Beset­zung einer Notar­stel­le und die Dau­er des Anwär­ter­diens­tes

Im Hin­blick auf die nach § 4 Satz 2 BNo­tO gebo­te­ne Wah­rung einer geord­ne­ten Alters­struk­tur des Notar­be­rufs darf die Jus­tiz­ver­wal­tung im Aus­wahl­ver­fah­ren nach § 6 Abs. 3 Satz 1 BNo­tO bei annä­hernd gleich geeig­ne­ten Bewer­bern um das Amt des Notars die Dau­er des Anwär­ter­diens­tes als wei­te­ren Gesichts­punkt für eine Dif­fe­ren­zie­rung her­an­zie­hen.

Beset­zung einer Notar­stel­le und die Dau­er des Anwär­ter­diens­tes

Das Vor­ge­hen der Jus­tiz­ver­wal­tung bei der Aus­wahl­ent­schei­dung nach § 6 Abs. 3 Satz 1 BNo­tO unter­liegt wegen des ihr zuzu­bil­li­gen­den Beur­tei­lungs­spiel­raums nur einer ein­ge­schränk­ten gericht­li­chen Kon­trol­le. Nur bei der Prü­fung der Eig­nung eines Bewer­bers nach § 6 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO steht der Jus­tiz­ver­wal­tung weder ein Ermes­sens­spiel­raum noch ein Beur­tei­lungs­spiel­raum zu, weil es inso­weit auf einen Ver­gleich mit Mit­be­wer­bern nicht ankommt [1]. Bei der Aus­wahl­ent­schei­dung im Fal­le des § 6 Abs. 3 BNo­tO geht es hin­ge­gen dar­um, das ver­schie­de­ne Maß der Eig­nung von Bewer­bern, die alle­samt dem Min­dest­stan­dard des § 6 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO genü­gen, ver­glei­chend zu ermit­teln. Anders als bei der Fest­stel­lung der Eig­nung als sol­cher reicht es nicht, das Vor­lie­gen der bei­den Merk­ma­le, der per­sön­li­chen und fach­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on, über­haupt fest­zu­stel­len. Viel­mehr müs­sen bei­de Gesichts­punk­te in ihrem Ver­hält­nis zuein­an­der gewich­tet wer­den. Die höhe­re Kom­ple­xi­tät der Aus­wahl­ent­schei­dung schließt eine gericht­li­che Kon­troll­dich­te, wie sie bei der Prü­fung der Eig­nung als sol­cher mög­lich ist, aus [2].

Im ent­schie­de­nen Fall hat die Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung, wie es gebo­ten ist [3], den aktu­el­len Leis­tungs­stand bei­der Bewer­ber zu dem nach § 6b Abs. 4 Satz 1 BNo­tO maß­geb­li­chen Zeit­punkt in den Blick genom­men. Inso­weit kommt dem Klä­ger – wie aus­ge­führt – kein signi­fi­kan­ter Eig­nungs­vor­sprung zu Gute.

Danach ist nicht zu bemän­geln, dass die Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung bei­de Bewer­ber trotz der Berück­sich­ti­gung des bes­se­ren Ergeb­nis­ses des Klä­gers im zwei­ten Staats­examen für fach­lich annä­hernd gleich geeig­net bewer­tet und dem Bei­ge­la­de­nen zu 1 im Hin­blick auf des­sen höhe­res Dienst­al­ter (vgl. § 6 Abs. 3 Satz 2 BNo­tO) den Vor­zug gege­ben hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Juli 2012 – NotZ(Brfg) 4/​12

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 14.08.1989 – NotZ 2/​89, DNotZ 1991, 69 = BGHR BNo­tO § 6, Eig­nung 2; vom 02.08.1993, NotZ 32/​92 und 35/​92 und Beschluss vom 13.12.1993 – NotZ 56/​92, BGHZ 124, 327, 330 f.[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 13.12.1993 – NotZ 56/​92, BGHZ 124, 327, 332[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 11.08.2009 – NotZ 4/​09, DNotZ 2010, 467; vom 09.12.2008 – NotZ 25/​07; und – NotZ 49/​07[]