungül­ti­gen Ver­su­chen noch zur Ver­fü­gung ste­hen­den Prü­fungs­ver­su­che ist im Rah­men eines Fest­stel­lungs­be­geh­rens nach der zum Zeit­punkt der gericht­li­chen Ent­schei­dung maß­geb­li­chen Rechts­la­ge zu bestim­men.

Zuläs­sig­keit der Kla­ge

Soweit die Kla­ge auf die Auf­he­bung des Bescheids über die nicht bestan­de­ne Prü­fung und des Wider­spruchs­be­scheids gerich­tet ist, ist sie als Anfech­tungs­kla­ge gemäß § 42 Abs. 1 Alt. 1 VwGO statt­haft und auch im Übri­gen zuläs­sig.

Soweit sie auf die Fest­stel­lung der dem Stu­den­ten zuste­hen­den Prü­fungs­ver­su­che gerich­tet ist, ist sie als Fest­stel­lungs­kla­ge nach § 43 Abs. 1 VwGO statt­haft und sind auch die wei­te­ren Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen gege­ben.

Ein fest­stel­lungs­fä­hi­ges Rechts­ver­hält­nis im Sin­ne des § 43 Abs. 1 VwGO liegt im Hin­blick auf die Anzahl der dem Stu­den­ten im Rah­men sei­nes Mas­ter­stu­di­ums kon­kret noch zuste­hen­den Prü­fungs­ver­su­che vor.

Das berech­tig­te Inter­es­se an der Fest­stel­lung ergibt sich dar­aus, dass nach der Rechts­auf­fas­sung der Hoch­schu­len das Bestehen der Haus­ar­beit Vor­aus­set­zung für den erfolg­rei­chen Abschluss des Stu­di­ums im Mas­ter­stu­di­en­gang Entre­pre­neurship ist. Denn in dem Bescheid vom 26.07.2010 hat sie den Stu­den­ten dar­auf hin­ge­wie­sen, dass er nach der Prü­fungs­ord­nung wegen des end­gül­ti­gen Nicht­be­stehens die­ser Prü­fungs­leis­tung sein Stu­di­um nicht mehr erfolg­reich been­den kön­ne.

Der Fest­stel­lungs­kla­ge steht auch § 43 Abs. 2 Satz 1 VwGO nicht ent­ge­gen. Denn nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, der das Ver­wal­tungs­ge­richt folgt, ent­fällt die dort ange­ord­ne­te Sub­si­dia­ri­tät jeden­falls dann, wenn eine Umge­hung der ins­be­son­de­re für die Anfech­tungs- und Ver­pflich­tungs­kla­gen gel­ten­den Son­der­re­geln nicht in Betracht kommt 1. Dies ist hier der Fall, da die Zulas­sung des Stu­den­ten zu wei­te­ren Prü­fungs­ver­su­chen im Rah­men der Haus­ar­beit weder mit der Anfech­tungs- noch mit der Ver­pflich­tungs­kla­ge, son­dern mit der all­ge­mei­nen Leis­tungs­kla­ge zu erstre­ben wäre, die wie die Fest­stel­lungs­kla­ge weder die vor­he­ri­ge Durch­füh­rung eines behörd­li­chen Vor­ver­fah­rens vor­aus­setzt noch frist­ge­bun­den ist 2.

Dass vor­lie­gend weder Anfech­tungs- noch Ver­pflich­tungs­kla­ge statt­haft wären, beruht dar­auf, dass im Hin­blick auf die streit­ge­gen­ständ­li­che Haus­ar­beit kei­ne geson­der­te Zulas­sung durch Ver­wal­tungs­akt erfolgt. Ob die Zulas­sung zu einer Prü­fung Ver­wal­tungs­akt­qua­li­tät hat oder nicht, beur­teilt sich – ver­gleich­bar mit der Fra­ge, ob der Bewer­tung einer Prü­fungs­ent­schei­dung Ver­wal­tungs­akt­qua­li­tät zukommt 3 – nach der kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung des Prü­fungs- bzw. Zulas­sungs­ver­fah­rens durch die jewei­li­ge Prü­fungs­ord­nung.

Maß­geb­lich für das Stu­di­um des Stu­den­ten, das die­ser zum 1.10.2007 auf­ge­nom­men hat, ist die "Ord­nung für die Bache­lor­prü­fung im Inter­dis­zi­pli­nä­ren Bache­lor­stu­di­en­gang Sozi­al­öko­no­mie und die Mas­ter­prü­fung in den kon­se­ku­ti­ven Mas­ter­stu­di­en­gän­gen Euro­pa­stu­di­en, Inter­na­tio­nal Busi­ness Admi­nis­tra­ti­on, Entre­pre­neurship, Human Resour­ce Manage­ment – Per­so­nal­po­li­tik und Öko­no­mi­sche und Sozio­lo­gi­sche Stu­di­en" 4 und nicht die "Neu­fas­sung der Ord­nung für die Bache­lor­prü­fung im Inter­dis­zi­pli­nä­ren Bache­lor­stu­di­en­gang Sozi­al­öko­no­mie und die Mas­ter­prü­fung in den kon­se­ku­ti­ven Mas­ter­stu­di­en­gän­gen Euro­pa­stu­di­en, Inter­na­tio­nal Busi­ness Admi­nis­tra­ti­on, Entre­pre­neurship, Human Resour­ce Manage­ment – Per­so­nal­po­li­tik und Öko­no­mi­sche und Sozio­lo­gi­sche Stu­di­en" 5, die gemäß ihrem § 45 nur für Stu­die­ren­de gilt, die ab dem Win­ter­se­mes­ter 2008/​2009 ihr Stu­di­um begon­nen haben.

Gemäß § 31 Abs. 1 PO ist zwar für die Teil­nah­me an den Prü­fun­gen des Mas­ter­stu­di­ums eine vor­he­ri­ge Zulas­sung zum Mas­ter­stu­di­um erfor­der­lich und dürf­te es sich bei die­ser Zulas­sungs­ent­schei­dung auch um einen Ver­wal­tungs­akt i.S.d. § 35 Satz 1 HmbV­wVfG han­deln. Nach die­ser "Grund­zu­las­sung" zum Mas­ter­stu­di­um und zu den Prü­fun­gen des Mas­ter­stu­di­ums nach § 31 Abs. 1 PO erge­hen jedoch für die im Ein­zel­nen abzu­le­gen­den Prü­fun­gen kei­ne wei­te­ren Zulas­sungs­ent­schei­dun­gen mehr. Der Vor­schrift des § 7a Abs. 1 PO lässt sich viel­mehr ent­neh­men, dass für die im Bache­lor- und im Mas­ter­stu­di­en­gang zu erbrin­gen­den Klau­su­ren nur noch eine "Anmel­dung" der Stu­die­ren­den (und nicht etwa ein Antrag auf Zulas­sung) erfor­der­lich ist. Auch für Haus­ar­bei­ten fin­den sich weder in der Prü­fungs­ord­nung noch in der für den Stu­den­ten maß­geb­li­chen "Stu­di­en­ord­nung für den Inter­dis­zi­pli­nä­ren Bache­lor­stu­di­en­gang Sozi­al­öko­no­mie und die kon­se­ku­ti­ven Mas­ter­stu­di­en­gän­ge Euro­pa­stu­di­en, Inter­na­tio­nal Busi­ness Admi­nis­tra­ti­on, Entre­pre­neur-ship, Human Res­sour­ce Manage­ment – Per­so­nal­po­li­tik, Daten- und Infor­ma­ti­ons­ma­nage­ment, Gen­der und Arbeit und Öko­no­mi­sche und sozio­lo­gi­sche Stu­di­en" 6 geson­der­te Zulas­sungs­be­stim­mun­gen. Soweit ersicht­lich hat die Hoch­schu­le auch in der Ver­gan­gen­heit über die Teil­nah­me des Stu­den­ten an der streit­ge­gen­ständ­li­chen Haus­ar­beit nicht durch förm­li­chen Bescheid oder eine sons­ti­ge Mit­tei­lung ent­schie­den, die nach den auch im öffent­li­chen Recht gel­ten­den Aus­le­gungs­re­geln der §§ 133, 157 BGB als Ver­wal­tungs­akt ange­se­hen wer­den könn­te.

Unwirk­sa­mes Nicht­be­stehen

Auch wenn der Nicht­be­stehens­be­scheid des­halb auf § 65 Abs. 1 Satz 1 des Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­set­zes in der bei Erlass des Wider­spruchs­be­scheids am 30.01.2014 gül­ti­gen Fas­sung 7 – HmbHG 2001 – zu stüt­zen wäre, wonach­Zwi­schen- und Abschluss­prü­fun­gen zwei­mal und ande­re Prü­fun­gen bis zu zwei­mal wie­der­holt wer­den kön­nen, ist Vor­aus­set­zung für eine sol­che Fest­stel­lung, dass die drei frag­li­chen Prü­fungs­ver­su­che auf Grund­la­ge einer rechts­gül­ti­gen Prü­fungs­ord­nung abge­nom­men wor­den sind.

Soweit die Prü­fungs­ord­nung wegen for­mel­ler oder inhalt­li­cher Män­gel rechts­un­gül­tig ist, führt dies regel­mä­ßig dazu, dass der bean­stan­de­ten Prü­fungs­ent­schei­dung die erfor­der­li­che recht­li­che Grund­la­ge fehlt und sie rechts­wid­rig und auf­zu­he­ben ist 8. Dies hat zur Kon­se­quenz, dass die Prü­fung – nach Erlass einer rechts­gül­ti­gen Prü­fungs­ord­nung – als Erst­prü­fung erneut abge­hal­ten wer­den muss 9.

An einer wirk­sa­men Grund­la­ge in der Prü­fungs­ord­nung fehlt es für die streit­ge­gen­ständ­li­che Prü­fungs­leis­tung jedoch.

Dabei kann dahin­ste­hen, ob die Bewer­tun­gen des ers­ten und zwei­ten Prü­fungs­ver­suchs des Stu­den­ten mit "nicht bestan­den", wie die Hoch­schu­le meint, bestands­kräf­tig gewor­den sind bzw. ob die­se Bewer­tun­gen über­haupt der Bestands­kraft fähig sind, was vor­aus­set­zen wür­de, dass es sich bei den Bewer­tun­gen von Modul­prü­fun­gen um Ver­wal­tungs­ak­te i.S.d. § 35 Satz 1 HmbV­wVfG han­delt 10.

Denn jeden­falls die Bewer­tung des drit­ten Prü­fungs­ver­suchs, die dem Stu­den­ten am 26.07.2010 mit der Über­ga­be des Nicht­be­stehens­be­scheids bekannt gege­ben wor­den ist, ist durch die frist­ge­rech­te Erhe­bung von Wider­spruch und Kla­ge gemäß § 80 Abs. 1 VwGO mit auf­schie­ben­der Wir­kung ange­foch­ten wor­den. Die­ser Prü­fungs­ver­such ist nicht auf Grund­la­ge einer rechts­gül­ti­gen Prü­fungs­ord­nung abge­nom­men wor­den. Denn die für den Stu­den­ten maß­geb­li­che Prü­fungs­ord­nung genügt im Hin­blick auf die streit­ge­gen­ständ­li­che Haus­ar­beit den Anfor­de­run­gen von § 60 Abs. 2 Nr. 4 HmbHG nicht.

Die Vor­schrift des § 60 Abs. 2 Nr. 4 HmbHG ist, abge­se­hen von der mit dem Gesetz zur Ver­bes­se­rung des Hoch­schul­zu­gangs für beruf­lich Qua­li­fi­zier­te und des Bache­lor-Mas­ter-Stu­di­en­sys­tems 11 zum 15.07.2010 bewirk­ten Erset­zung der Text­stel­le "Zwi­schen- und Abschluss­prü­fun­gen" durch die Text­stel­le "Prü­fun­gen in modu­la­ri­sier­ten Stu­di­en­gän­gen, Zwi­schen- und Abschluss­prü­fun­gen", mit der klar­ge­stellt wer­den soll­te, dass die inhalt­li­chen Vor­ga­ben für die Hoch­schul­prü­fungs­ord­nun­gen auch für Prü­fungs­ord­nun­gen in modu­la­ri­sier­ten Stu­di­en­gän­gen gel­ten 12, seit ihrem Erlass 13 unver­än­dert geblie­ben und galt damit sowohl im frag­li­chen Prü­fungs­zeit­raum als auch bei Erlass des Wider­spruchs­be­scheids. Nach die­ser Vor­schrift sind in Hoch­schul­prü­fungs­ord­nun­gen, die Prü­fun­gen in modu­la­ri­sier­ten Stu­di­en­gän­gen, Zwi­schen- und Abschluss­prü­fun­gen oder Abschluss­prü­fun­gen betref­fen, ins­be­son­de­re Be-stim­mun­gen auf­zu­neh­men über Zahl, Art, Dau­er und Bewer­tung von Prü­fungs­leis­tun­gen.

§ 60 Abs. 2 Nr. 4 HmbHG erfor­dert es, dass die­se Bestim­mun­gen kon­kret in der Prü­fungs­ord­nung selbst gere­gelt wer­den 14. Die­se gesetz­li­che Vor­ga­be ist, da die Rege­lung von Prü­fungs­an­for­de­run­gen und Prü­fungs­ver­fah­ren in die grund­recht­lich geschütz­te Berufs­frei­heit ein­greift, Aus­fluss der Wesent­lich­keits­theo­rie 15. Dabei betref­fen die Bestim­mun­gen gemäß § 60 Abs. 2 Nr. 4 HmbHG die Prü­fungs­an­for­de­run­gen und damit "zen­tra­le Ele­men­te der Hoch­schul­prü­fungs­ord­nung" 16. Hier­aus folgt, dass ein stren­ger Maß­stab anzu­le­gen ist: Zahl, Art, Dau­er und Bewer­tung von Prü­fungs­leis­tun­gen sind – hin­rei­chend kon­kret – in der Prü­fungs­ord­nung selbst zu regeln, eine Rege­lung in einem ande­ren Doku­ment – auch in einer Stu­di­en­ord­nung – ist nicht zuläs­sig. Für die Anle­gung die­ses stren­gen Maß­stabs und gegen eine groß­zü­gi­ge Öff­nung zuguns­ten von Stu­di­en­ord­nun­gen spricht auch, dass, wäh­rend in § 60 Abs. 2 Nr. 1 HmbHG aus­drück­lich gere­gelt ist, dass "Inhalt und Auf­bau des Stu­di­ums (…) auch in geson­der­ten Ord­nun­gen (Stu­di­en­ord­nun­gen) gere­gelt wer­den" kön­nen, eine sol­che Bestim­mung in § 60 Abs. 2 Nr. 4 HmbHG fehlt. Zudem müs­sen Stu­di­en­ord­nun­gen anders als Prü­fungs­ord­nun­gen nicht durch das Prä­si­di­um geneh­migt (vgl. § 108 Abs. 1 Satz 3 HmbHG) und nicht im Amt­li­chen Anzei­ger ver­öf­fent­licht wer­den (vgl. § 108 Abs. 5 Satz 1 HmbHG). Auch dass sich an die Fest­stel­lung des end­gül­ti­gen Nicht­be­stehens einer nach der Prü­fungs­ord­nung vor­ge­se­he­nen Prü­fung nach § 44 HmbHG erheb­li­che Rechts­fol­gen für die Stu­die­ren­den knüp­fen – sie kön­nen das Stu­di­um an einer Ham­bur­ger Hoch­schu­le nicht in dem glei­chen Stu­di­en­gang fort­set­zen und kön­nen, wenn die Prü­fungs­ge­gen­stän­de der end­gül­tig nicht bestan­de­nen Prü­fung auch in die­sem Stu­di­en­gang durch die Prü­fungs­ord­nung ver­bind­lich vor­ge­schrie­ben sind, das Stu­di­um auch in einem ande­ren Stu­di­en­gang nicht fort­set­zen – spricht dage­gen, die Rege­lun­gen über die Prü­fungs­an­for­de­run­gen in einem ande­ren Doku­ment als der Prü­fungs­ord­nung selbst zuzu­las­sen.

Ent­ge­gen der Bestim­mung des § 60 Abs. 2 Nr. 4 HmbHG ergibt sich im vor­lie­gen­den Fall jedoch erst aus der Stu­di­en­ord­nung und nicht bereits aus der Prü­fungs­ord­nung, dass im Lehr­pro­jekt I eine Haus­ar­beit zu erbrin­gen ist, wel­chen Umfang sie haben soll und wie sie zu bewer­ten ist.

Dabei kann offen blei­ben, ob sich die Bestim­mun­gen in § 35 Abs. 1 PO, wie die Hoch­schu­le meint, auch auf die im Mas­ter­stu­di­um zu erbrin­gen­den Fach­prü­fungs­leis­tun­gen nach § 35 Abs. 5 PO bezie­hen oder nur die Prü­fungs­leis­tun­gen aus dem Bereich "All­ge­mei­ne Stu­di­en" betref­fen. Gemäß § 35 Abs. 1 PO sind Fach­kur­se, Pro­jek­te, betreu­te Pro­jekt­grup­pen, Lern­werk­stät­ten und Kur­se aus dem Bereich "All­ge­mei­ne Stu­di­en" mit jeweils einer Prü­fungs­leis­tung abzu­schlie­ßen; die Art der Leis­tungs­nach­wei­se – die in § 35 Abs. 5 Satz 2 PO bezo­gen auf eine zwei­stün­di­ge Lehr­ver­an­stal­tung regel­haft auf­ge­zählt sind und u.a. in Haus­ar­bei­ten in einem Umfang von 10 bis 12 Sei­ten bestehen kön­nen – wer­den durch die Kurs­lei­te­rin­nen bzw. Kurs­lei­ter mit Zustim­mung der zustän­di­gen Mas­ter­aus­schüs­se bestimmt. Denn die Vor­schrift genügt den Anfor­de­run­gen des § 60 Abs. 2 Nr. 4 HmbHG nicht, da sie jeden­falls die Art der Prü­fungs­leis­tung nicht selbst kon­kret regelt, son­dern ihre Bestim­mung den Kurs­lei­tern über­lässt. Auch der Bestim­mung des § 35 Abs. 5 PO lässt sich eine Rege­lung von Zahl, Art, Dau­er und Bewer­tung der Prü­fungs­leis­tung nicht ent­neh­men, wenn es dort heißt: "Im Mas­ter­pro­gramm ‚Entre­pre­neurship‘ sind wei­te­re Fach­prü­fungs­leis­tun­gen im Umfang von 84 Kre­dit­punk­ten zu erbrin­gen, davon Prü­fungs­leis­tun­gen im Umfang von 45 Kre­dit­punk­ten in Pro­jek­ten. Das Nähe­re regelt die Stu­di­en­ord­nung." § 11 PO lässt sich zwar ent­neh­men, wie die Prü­fungs­leis­tun­gen im Ein­zel­nen zu bewer­ten sind. Eine kon­kre­te Bestim­mung der für die ein­zel­nen Prü­fungs­leis­tun­gen zu ver­ge­ben­den Kre­dit­punk­te, die für die Berech­nung der Gesamt­no­te der Mas­ter­ar­beit gemäß § 40 Abs. 2 PO erfor­der­lich ist und damit eben­falls eine not­wen­di­ge Bestim­mung zur Bewer­tung der Prü­fungs­leis­tung i.S.d. § 60 Abs. 2 Nr. 4 HmbHG dar­stellt 17, ent­hält die Prü­fungs­ord­nung hin­ge­gen nicht. In § 34 Abs. 2 PO wird inso­fern ledig­lich bestimmt, dass für bestan­de­ne Prü­fun­gen min­des­tens drei Kre­dit­punk­te und im Fal­le "von Lehr­ver­an­stal­tun­gen, die ein höhe­res Maß an stu­den­ti­scher Eigen­ar­beit vor­aus­set­zen (…) oder für die eine Gro­ße Haus­ar­beit als Prü­fungs­leis­tung erbracht wird, (…) eine dem Anteil der Eigen­ar­beit ent­spre­chend höhe­re Anzahl von Kre­dit­punk­ten zu ver­ge­ben" sind.

Erst aus Abschnitt III.3, §§ 3 Abs. 1, 4 Abs. 2, 5 Abs. 1 Stu­dO ergibt sich, dass im ers­ten Semes­ter im Rah­men des sog. Lehr­pro­jekts eine Haus­ar­beit im Umfang von 25 Sei­ten geschrie­ben wer­den soll, für die 9 Kre­dit­punk­te ver­ge­ben wer­den.

Anders als die Hoch­schu­le meint, betref­fen die­se Rege­lun­gen auch nicht ledig­lich Inhalt und Auf­bau des Stu­di­ums, son­dern die Zahl (eine Prü­fungs­leis­tung), die Art (Haus­ar­beit, Sei­ten­an­zahl) und die Bewer­tung (kon­kre­te Anzahl der Kre­dit­punk­te) der Prü­fungs­leis­tung. Die Dau­er der Prü­fungs­leis­tung, d.h. die den Prüf­lin­gen ein­zu­räu­men­de Bear­bei­tungs­zeit für die Haus­ar­beit, lässt sich dabei weder der Prü­fungs­ord­nung noch der Stu­di­en­ord­nung ent­neh­men.

Dass die Prü­fungs­ord­nung im Hin­blick auf die­se Bestim­mun­gen auf die Stu­di­en­ord­nung ver­weist, ändert nach dem oben beschrie­be­nen stren­gen Maß­stab nichts an dem Ver­stoß gegen § 60 Abs. 2 Nr. 4 HmbHG.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 5. Novem­ber 2015 – 2 K 950/​14

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 2.07.1976, VII C 71.75, BVerw­GE 51, 69 21 m.w.N.[]
  2. vgl. Pietz­cker, in Schoch/​Schneider/​Bier, VwGO, 28. EL 2015, § 43 Rn. 43[]
  3. vgl. hier­zu BVerwG, Urteil vom 23.05.2012, 6 C 8/​11 14; Beschluss vom 25.03.2003, 6 B 8/​03 3[]
  4. vom 12.06.2003, Amtl. Anz. S. 4473, zuletzt geän­dert am 15.06.2005, Amtl. Anz. S. 1568 – PO[]
  5. vom 02.07.2008 und 9.07.2008, Hoch­schul­an­zei­ger Nr. 18 v. 12.08.2008[]
  6. vom 12.06.2003, Amtl. Anz. S. 4484, mit Ände­run­gen zuletzt v. 15.06.2005, Amtl. Anz. S. 1570 – Stu­dO[]
  7. vom 19.07.2001, HmbGVBl. 171[]
  8. vgl. Niehues/​Fischer/​Jeremias, Prü­fungs­recht, 6. Aufl.2014, Rn. 62[]
  9. vgl. Niehues/​Fischer/​Jeremias, a.a.O., Rn. 58, 62; BVerwG, Urteil vom 29.05.2013, 6 C 18/​12 50[]
  10. vgl. hier­zu BVerwG, Urteil vom 23.05.2012, 6 C 8/​11 14[]
  11. vom 06.07.2010, HmbGVBl. S. 473[]
  12. Bü.-Drs.19/6214, S. 13[]
  13. Gesetz zur Neu­ord­nung des Hoch­schul­rechts v.19.07.2001, HmbGVBl. 171[]
  14. vgl. Delfs, in Neu­kir­chen, Reußow/​Schomburg, Ham­bur­gi­sches Hoch­schul­ge­setz, 2011, § 60 Rn. 4[]
  15. vgl. Delfs, a.a.O., § 60 Rn. 2[]
  16. Delfs, a.a.O, § 60 Rn. 8[]
  17. vgl. Delfs, a.a.O., § 60 Rn. 8[]