Akti­en­be­wer­tun­gen im Spruch­ver­fah­ren

Das Gericht muss im Spruch­ver­fah­ren eine Ände­rung der Exper­ten­auf­fas­sung zwi­schen Ent­schei­dungs­zeit­punkt und Bewer­tungs­stich­tag zwar nicht zwin­gend berück­sich­ti­gen; es ist aber nicht dar­an gehin­dert, das Ergeb­nis der Anwen­dung einer älte­ren Exper­ten­auf­fas­sung im Licht neue­rer Erkennt­nis­se zu über­prü­fen. Dies gilt auch für die in den Stan­dards des Insti­tuts der Wirt­schafts­prü­fer in Deutsch­land e.V. (IDW) zusam­men­ge­fass­ten Emp­feh­lun­gen (IDW S1), die zwar eine Erkennt­nis­quel­le für das metho­disch zutref­fen­de Vor­ge­hen bei der fun­da­men­tal­ana­ly­ti­schen Ermitt­lung des Unter­neh­mens­werts zur Über­prü­fung der Ange­mes­sen­heit der ange­bo­te­nen Abfin­dung dar­stel­len, das Gericht aber nicht bin­den kön­nen.

Akti­en­be­wer­tun­gen im Spruch­ver­fah­ren

Greift das Gericht auf die Erkennt­nis­quel­le des IDW S1 zurück, wird es in der Regel die im Zeit­punkt der gericht­li­chen Ent­schei­dungs­fin­dung aktu­el­le Fas­sung berück­sich­ti­gen, es sei denn, die Anwen­dung der aktu­el­len Fas­sung führ­te im kon­kre­ten Fall zu unan­ge­mes­se­nen Ergeb­nis­sen. Letz­te­res ist ins­be­son­de­re dann anzu­neh­men, wenn – und soweit – die Ände­rung ledig­lich der Anpas­sung an eine Ände­rung der recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen dien­te, die zu dem maß­geb­li­chen Bewer­tungs­stich­tag noch nicht ein­ge­tre­ten war.

Das Gericht kann des­halb zur fun­da­men­tal­ana­ly­ti­schen Ermitt­lung des Unter­neh­mens­werts im Spruch­ver­fah­ren das in der Fas­sung des IDW S1 vom 18.10.2005 emp­foh­le­ne Tax-CAPM auf Bewer­tun­gen anwen­den, deren Stich­tag zwar vor dem 18. Okto­ber 2005, aber nach der Ein­füh­rung des steu­er­recht­li­chen Halb­ein­künf­te­ver­fah­rens am 1. Janu­ar 2001 liegt.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 19. Janu­ar 2011 – 20 W 2/​07