Darf es eine Taxi­zen­tra­le mehr sein?

Der Kar­tell­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main hat in einem einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren die Geschäfts­pra­xis einer Frank­fur­ter Taxi­zen­tra­le, den ihr ange­schlos­se­nen Taxi­un­ter­neh­men die gleich­zei­ti­ge Ruf­ver­mitt­lung durch ande­re Taxi­zen­tra­len zu ver­weh­ren, für wett­be­werbs­wid­rig erklärt.

Darf es eine Taxi­zen­tra­le mehr sein?

In dem jetzt vom OLG Frank­furt ent­schie­de­nen Fall betreibt die Ver­fü­gungs­be­klag­te zwei Taxi­zen­tra­len, denen ca. 350 Taxis in Frank­furt am Main ange­schlos­sen sind. Für eine der von ihr betrie­be­nen Zen­tra­len führ­te die Beklag­te die Zer­ti­fi­zie­rung "Ser­vice Taxi" ein, mit der ein ver­bes­ser­ter Qua­li­täts­stan­dard ver­bun­den ist. Von den anschluss­wil­li­gen Taxi-Unter­neh­mern ver­lang­te sie jedoch unter Andro­hung einer Ver­trags­stra­fe, dass die­se kei­ne Ruf­ver­mitt­lungs­leis­tun­gen ande­rer Taxi­zen­tra­len in Anspruch neh­men. Der Ver­fü­gungs­klä­ger, der eben­falls eine Taxi­zen­tra­le in Frank­furt am Main betreibt, wand­te sich mit einem Antrag auf einst­wei­li­ge Ver­fü­gung gegen das von der Beklag­ten ver­ein­bar­te Ver­bot der Dop­pel­part­ner­schaft.

Das erst­in­stanz­lich mit dem einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren befass­te Land­ge­richt Frank­furt am Main ver­bot der Beklag­ten dar­auf­hin, in ihren Ver­trä­gen Klau­seln zu ver­wen­den, nach denen Part­ner­ver­ein­ba­run­gen mit ande­ren Taxi­zen­tra­len ver­bo­ten sind, oder die Zer­ti­fi­zie­rung als "Ser­vice Taxi" hier­von abhän­gig zu machen 1.

Im Beru­fungs­ver­fah­ren bestä­tig­te jetzt das OLG Frankfurt/​Main im Wesent­li­chen das land­ge­richt­li­che Urteil. Die Pra­xis der Beklag­ten, für die Zer­ti­fi­zie­rung als "Ser­vice Taxi" eine Inan­spruch­nah­me ande­rer Taxi­zen­tra­len außer ihrer eige­nen aus­zu­schlie­ßen, füh­re zu einer spür­ba­ren Ver­hin­de­rung des Wett­be­werbs. Soweit sich die Beklag­te zur Begrün­dung der Maß­nah­me dar­auf beru­fe, die­se sei zur Siche­rung des Qua­li­täts­stan­dards bei "Ser­vice Taxis" uner­läss­lich, erschei­ne dies nur vor­ge­scho­ben. Der tat­säch­li­che Grund für die Beschrän­kung, so das OLG, dürf­te viel­mehr dar­in lie­gen, dass die Beklag­te die von Wett­be­wer­bern betrie­be­nen Taxi­zen­tra­len nicht an den Umsatz­vor­tei­len durch die mit der Zer­ti­fi­zie­rung ver­bun­de­nen ver­bes­ser­ten Qua­li­täts­stan­dards teil­neh­men las­sen wol­le.

Wett­be­werbs­recht­lich glei­cher­ma­ßen unzu­läs­sig sind nach dem Urteil des OLG Frank­furt auch die Ver­trags­klau­seln, mit denen die Beklag­te ange­schlos­se­nen Taxi­un­ter­neh­men zur Durch­set­zung des Dop­pel­ver­mitt­lungs­ver­bots eine Ver­trags­stra­fe ange­droht habe.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 14. Juli 2009 – 11 U 68/​08 (Kart) (rechts­kräf­tig)

  1. LG Frankfurt/​Main, Urteil vom 24.09.2008 – 2/​6 O 342/​08[]