Unter­brin­gung von Abschie­bungs­häft­lin­gen in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt

Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on ist die Unter­brin­gung von Abschie­bungs­häft­lin­gen in einer Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt nach Art. 16 Abs. 1 der Richt­li­nie 2008/​115/​EG in Deutsch­land unzu­läs­sig. Die in Art. 16 Abs. 1 Satz 2 die­ser Richt­li­nie ent­hal­te­ne Aus­nah­me ist nicht ein­schlä­gig, weil in meh­re­ren deut­schen Bun­des­län­dern spe­zi­el­le Haft­ein­rich­tun­gen für Abschie­bungs­häft­lin­ge vor­han­den sind 1.

Unter­brin­gung von Abschie­bungs­häft­lin­gen in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt

Das Gebot der Tren­nung ille­gal auf­häl­ti­ger Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ger von gewöhn­li­chen Straf­ge­fan­ge­nen stellt eine mate­ri­el­le Vor­aus­set­zung für die Unter­brin­gung von Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen dar 2.

Im Hin­blick auf das Gebot einer mög­lichst wirk­sa­men Anwen­dung des Rechts der Euro­päi­schen Uni­on muss der Haft­rich­ter die Anord­nung von Siche­rungs­haft daher ableh­nen, wenn abseh­bar ist, dass der Betrof­fe­ne rechts­wid­rig unter­ge­bracht wer­den wird 3.

Die Betrof­fe­ne kann sich unmit­tel­bar auf Art. 16 Abs. 1 der Richt­li­nie 2008/​115/​EG beru­fen, weil die in Art.20 Abs. 1 auf den 24.12 2010 fest­ge­leg­te Frist für die Umset­zung der Richt­li­nie im Zeit­punkt der Haft­an­ord­nung abge­lau­fen war, eine sol­che in Deutsch­land aber noch aus­stand 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Novem­ber 2014 – V ZB 40/​11

  1. EuGH, Urteil vom 17.07.2014 – C473/​13 u. C514/​13, InfAuslR 2014, 347[]
  2. EuGH, Urteil vom 17.07.2014 – C474/​13, InfAuslR 2014, 348 Rn. 21[]
  3. BGH, Vor­la­ge­be­schluss vom 11.07.2013 – V ZB 40/​11 [inso­weit in NVwZ 2014, 166 nicht abge­druckt]; Beschluss vom 25.07.2014 – V ZB 137/​14, FGPrax 2014, 230 Rn. 5[]
  4. vgl. näher BGH, Vor­la­ge­be­schluss vom 11.07.2013 – V ZB 40/​11, NVwZ 2014, 166 Rn. 7 ff.[]