Ver­trag­li­cher Bei­trags­vor­aus­ver­zicht im Städ­te­bau­recht

§ 56 Abs. 1 VwVfG ent­hält kei­ne Er­mäch­ti­gung, von dem ge­setz­li­chen Ver­bot ge­set­zes­in­kon­gru­en­ter Ab­ga­ben­ver­trä­ge ab­zu­wei­chen. Eine sol­che Er­mäch­ti­gung er­gibt sich aber aus § 246a Abs. 1 Satz 1 Nr. 11 Bau­GB 1990 in Ver­bin­dung mit § 54 Abs. 2 Satz 1 BauZ­VO.

Ver­trag­li­cher Bei­trags­vor­aus­ver­zicht im Städ­te­bau­recht

Die nach § 54 Abs. 2 Satz 4 BauZ­VO ge­bo­te­ne Prü­fung der An­ge­mes­sen­heit eines ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Bei­trags­vor­aus­ver­zichts setzt je­den­falls für die Son­der­si­tua­ti­on in den neu­en Bun­des­län­dern wäh­rend der Jah­re 1991/​92 nicht zwin­gend vor­aus, dass bei Ver­trags­schluss be­reits eine Bei­trags­sat­zung vor­han­den war oder dass sich zu­min­dest auf­grund durch­ge­führ­ter Kal­ku­la­tio­nen die künf­ti­ge Bei­trags­hö­he schon be­stim­men ließ. Wel­che An­for­de­run­gen an die Vor­her­seh­bar­keit der Bei­trags­hö­he zu stel­len sind, muss in­so­weit viel­mehr ein­zel­fall­be­zo­gen be­ur­teilt wer­den.

Für die Be­ur­tei­lung der An­ge­mes­sen­heit der ver­trag­li­chen Leis­tun­gen im Sin­ne des § 54 Abs. 2 Satz 4 BauZ­VO sind alle der Ge­mein­de aus der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung er­wach­sen­den und dem Bau­wil­li­gen zu­re­chen­ba­ren Vor­tei­le zu be­rück­sich­ti­gen. Dies trifft vor allem für sol­che Vor­tei­le zu, die der Ge­mein­de durch die ge­plan­te Neu­an­sied­lung ent­ste­hen, so­fern die­se er­klär­tes Ziel und Grund­la­ge des Ver­trags ist.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 30. Mai 2012 – 9 C 5.11